1000 kleine Dinge in Amerika
Herzlich willkommen auf meinem Blog. Viel Spaß beim Stöbern und Lesen! Euer Kai Blum
Mit "Hoffnung ist ein weites Feld" beginnt eine Serie von Auswanderer-Krimis, die dem Leben der Familie Sievers sowie ihrer Verwandten, Freunde und Nachbarn von den 1880er Jahren bis ans Ende des Zweiten Weltkriegs folgen.
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Mittwoch, 22. Mai 2013
Wie verhalte ich mich bei einem Tornado?
Tornados sind eine in Europa vergleichsweise selten auftretende Wettererscheinung. In den USA kosten diese wirbelnden Sturmtrichter jedoch jedes Jahr Dutzende Menschenleben und große Sachschäden. Obwohl Tornados in allen Bundesstaaten auftreten können, werden der Mittlere Westen und der Süden der USA am häufigsten von diesen tückischen Windhosen heimgesucht.
Wenn in einer Region die Gefahr von Tornados entsteht, spielt der National Weather Service auf allen lokalen Radio- und Fernsehsendern Warnungen ein. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Stufen:
Tornado Watch: Das Auftreten eines Tornados ist möglich. Man sollte nun aufmerksam dem Fernsehen oder Radio folgen und sich an einen sicheren Ort begeben.
Tornado Warning: Ein Tornado wurde gesichtet. Soweit vorhanden, heulen die örtlichen Sirenen. Jetzt muss man unbedingt einen sicheren Ort aufsuchen. Hat das Haus einen Keller, so ist dieser der sicherste Ort. Auf jeden Fall aber sollte man sich auf die niedrigste Etage bzw. in einen fensterlosen Raum im Inneren des Hauses begeben. Auf keinen Fall sollte man aus dem Haus gehen und versuchen zu Fuß oder mit dem Auto zu flüchten. Ist man mit dem Auto unterwegs und sieht einen Tornado kommen, sollte man das nächste Gebäude, z.B. ein Fast Food Restaurant (in der Regel mit stabilen Kühlräumen) ansteuern bzw. sich flach in den Straßengraben legen. Im Auto sitzen zu bleiben oder durch einen Tornado hindurchfahren zu wollen, ist glatter Selbstmord. In öffentlichen Gebäuden folgt man den Anweisungen des Personals.
Hier ist ein Video mit verschiedenen Tornados:
(Die Musik im Video ist "Death to Everyone" von der Bonnie Prince Billy CD "I See a Darkness".)
Die erste amerikanische Polizistin
Mary Owens war die Tochter irischer Immigranten und wuchs in Ottawa (Kanada) auf. Als junge Frau zog sie mit ihrem Mann Thomas nach Chicago. 1888 starb Thomas an Typhus. Von nun an musste sie ihre fünf Kinder alleine ernähren.
1889 bekam sie eine Arbeit bei der Gesundheitsbehörde der Stadt und gehörte zu einer Handvoll weiblicher Fabrik-Inspektoren, die die Einhaltung von Gesetzen zur Kinderarbeit und Schulpflicht durchsetzten.
Die Öffentlichkeit war zu jener Zeit zunehmend über die Arbeitsbedingungen von Kindern empört. Die Inspektoren waren in ihrer Arbeit jedoch eingeschränkt. Um das zu ändern, wurde Mary Owens 1891 in den Polizeidienst übernommen. Sie erhielt den Rang eines Detektive Sergeant, einen Polizeistern und konnte von nun an Verhaftungen vornehmen.
"Ich mag die Polizeiarbeit", sagte Mary Owens im Jahr 1906 zur Chicago Tribune. "Dadurch habe ich die Möglichkeit, Frauen und Kindern zu helfen, die diese Hilfe nötig haben."
Sie fand viele Kinder in den Fabriken, die jünger als die erlaubten 14 Jahre alt waren. Manche waren erst sieben Jahre alt.
1923 ging sie nach 32 Jahren Polizeidienst, in denen sie Tausenden Kindern half, in die Rente. Sie starb vier Jahre später im Alter von 74 Jahren.
Ihre Verdienste waren vergessen bis Rick Barrett, ein ehemaliger Mitarbeiter der Drug Enforcement Administration, Nachforschungen anstellte. Mehr dazu auf den Seiten der Chicago Tribune.
Freitag, 3. Mai 2013
30 Geldspartipps für den USA-Alltag
Im April habe ich auf der Facebook-Seite zu meinem Buch "Alltag in Amerika" jeden Tag einen Geldspartipp veröffentlicht. Hier sind diese Tipps noch einmal auf einen Blick:
1. Wasser und Geld sparen durch Toiletten-Umrüstung (Amerikanische Toiletten verbrauchen 4,8 bis 6 Liter Wasser pro Spülung!)
2. Im April ist der Eintritt in allen Nationalparks in den USA eine Woche lang kostenlos. Mehr dazu: National Park Week
3. Wer energiesparende Technologien in sein Haus einbaut, kann das auf seiner Steuererklärung geltend machen: Federal Tax Credits for Energy Efficiency
4. Viele von euch werden es schon wissen, aber ich erwähne es trotzdem: Skype ermöglicht kostenloses (Video-) Telefonieren übers Internet (auch international).
5. Wer sein Konto überzieht oder seine Kreditkartenrechnung zu spät bezahlt, dem nehmen amerikanische Banken ca. 35 Dollar Strafgebühr ab. In der Regel lohnt es sich, bei der Bank anzurufen und freundlich darum zu bitten, diese Gebühr zurück zu erstatten. Am besten sagt man: "I was wondering if you could waive this fee as a courtesy this one time?" (Das Zauberwort ist courtesy.) Das klappt normalerweise einmal im Jahr pro Bank.
6. In vielen Coffee Shops, Restaurants, Bake Shops, Eisläden und ähnlichen Geschäften bekommt man an seinem Geburtstag etwas umsonst. Sucht einfach bei Google mit dem Stichwort birthday freebies und dem Namen eurer Stadt.
7. Wer in den USA keinen Garten hinterm Haus hat bzw. in einer Wohnung lebt, kann vielerorts gegen eine relativ geringe Gebühr in einem Community Garden Gemüse, Blumen und Kräuter anbauen. Mehr dazu: Jetzt für einen Garten anmelden
8. Geld- und Sachspenden an gemeinnützige Organisationen können auf der Steuererklärung geltend gemacht werden. Informationen dazu: Eight Tips for Deducting Charitable Contributions
9. Einmal im Jahr gibt es kostenloses Eis in den Verkaufsstellen von Ben & Jerry's. (In diesem Jahr war das am 9. April)
10. Wer sich in den USA selbständig machen will, kann kostenlose Beratungsdienste in Anspruch nehmen: Kostenlose Beratungsdienste für Firmengründer in den USA. (Zusatztipp für Frauen, die sich selbständig machen: Government Resources for Women-Owned Small Businesses)
11. Viele Kaufhäuser, Super- und Baumärkte bieten ihren Kunden store charge cards an. Diese funktionieren, das erkläre ich ja auch in Alltag in Amerika, wie Kreditkarten, können jedoch nur in den Filialen des jeweiligen Handelsunternehmens benutzt werden. Ein einmaliger Preisnachlass von 10 Prozent und Zinsfreiheit für einige Monate dienen oft als Anreiz für die Eröffnung eines solchen Kontos. Um richtig Geld zu sparen, sollte man 1) damit warten, bis man wirklich eine große Anschaffung tätigt (z.B. eine Waschmaschine) und 2) die Schuldsumme vor Ablauf der zinsfreien Frist abzahlen, da ansonsten möglichweise die Zinsen für den gesamten Betrag nachträglich fällig werden (unbedingt im Kleingedruckten nachschauen!)
12. Falls man Bücher innerhalb der USA verschickt, kann man das Porto verringern, indem man auf dem Postamt darauf hinweist, dass es sich um "Media Mail" handelt. Leider gilt das nur innerhalb der USA. Allerdings gibt es eine ähnliche Möglichkeit, wenn man größere Mengen Bücher per Luftpost verschicken möchte: Airmail M-Bags
13. Zum Thema Geld sparen beim Lebensmittelkauf haben die Leser von "1000 kleine Dinge in Amerika" eine ganze Reihe von guten Tipps zusammengetragen: Lebensmittelkauf - 25 Tipps zum Geld sparen
14. Dieser Tipp ist aus meinem Buch Immobilien in den USA: "Sie sollten versuchen, von dem Verkäufer eine Garantie (home protection plan) zu verlangen. Diese muss ebenfalls im sales agreement festgehalten sein und zum Zeitpunkt des Verkaufes vom Verkäufer erworben werden. Der Verkäufer garantiert, dass die Wasserrohre, die elektrischen Anlagen, das Heizungssystem, die Klimaanlage und die anderen technischen Geräte im Haus einwandfrei funktionieren, und erwirbt für einige hundert Dollar eine Versicherung, die im Falle eines Schadens die Reparaturkosten übernimmt. Diese Versicherung wird in der Regel für ein Jahr abgeschlossen und kann dann vom Käufer fortgeführt werden. Wenn der Verkäufer nicht bereit ist, die Kosten zu übernehmen, dann sollten Sie selbst eine solche Versicherung zusätzlich zur üblichen homeowner’s insurance abschließen. Viele Verkäufer werden sich aber darauf einlassen, da es sie gegen mögliche spätere Forderungen des Käufers absichert."
15. Fahrkarten von Megabus sind in der Regel nur halb so teuer wie die von Amtrak.
16. Ich buche alle meine Hotelübernachtungen bei Hotels.com. Dabei warte ich immer bis es Sonderaktionen gibt, über die man per E-Mail informiert wird. Außerdem bekommt man nach zehn Übernachtungen eine Übernachtung umsonst.
17. Urinieren in der Öffentlichkeit ist in den USA vielerorts ein Vergehen, das mit einer erheblichen Geldstrafe geahndet wird: New York: 20.000 Strafzettel für Urinieren in der Öffentlichkeit
18. Falls ihr einen Strafzettel wegen Falschparkens an der Windschutzscheibe stecken habt, lohnt sich ein genauer Blick darauf, bevor ihr zahlt: Ist der Strafzettel wirklich für euer Auto? In manchen Städten sind die Nummernschild-Angaben nur ganz klein aufgedruckt und einige Parksünder stecken ihren Strafzettel einfach an ein anderes Auto, in der Hoffnung, dass der Besitzer nicht aufpasst und zahlt. (Ich hatte schon einmal den Strafzettel, der für ein anderes Auto bestimmt war, unterm Scheibenwischer. Da ich selbst fragwürdig geparkt hatte, nahm ich zunächst wirklich an, dass er für mich bestimmt war. Ganz schön clever, muss ich sagen!)
19. Eine gute Kreditgeschichte zahlt sich in zweifacher Hinsicht aus: 1) man bekommt bessere Zinsraten bei Krediten, was besonders beim Immobilienerwerb und beim Autokauf wichtig ist 2) Arbeitgeber überprüfen zunehmend die Kreditgeschichte von Bewerbern, um sich ein Bild von deren Zuverlässigkeit zu machen. Mehr dazu: Wie man sich eine Credit History in den USA aufbaut
20. Worauf man im amerikanischen Straßenverkehr gut aufpassen sollte, wenn man einen teuren Strafzettel vermeiden möchte, sind die No Turn On Red-Zusatzschilder an Ampeln, die das Rechtsabbiegen bei Rot verbieten. Diese Schilder sind oft an den Ampeln direkt angebracht, mitunter stehen sie aber auch am Straßenrand. Besonders heimtückisch: Manchmal ist man schon an ihnen vorbeigerollt, wenn man an der Ampel zum Stehen kommt und bemerkt sie deshalb nicht. Auf diese Weise habe ich mir vor einigen Jahren selbst einmal eine 180-Dollar-Strafe eingehandelt.
21. Wer ein Haus kauft und deshalb eine Homeowners Insurance abschließt, kann in der Regel einen Discount von 5 Prozent bekommen, wenn man Rauchmelder (smoke detector) und Türschlösser mit Verriegelungsbolzen (dead-bolt locks) hat. Hier gibt es noch einige weitere Tipps, wie man in Sachen Homeowners Insurance sparen kann: 12 Ways to Lower Your Homeowners Insurance Costs
22. Wer gerade in den USA angekommen ist und sich den Haushalt einrichtet, aber auch wer schon in Amerika lebt, sollte unbedingt zu Big Lots gehen. Dort gibt es viele Dinge preiswerter: Geschirr, Waschpulver, Reinigungsmittel, Shampoo, Deo, Toilettenpapier und viele andere Dinge des täglichen Bedarfs. Ich gehe mittlerweile immer erst dorthin und dann anschließend in den normalen Supermarkt. (Übrigens gibt es auch deutschen Rotkohl im Glas bei Big Lots.)
23. Viele amerikanische Stadtbibliotheken haben mehr oder weniger kleine Abteilungen mit deutschsprachigen Büchern. Das trifft oft auch auf kleinere Städte zu. (Ich wohne in einer Stadt mit knapp 20.000 Einwohnern und die Public Library hat einige Dutzend neuere Romane in deutscher Sprache in ihrem Bestand.)
24. Vielerorten gibt es jetzt time exchanges, wo man seine speziellen Kenntnisse anderen Menschen zur Verfügung stellt und dann im Gegenzug ebenfalls die Services anderer Leute in Anspruch nehmen kann, alles ohne Geld. Hier ist ein Beispiel aus Wisconsin: Milwaukee Time Exchange Helps People Exchange Services
25. Wer in den USA lebt und eine Krankenversicherung mit hoher Selbstbeteiligung hat, kann ein spezielles Konto eröffnen, auf das Geld von Lohn bzw. Gehalt überwiesen wird und mit dem sich Steuern sparen lassen: Was ist ein Health Savings Account (HSA)?
26. Ein Tipp für Hausbesitzer:
27. Die meisten Krankenversicherungen haben einen Medikamentenversand (mail-order pharmacy). Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, kann hier oft Geld sparen. Während man in der normalen Apotheke nur Medikamente für 30 Tage bekommt, kann man auf diesem Weg Medikamente für 90 Tage erhalten.
28. Wer eine Waschmaschine, einen Rasenmäher, ein Auto oder dergleichen kauft, sollte darauf gefasst sein, dass einem der Verkäufer eine extended warranty aufzuschwatzen versucht. Diese ist jedoch oft nicht ihr Geld wert. Mehr dazu hier: Extended warranty buying guide
29. Wer sein Haus renovieren oder größere Arbeiten im Garten durchführen will, kann bei Home Depot relativ preiswert eine ganze Reihe von Geräten und auch einen Pick-Up Truck für den Transport von sperrigen Materialien mieten: Tool & Truck Rental
30. Falls ihr einen Garten habt und Kompost braucht, googelt einfach mal das Wort compost zusammen mit dem Namen eures Wohnortes bzw. eures County. Vielerorts wird Kompost von kommunaler Seite viel preiswerter als im Bau- oder Gartenmarkt angeboten.
Viele weitere Informationen zu finanziellen Themen gibt es in meinem Buch Alltag in Amerika: Leben und Arbeiten in den USA
Dienstag, 30. April 2013
Schönes Reiseziel: Die Großen Seen
Die Great Lakes sind meiner Meinung nach bei USA-Urlaubern noch nicht so richtig als mögliches Reiseziel ins Bewusstsein gedrungen, obwohl ich mit meinem Fettnäpfchenführer USA, der ein fiktives Michigan-Reisetagebuch enthält, versucht habe, da etwas Abhilfe zu schaffen. ;-) Vor einigen Wochen habe ich Stefanie Kulpe kennengelernt, die mit ihrem Unternehmen Michigan Travels Touren mit deutschsprachigen Reiseleitern organisiert. Ich fand das toll und habe sie gebeten, mir einige Fragen zu beantworten:
Kannst du dir vorstellen, dass die Großen Seen eines Tages als Urlaubsziel ähnlich beliebt wie Florida oder New York sind?
Das sind sie doch bereits! Na ja, zumindest in der Sommerzeit bei den Amerikanern des Mittleren Westens. Da gelten die Großen Seen als klassisches Reiseziel. Viele Amerikaner haben hier seit Generationen ein Wochenendhaus im Familienbesitz und verbringen regelmäßig ihre Sommer dort.
Bei den Deutschen glaube ich aber eher nicht, dass die Großen Seen je so beliebt werden wie die gängigen Reiseziele in den USA. Anders als die US-Amerikaner verbinden Europäer keine Geschichten oder Emotionen mit den Großen Seen. Florida und New York sind bekannt aus Filmen und Fernsehserien sowie aus massiver Bewerbung. Die Großen Seen halten sich da eher bedeckt.
Dadurch konnten sie eine wundervolle Ursprünglichkeit bewahren. Es gibt Landstriche, auf denen sich meilenweit nur kleine, unabhängige „Mom & Pop“ Shops finden; große Ketten wie McDonald’s bleiben außen vor. Die historische kulturelle Vielfalt (von zahlreichen Indianerstämmen, frühen europäischen Missionaren und Siedlern, Amishen, bis zu ehemaligen Industriehochburgen und legendären Gangsterbanden) und die einzigartige Landschaft -- eine Mischung aus wundervollen National Parks, weitläufigen landwirtschaftlich geprägten Regionen und beeindruckenden Metropolen, alles umgeben von einem Fünftel des Frischwasservorkommens der Welt, in Seen so groß wie Meere --, zeigen die Vielfalt der USA ohne Zuckerguss und massiver Kommerzialisierung.
Der Tourismus ist hier ein wichtiger Wirtschaftszweig, doch an einem Massentourismus wie in Florida ist hier wohl niemandem gelegen. "Klein, aber fein" lautet die Devise.
Was sollten sich Leute, die zum ersten Mal die Region der Großen Seen besuchen, unbedingt ansehen?
Ich rate jedem dazu, von der Vielfalt der Region zu profitieren. Eine der Metropolen, sei es Chicago oder Toronto, sollte auf jeden Fall auf dem Reiseprogramm stehen. Ich kann auch Detroit empfehlen. Allerdings sollte man sich für Detroit mehr Zeit nehmen, um die Komplexität dieser spannenden Stadt würdigen zu können.
Die Küstenlänge entlang der Großen Seen beträgt knapp 17.000 Kilometer. Ein paar davon sollte man sich da auf jeden Fall ansehen! Insbesondere an der Westküste von Michigan (also auf der Ostseite des Michigansees) gibt es meilenlange schöne, unverbaute Strände mit feinstem Sand und idealen Bedingungen für Wassersportarten aller Art.
Überhaupt: An einen der fünf großen Seen fahren, gucken und staunen. Und dann schwimmen gehen, sonnenbaden, Kajak fahren, was man so macht am Wasser. Abends entweder den Sonnenuntergang am Horizont beobachten oder in einem der zahlreichen Restaurants einen tagesfrischen Fisch genießen. Oder am besten gleich beides miteinander verbinden!
Auch einen der National Parks oder State Parks sollte man sich ansehen. Der Sleeping Bear Dunes National Lakeshore bei Empire ist ebenso beachtlich wie der Picture Rocks National Lakeshore. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Niagarafälle, die man sowohl von US-amerikanischer als auch von kanadischer Seite erleben kann. Eine Bootsfahrt auf der Maid of the Mist, die einen direkt an die Fälle bringt, ist ein ganz besonderes Erlebnis.
Die Mackinac Brücke fasziniert immer wieder. Die Brücke überquert die Mackinac Straits zwischen Lake Huron und Lake Michigan und verbindet so die beiden Halbinseln, die den Bundesstaat Michigan ausmachen. Die Hängebrücke, manchmal auch „Big Mac“ genannt, misst eine Gesamtlänge von acht Kilometer. Sie ist damit fast drei Mal länger als die Golden Gate Bridge. Ängstliche Autofahrer können gegen eine kleine Gebühr an Ort und Stelle einen Fahrer anheuern, der ihren Wagen sicher über die Brücke bringt.
Es gibt viele weitere sehenswerte Dinge, Orte, Sachen. Wer noch Zeit hat, sollte eines der amischen Dörfer in Indiana besuchen oder auf gut Glück ein paar der vielen kleinen verschlafenen Ortschaften erkunden, die das Gebiet so unvergleichlich macht. Kleine Abenteuer garantiert!
Das kann man natürlich auf eigene Faust machen oder man kann sich einer Reisegruppe anschließen. Was zeichnen die Touren aus, die du anbietest?
Unser Unternehmen ist aus unserer Begeisterung für die Great Lakes Region entstanden. Besonders stolz sind wir auf unsere Kleingruppentouren, die wir mit viel Enthusiasmus und Sorgfalt zusammengestellt haben.
Bei diesen Kleingruppenreisen handelt es sich um Tourenangebote, die sich an Individualreisende richten, die die Region als Teil einer kleinen Gruppe entdecken möchten. Sämtliche Touren bieten eine ausgewogene Mischung aus Kultur, Natur und Erholung. Sie vermitteln einen faszinierenden Eindruck von der Region der Großen Seen und deren Vielfältigkeit.
Da wir ein kleiner, unabhängiger Reiseveranstalter sind, müssen wir keine Attraktionen in unser Angebot aufnehmen oder Hotels buchen, zu denen wir nicht zu 100% stehen. Wir legen Wert darauf, mit familiengeführten, unabhängigen Hotels zusammenzuarbeiten, wo immer es geht.
Wir bringen unsere Kunden auch zu Orten oder Besonderheiten, die wir gar nicht veröffentlichen. Es sind kleine Diamanten, die von der großen Welt unbehelligt bleiben sollen.
Beratung, Touren und Veranstaltungen finden grundsätzlich auf Deutsch statt. Unsere Reiseführer sind entweder Deutsche, die seit vielen Jahren in Michigan leben oder US-Amerikaner aus Michigan, die fließend Deutsch sprechen. Unsere Angebote eröffnen nicht nur einen exklusiven Zugang zu dieser wunderschönen und größtenteils noch unentdeckten Perle der USA, wir berücksichtigen auch die kulturell unterschiedlichen Sichtweisen. Und Sprachbarrieren fallen dabei einfach weg.
Unsere Devise: Wenn schon Urlaub, dann richtig. Unsere Gäste können sich entspannt zurücklehnen und genießen, denn schließlich ist schon alles geplant und fahren tut ein anderer. So kann man sich auf die Landschaft anstatt auf den Straßenverkehr konzentrieren.
Zuguterletzt: „1000 kleine Dinge“ bzw. Fragen („Was hat denn dieses Schild zu bedeuten?“) ergeben sich auf jeder Reise. Unsere Reisebegleiter können 999 kleine und manchmal große Antworten geben.
Kannst du vielleicht doch einen kleinen Geheimtipp für Michigan-Urlauber preisgeben?
Jeder kann sich gerne Inspirationen bei unseren Tourenbeschreibungen holen. Da gibt es sehr viele Tipps zur Tourengestaltung und zu sehenswerten Stopps.
Und eines kann ich noch gerne verraten: Bisher habe ich noch keinen Urlauber gesehen, der Michigan und die Großen Seen zum ersten Mal bereist hat und nicht vollends begeistert war!
Mittwoch, 24. April 2013
Was ist ein Health Savings Account (HSA)?
Wer in den USA lebt und eine Krankenversicherung mit hoher Selbstbeteiligung (high-deductible health plan) hat, kann ein spezielles Konto eröffnen, auf das Geld von Lohn bzw. Gehalt überwiesen wird und mit dem sich Steuern sparen lassen.
In der Regel können diese Überweisungen über den Arbeitgeber vor Abzug der Steuern vorgenommen werden. Sollte diese Möglichkeit nicht bestehen, kann man das Geld auch selbst einzahlen und dadurch das besteuerbare Jahreseinkommen verringern. Das macht man dann bei der jährlichen Einkommensteuererklärung geltend. (Selbstständige müssen allerdings self-employment tax auf ihre eingezahlten Beträge entrichten.) So lassen sich unter Umständen einige Hundert Dollar im Jahr sparen.
Pro Jahr können maximal 3.250 Dollar (Single) bzw. 6.450 Dollar (Familie) auf ein Health Savings Account eingezahlt werden. (Stand: 2013)
Dieses Geld kann dann für Eigenbeteiligungen bei medizinischer Behandlung und bei Medikamenten, aber auch beim Zahnarzt, Augenarzt und Chiropraktiker sowie für Brillen und Hörgeräte genutzt werden.
In der Regel nutzt man eine Geldkarte (debit card) oder Schecks für dieses Konto zum Bezahlen der genannten Eigenbeteiligungen bzw. anderen Leistungen.
Sollte man das Guthaben im laufenden Kalenderjahr nicht verbrauchen, steht es auch im folgenden Jahr zur Verfügung.
Falls man zu einer Krankenversicherung ohne hohe Selbstbeteiligung wechselt, steht das Geld ebenfalls noch zur Verfügung, man kann jedoch kein weiteres Geld auf dieses Konto einzahlen.
Sollte man Geld abheben und für nichtmedizinische Zwecke verwenden, werden Einkommenssteuer und 20 Prozent Strafgebühr fällig, es sei denn man ist 65 Jahre alt oder behindert geworden.
Dienstag, 23. April 2013
Buchverlosung im Juni
Eine Sache, die ich immer wieder gerne mache, ist das Verlosen von Büchern. Auf diese Weise kann ich meine Freude über ein neues Buch ein wenig teilen.
Im Juni ist es nun wieder soweit: Mein Auswanderer-Krimi "Hoffnung ist ein weites Feld", den es bereits als E-Book gibt, wird als gedrucktes Buch erscheinen und der Auftakt für eine Serie von Auswanderer-Krimis sein.
Aus diesem Anlass werde ich zehn Bücher unter allen verlosen, denen die Facebook-Seite "Auswanderer-Krimis" gefällt. Da nicht jeder bei Facebook ist, werde ich drei weitere Exemplare auf der Google+-Seite von 1000 kleine Dinge in Amerika und zwei weitere Bücher unter allen Abonnenten des Newsletters auf der Auswanderer-Krimis-Website verlosen. (Wer seine Gewinn-Chancen erhöhen möchte, kann alle drei Möglichkeiten nutzen.)
Ich wünsche euch viel Glück beim Mitmachen!
Freitag, 19. April 2013
Wie Detroit sich neu erfindet - Ein Interview mit Katja Kullmann
Da ich seit beinahe 15 Jahren in der Nähe von Detroit lebe und die Stadt mit ihren Problemen (und den Versuchen, diese zu lösen) recht gut kenne, habe ich mit großem Interesse das Buch Rasende Ruinen - Wie Detroit sich neu erfindet von Katja Kullmann gelesen. Ich war gespannt, wie es einer deutschen Journalistin, die sich vier Wochen lang in der Stadt aufhielt, gelingen würde, Detroit und seine Einwohner zu beschreiben. Kurz gesagt: Katja Kullmann hat ein tolles Buch vorgelegt, das der Stadt und ihren Menschen gerecht wird.
Katja Kullmann war so freundlich, sich mit mir über ihr Buch auszutauschen:
Denkst du oft an Detroit?
Ja, jede Woche mindestens zwei oder drei Mal. Zum einen liegt das daran, dass wir ja auch zunehmend in Europa, auch in Deutschland, über das Phänomen der „shrinking cities“ sprechen – überhaupt über das soziale Moment von Städten, über Ungleichheit: Da gibt es einerseits die boomenden Metropolen, die „Kreativ“- oder „Medienstädte“ wie Berlin, Hamburg, Köln, München – da wollen alle hin, da grassiert die Immobilienspekulation, da steigen die Mieten weiterhin wie verrückt. Und andererseits gibt es die sterbenden Städte in den Regionen des Bergbaus und der früheren Metall-Industrie, hoch verschuldete Kommunen mit wachsender Armut, etwa Oberhausen oder Dortmund. Genau diese Prozesse spiegeln sich ja in Detroit, oder es spiegelt sich umgekehrt, wie auch immer man das sehen will. Neulich war ich mal in Nordfriesland unterwegs, auf dem Land - und auch da: Kleine Kreisstädte mit halbverwaisten Innenstädten, da gibt es keinen Lebensmittelladen mehr, nur noch große Einkaufzentren irgendwo auf der grünen Wiese. Niemand investiert noch in diese Orte - lauter kleine Detroits, auch hierzulande. Naja, abgesehen davon habe ich natürlich noch ein paar Kontakte nach Detroit und lese in den Nachrichten auch immer mal, was sich dort gerade so tut. Und ich bin weiterhin ein Soul-Fan, besonders mag ich den Motown-ähnlichen Sound der frühen 60er Jahre, der eben überwiegend aus Detroit kommt. Es rührt ja sowieso sehr viel Musik aus Detroit oder hat auf Umwegen mit der Stadt zu tun – vom Jazz über den Funk, den Soul bis zu Punk und Techno. Wenn man das einmal weiß, kann man kaum noch Musik hören, ohne automatisch auch immer wieder Detroit zu hören.
Apropos Techno: Als ich vor einigen Jahren zu einem Konzert der deutschen Band Kraftwerk in Detroit gegangen bin, war ich überrascht, dass das Publikum zu einem großen Teil aus schwarzen Männern über 40 bestand. Wie ich dann später nachgelesen habe, gehörte Kraftwerk zu den Lieblingsbands der Techno-Wegbereiter in Detroit. Aber zurück zum Thema "shrinking cities": In deinem Buch schreibst du, dass Detroit "womöglich gar nicht hinterherhinkt, sondern den anderen nur wieder ein paar Schritte voraus ist." Sollten deutsche Städte mit ähnlichen Problemen deshalb Detroit im Auge behalten?
Das mit den „paar Schritten voraus“ steht im Vorwort - und war ursprünglich sarkastisch gemeint, nämlich in dem Sinn, dass es in den USA keinen Sozialstaat gibt, wie wir ihn aus Europa kennen. Die sozialen Sicherungssysteme werden in Europa ja gerade abgebaut. Und in diesem Sinne kann man in Detroit sehr gut sehen, wohin es führt, wenn die sprichwörtliche Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinander driftet, oder wenn dir nach einer bestimmten Zeit der Arbeitslosigkeit nichts mehr bleibt als Lebensmittelmarken. Aber auch in anderer, positiver Hinsicht sind die Menschen in Detroit uns gewissermaßen „voraus“. Es gibt dort Hunderte von Projekten und Kollektiven, die versuchen, neue Gemeinschaften zu stiften. Das Urban Farming spielt da eine wichtige Rolle. Ich hatte das zunächst unterschätzt und für eine Öko-Träumerei gehalten. Aber in Detroit ist das existenziell wichtig für die Menschen. In vielen Stadtteilen gibt es keinen Supermarkt mehr, erst recht keinen Gemüseladen. Seine Lebensmittelmarken kann man fast nur in Liquor Stores einlösen, wo es nur Fertiggerichte gibt, echten Ernährungs-Schrott. Die Urban-Farming-Bewegung in Detroit führt die Leute zurück zu einer autonomen Subsistenzwirtschaft, kann man sagen. Es gibt Leute, die sagen: „Wir verweigern jetzt die Rolle des Konsumenten.“ Frühere Auto-Mechaniker geben kostenlose Fahrrad-Reparatur-Workshops, es gibt privat organisierte Möbeltauschringe usw.. Da wird Autonomie und Selbstbestimmung gerade ganz praktisch ausprobiert bzw neu definiert – immer mit einer solidarischen Idee im Hinterkopf. In Deutschland gibt es ja z.B. Ansätze zu Mieter-Kollektiven - um aus dieser wahnsinnigen Miet-Spirale auszusteigen. Oder in Griechenland: Da haben ganze Gemeinden eine eigene Ersatz-Währung im Tausch-Modus eingeführt, um das lokale Wirtschaftssystem zu retten. Diese neuen Formen der Selbst-Organisation entstehen derzeit überall - und aus Detroit kann man da viel lernen. Das fand ich alles viel spannender als das, was Städteplaner und Investoren dort so im Kopf haben.
Das Urban Farming hatte ich anfangs auch unterschätzt. Jetzt entwickelt sich das zu einer echten Alternative zu den bestehenden Versorgungsstrukturen. Muss es den Leuten erst richtig schlecht gehen, bevor sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen?
Das wäre eine typische „Tea Party“-Ansicht, schätze ich mal: „Man muss Euch wohl verhungern lassen, bevor Ihr mal den Hintern hoch kriegt?“ Ähnliche Ansichten kursieren ja auch in Europa, so nach dem Motto: „Jeder ist seines Glückes Schmied, selbst schuld.“ Nein, nein – so ist es ganz und gar nicht. Einge ganz breite Bevölkerungsschicht ist in Detroit über Jahrzehnte in die Armut gerutscht, und es ist genau die Schicht, die einst zur Mittelschicht zählte – die „blue collar middle class“, man könnte auch sagen: die Mechaniker- oder Facharbeiterklasse. Das sind Familien, die über Generationen ganz brav den Vorgaben des amerikanischen Traums gefolgt sind, die haben fleißig gearbeitet, haben sich ein kleines Häuschen und ein Auto zugelegt, oft kreditfinanziert – genau wie es das amerikanische Konsum-System jahrzehntelang von seinen Bürgern gewünscht hat: „Buy now, pay later.“ Und nach und nach hat sich dann nicht nur die Produktion globalisiert, was ja nichts anderes bedeutet, als dass z.B. Autos an billigeren Standorten produziert werden; es ist auch das eingetreten, worüber wir in Europa seit einer Weile heftig diskutieren: Alte Arbeitsverträge und tarifliche Abmachungen wurden nach und nach aufgeweicht oder abgeschafft. Auch in Detroit sind viele Arbeiter zwischenzeitlich gekündigt und wenig später als deutlich schlechter bezahlte Leih- und Zeitarbeiter wieder eingestellt worden. Und wenn sich Existenzangst und Armut weiter vererben, dann kommt man da irgendwann nicht mehr heraus. Fakt ist: In Detroit gibt es einfach kaum Jobs, erst recht nicht für Menschen, die keine ganz so tolle Ausbildung haben. Gleichzeitig werden aber öffentliche Grundschulen geschlossen und so weiter – das Wort „Abwärtsspirale“ ist zu klein für das, was da passiert. Interessanterweise ballt sich draußen im Grünen, vor den Toren der Stadt, der Reichtum. Das umliegende, überwiegend von Weißen besiedelte County Oakland zählt zu den absolut reichsten in den gesamten USA. Dort sitzen sozusagen die Unternehmerfamilien, die mit der Ausbeutung der Innenstadt-Arbeiter-Schicht über hundert Jahre sehr viel Geld gemacht haben. Diese „Klassenteilung“ hat mich in dieser Härte sehr erschüttert. Was die Leute in dowtown Detroit jetzt tun: Sie holen sich den vergifteten Begriff „Freiheit“ sozusagen zurück. Sie denken nicht an „neoliberale“ Freiheit, sondern an Autonomie. Auch sie kündigen jetzt gewissermaßen den Gesellschaftsvertrag – weil die große US-Gesellschaft, erst recht der Bundesstaat Michigan, der übrigens von einem Tea-Party-nahen Republikaner regiert wird, sowieso nichts für sie tut. Also formen sie alternative, eigene Strukturen. Um zu überleben, ganz einfach.
Gouverneur Rick Snyder steht mir politisch alles andere als nahe, aber ich muss ihn doch ein wenig verteidigen: Er ist der erste Gouverneur seit Langem, der sich wirklich ernsthafte Gedanken um Detroit macht. Seine Ansätze sind zwar durch und durch kapitalistisch, aber er hat auch Ideen, denen ich zustimme, z.B. die Stadt durch Einwanderer neu zu beleben. Es gibt in Detroit mindestens zwei Stadtteile, die durch mexikanische Einwanderer zu neuem Leben erwacht sind, allerdings bis jetzt ohne Zutun des Staates. Was hältst du von der Idee, „shrinking cities“ durch Einwanderer wieder wachsen zu lassen?
Migration war schon immer der Schlüssel zu mehr Wohlstand – also: Wenn Menschen zuwandern, prosperiert über kurz oder lang die Stadt, das zieht sich von der Antike bis heute. Der britisch-kanadische Autor Doug Sanders hat vor nicht allzu langer Zeit ein interessantes Buch darüber verfasst, es heißt „Arrival City“, also „Ankunftsstadt“. Ich glaube ich weiß, von welchen Gegenden Du sprichst. Eine Ecke im südwestlichen Teil von Detroit wird heute „Mexican Town“ genannt, weil da in den vergangenen Jahren eine ganz neue Nachbarschaft mit einer kleinen, aber wachsenden Mikroökonomie entstanden ist. Also: Ja, das stimmt. Wie Du es in Deiner Frage aber schon andeutest: Der Zuzug dieser Menschen ist aber nicht das Verdienst irgendeiner „policy“, einer staatlichen Initiative. Ein anderes Beispiel ist das, was der Unternehmer Dan Gilbert in Detroit macht. Ihm gehört u.a. das Unternehmen „Quicken Loans“, das sich – ironischerweise - auf die Finanzierung privater Immobilienkredite spezialisiert hat. Er kauft seit einer Weile reihenweise leer stehende, teils zwangsversteigerte Hochhäuser in bestimmten Vierteln der City auf, und er genießt etliche, nur halb transparente Steuerprivilegien dafür. Was er im Gegenzug versprochen hat: Dass er mindestens 2.000 so genannte „High Potentials“, junge, top ausgebildete Leute als Arbeitskräfte in die Stadt holt. Auch für diese neu angeworbenen Mitarbeiter soll es in den ersten Jahren Steuervergünstigungen geben, und sie zahlen in den extra für sie hergerichteten Wohnungen besonders niedrige Mieten. Was alles erst einmal ganz gut klingt, das gebe ich zu – was aber auch zu der absurden Situation führt, dass diese jungen, abenteuerlusigen High Potentials nun also in luxuriös sanierten Häusern leben und dafür teils weniger bezahlen - obwohl sie ordentlich verdienen -, als die angestammten verarmten Familien für ihre Bruchbuden hinblättern müssen. In den Rasenden Ruinen habe ich es ungefähr so formuliert: „Man jubelt über 2.000 neue schicke Bürger – aber die 700.000 alten Bürger, die es seit Jahrzehnten irgendwie dort aushalten, kommen in den Berichten nur als Fußnoten vor.“ Fest steht, das ist in jedem Fall richtig: Detroit leidet unter einer massiven De-Gentrifizierung, dem Gegenteil dessen, was New York oder europäische Hot Spots erleben. Es ist dieselbe Medaille, nur von einer anderen Seite betrachtet: soziale Segregation. Insofern ist es wirklich gut, wenn neue Menschen nach Detroit ziehen und dort im Kleinen vielleicht etwas Neues aufbauen. Man darf aber keine Jubelarien daraus machen. Fakt ist: Die Stadt leidet immer noch vor allem unter einem massiven Anwohner-Verlust. Allein in den Nuller Jahren ist die Bevölkerung noch mal um ein Viertel gesunken, auf heute knapp über 700.000 – wo einst an die zwei Millionen lebten. Ich wünsche Detroit wirklich nichts mehr, als dass es wieder zu Kräften kommt, dass dieser traurige Verzweiflungs-Schleier, der über der Stadt liegt, sich schnellstmöglich auflöst, irgendwie. Aber die sozialen Verwerfungen sind dort wirklich gewaltig. Und, wie ich anfangs schon sagte: Das ist nicht nur ein Problem von Detroit! Man kann es dort aber eben in aller Härte besichtigen.
Wirst du Detroit in ein paar Jahren noch einmal besuchen, um zu sehen, was sich geändert hat? Vielleicht gehört Dan Gilbert dann ja schon das gesamte Stadtzentrum, oder er hat sich inzwischen wieder aus dem Staub gemacht ...
Das Verrückte, was ich wirklich nicht erwartet hätte, ist: Ich habe mich auf merkwürdige Art in diesen Ort verliebt. Das liegt, auch wenn’s ein bisschen kitschig klingt, an den Menschen, die ich dort getroffen habe. Eine ganz eigene Energie liegt in dieser Stadt, eine Mischung als Stolz und Trotz. Anfangs haben die Menschen zum Beispiel sehr skeptisch auf meine Fragen reagiert – nach dem Motto: „Schon wieder eine Journalistin, die unser Elend abfotografieren will.“ Aber dann … haben sich wirklich ganz tolle, teils sehr berührende Gespräche ergeben. Die Stadt, also die Menschen dort, haben mir sehr viel geschenkt, haben mir sehr viel anvertraut – und fast alle haben gesagt: „Ja, bitte erzähle unsere Geschichten weiter, damit man auch in Europa versteht, was hier los ist.“ Vor allem gibt es in Detroit auch einen bestimmten Humor, einen manchmal fatalistisch klingenden, oft irgendwie auch selbst-ironischen „Survival-Humor“, der unvergleichlich ist, glaube ich. Mit einigen Detroitern stehe ich auch noch in regem E-Mail-Kontakt. Und: Ja – ich werde auf jeden Fall noch einmal hinfahren. Es ist allerdings nicht ganz einfach, das zu finanzieren, ich meine: Ich bin nur eine bescheidene Ein-Frau-Fabrik ohne Sponsor. Tatsächlich werde ich jetzt, Mai und Juni, wieder in den USA sein – für ein neues, ganz anderes Projekt. Das wird mich allerdings in den Bundesstaat New York führen, ins Upper Hudson Valley, eine ziemlich wohlhabende, tendenziell „weiße“ Region. Das ist wieder ein ganz anderes Amerika dort. Es fällt mir schwer – aber ich habe beschlossen, Detroit bei dieser Reise links liegen zu lassen. Als Autorin muss ich einfach aufpassen, die Dinge nicht zu vermischen, muss das im Kopf hübsch auseinanderhalten. Wenn jenes neue Projekt, es soll wieder ein Buch draus werden, mich hoffentlich reich macht, haha, werden die nächsten Übersee-Tickets dann aber gleich gekauft – und dann werde ich wieder vorbeischauen, im großen, wütenden, irgendwie ja doch geliebten Detroit.
Rasende Ruinen - Wie Detroit sich neu erfindet ist letztes Jahr im Suhrkamp-Verlag erschienen und recht preiswert: EUR 5,99 (als Taschenbuch oder E-Book).
Der/das Blog von Katja Kullmann ist ebenfalls sehr lesenswert.
P.S. Vielen Dank an Stefanie Kulpe von Michigan Travels, die mir dieses Buch gegeben hat.
Donnerstag, 11. April 2013
Das amerikanische Standardwerk in Sachen Etikette
Während in Deutschland das Buch Über den Umgang mit Menschen von Adolph Freiherr Knigge (1752–1796), häufig kurz Knigge genannt, als das Standardwerk für Umgangsregeln gilt, nimmt in den USA das Buch Etiquette in Society, in Business, in Politics, and at Home (meistens kurz Etiquette genannt) von Emily Post (1872 – 1960) eine ähnliche Rolle ein.
Post, die ab 1908 Zeitungsartikel und Reisebücher schrieb, veröffentlichte ihren Ratgeber 1922. Das Buch wurde ein Bestseller. Ab 1931 gab Emily Post dann auch im Radio Ratschläge in Sachen Etikette. Ihre wöchentliche Kolumne wurde ab 1932 von mehr als 200 Zeitungen gedruckt.
1946 gründete sie mit ihrem Sohn The Emily Post Institute, das noch heute ein Familienunternehmen ist und Bücher, Kolumnen usw. publiziert. Etiquette von Emily Post gibt es mittlerweile in der 16. Ausgabe.
Mittwoch, 3. April 2013
Jetzt für einen Garten anmelden
Diesen Hinweis gebe ich jedes Jahr und es ist jetzt wieder an der Zeit dafür:
Wer in den USA keinen Garten hinterm Haus hat bzw. in einer Wohnung lebt, kann vielerorts gegen eine relativ geringe Gebühr in einem Community Garden Gemüse, Blumen und Kräuter anbauen. Dadurch spart man Geld für Lebensmittel, zaubert frisches Gemüse auf den Tisch und lernt neue Leute kennen.
In den meisten Gemeinschaftsgärten kann man das Land nur vom Frühling bis zum Herbst nutzen. Dann wird der Boden umgepflügt und im nächsten Jahr neu verteilt. Da es oft Wartelisten gibt, sollte man sich schon jetzt für ein Gartenstück (garden plot) anmelden. Ein Verzeichnis vieler Gemeinschaftsgärten gibt auf CommunityGarden.org.

