Freitag, 21. August 2015

Was ist Jaywalking?

Respekt vor der Fußgängerampel, so wie man ihn in Deutschland noch oft beobachten kann, ist den Amerikanern weitgehend fremd.

Wenn kein Auto kommt, wird über die Straße gegangen, ganz gleich, was die Ampel anzeigt. Dieses illegale Überqueren der Straße wird jaywalking genannt und wird von Menschen aller Altersgruppen ohne Gewissensbisse oder Ermahnungen praktiziert. Eine Ausnahme bilden Eltern, die mit ihren kleinen Kindern unterwegs sind und natürlich kein schlechtes Beispiel abgeben wollen.

Das Wort jaywalking entstand um 1910. Das Wort jay bedeutete seinerzeit so viel wie "Dorftrottel". Stadtbewohner meinten, dass nur so eine solche Person ahnungslos über die Straße gehen würde. Eine Gegenbewegung, trottelige Autofahrer jay drivers zu nennen, schlug allerdings fehl. Leider, denn als Fußgänger sollte man auch heute noch selbst beim gesetzmäßigen Überqueren der Straße auf der Hut vor abbiegenden Autos sein. Nicht selten hat man den Eindruck, dass amerikanische Autofahrer noch immer nicht begreifen, dass auch Fußgänger Rechte haben.

Dienstag, 4. August 2015

Gesunde Lebensmittel aus dem Genossenschaftsladen

Die meisten Lebensmittelmärkte in den USA sind gigantisch und in ihnen gibt es fast immer nur die gleichen Produkte aus der Massenproduktion. Eine nette Alternative zu diesem Einheitsbrei bieten kleine Lebensmittelgeschäfte in Genossenschaftsbesitz.

Seit den frühen 1970er Jahren wurden in zahlreichen amerikanischen Städten food cooperatives gegründet. Die Erzeugnisse, die man dort kaufen kann, kommen zumeist von Bauern aus der Region bzw. von kleinen, unabhängigen Herstellern. Besonders Vegetarier und Veganer finden in den kleinen Läden ein gutes Angebot an Lebensmitteln und viele Waren tragen das Bio-Siegel USDA Organic. Oft gibt es in der coop auch hervorragendes Brot aus einer Genossenschaftsbäckerei.

Geld sparen kann man beim Einkauf in der coop jedoch nicht, denn die Preise für die meisten Produkte sind höher als im Supermarkt. Die meisten Kunden gehen vielmehr aus der Überzeugung in die coop, dass sie dort gesündere Lebensmittel bekommen und dass ihr Geld nicht in die Kassen der großen Lebensmittelkonzerne fließt.

Wer Mitglied einer coop werden möchte, erwirbt einen Anteil an der Genossenschaft. In fast allen coops kann man aber auch einkaufen, ohne Mitglied zu sein. Mitglieder erhalten allerdings in der Regel am Jahresende etwas Geld zurück, denn die coops müssen ihren Gewinn entweder ausschütten oder in das Geschäft investieren. Einige coops gewähren ihren Mitgliedern auch einen Preisnachlass. Dieser ist aber oft daran gebunden, dass man unentgeltlich ein paar Stunden in der Woche im Laden aushilft. Der Großteil der Arbeit wird trotzdem von fest angestellten Mitarbeitern verrichtet.

Sonntag, 12. Juli 2015

Dirt Roads - Unbefestigte Straßen in den USA

Das Straßennetz der USA beträgt ca. 4 Millionen Meilen und rund ein Drittel davon haben eine Fahrbahnoberfläche, die aus festgefahrenem Sand oder Schotter besteht.

Die meistbefahrenen Straßen sind natürlich durch Asphalt oder Beton befestigt, aber Landstraßen, die in der Regel nur von ihren Anwohnern befahren werden, sind oft sogenannte dirt roads. Aber auch innerhalb von Städten kann man diese mitunter noch finden.

Um 1900 waren so gut wie alle Straßen in den USA unbefestigt und die Bürgersteige bestanden zumeist aus Holzplanken, damit die Menschen auf nassen Straßen nicht durch den Schlamm laufen mussten. Kopfsteinpflaster hat in den USA Seltenheitswert, man findet es zumeist nur in älteren Großstädten wie Boston, Chicago oder New Orleans.

In der Regel sind dirt roads heutzutage recht gut instand gehalten, man sollte aber trotzdem die Augen nach Schlaglöchern offen halten. Nach Regen oder Schneefall kann es zudem auch recht rutschig werden und wenn man sich die Fahrzeuge nach einer Fahrt auf schlammiger Straße ansieht, macht das Wort dirt (Schmutz) tatsächlich Sinn. Wer täglich auf derartigen Straßen fahren muss, kauft sich daher früher oder später einen Geländewagen oder einen Pickup Truck mit Allrad-Antrieb.

Montag, 6. Juli 2015

Campus Police - Freunde und Helfer im Universitätsdienst

Viele Universitäten und Colleges in den USA unterhalten eine eigene Polizeitruppe, die Campus Police, die für Sicherheit auf dem oft weitläufigen Gelände der jeweiligen Hochschule und in deren unmittelbarer Umgebung sorgt.

Die Uni-Polizisten haben normalerweise die gleiche Ausbildung wie ihre Kollegen im öffentlichen Dienst absolviert, sind ebenfalls uniformiert und bewaffnet. Ihre Fahrzeuge unterscheiden sich nur durch Farbe und Aufschrift von den anderen Polizeiautos. Die Rechte der Campus Police unterscheiden sich je nach Bundesstaat, aber sie kann vielerorts auch außerhalb der Universität eingreifen, Strafzettel ausstellen und Verhaftungen vornehmen.

An manchen Orten ist die Campus Police besser ausgerüstet als die Polizei der jeweiligen Stadt, insbesondere wenn es sich um gutfinanzierte private Institutionen wie Harvard oder Yale handelt. Die Campus Police einiger Universitäten hat sogar Spezialeinsatzkommandos. In brenzligen Situationen, z.B. wenn es zu Amokläufen auf dem Hochschulgelände kommt, arbeiten die verschiedenen örtlichen Polizeikräfte in der Regel Seite an Seite.

Mittwoch, 24. Juni 2015

Amerikanische Redewendungen - Teil 20: nibbled to death by ducks

Diese Redewendung wird nicht in meinem neuen Buch Bessersprecher Englisch (US) stehen, da ich dort nur amerikanische Redewendungen vorstellen werde, die wirklich häufig im Alltag gebraucht werden.

Da mir diese Redewendung aber gefällt, an dieser Stelle einige Ausführungen:

Bereits im 17. Jahrhundert gab es die Redewendung „You might as well be nibbled to death by ducks as pecked to death by a hen.“ (Du kannst genauso gut von Enten zu Tode geknabbert als von einer Henne zu Tode gehackt werden.) Die kürzere Version wurde durch den Krimi-Bestseller „Nibbled to Death by Ducks“ von Robert Campbell aus dem Jahr 1989 populär gemacht und wird heute bevorzugt in der Wirtschaftsberichterstattung verwendet, wenn es darum geht, dass ein Unternehmen aus einer Vielzahl von Gründen langsam zugrunde geht. Alternativ kann man auch death by a thousand cuts (Tod durch tausend Schnitte) sagen.

Ein Anwendungsbeispiel:

Retailing is a notoriously competitive business and winners and losers can switch positions in a relatively short time. For the losers, the writing is often on the wall for a long time — see RadioShack for example — but the ultimate end is like being nibbled to death by ducks. (Der Einzelhandel ist notorisch konkurrenzbetont und Sieger und Verlierer können ihre Positionen in relativ kurzer Zeit tauschen. Für die Verlierer stehen die Zeichen oft seit Langem an der Wand, RadioShack ist ein Beispiel dafür, aber letzten Endes ist es ein Tod auf Raten.)

Dieses Anwendungsbeispiel habe ich hier gefunden: 247wallst.com

Buchtipp: Bessersprecher Englisch (US): 150 Redewendungen für ein ausdrucksstarkes Englisch

Freitag, 5. Juni 2015

Amerikanische Redewendungen - Teil 19: my two cents

Die Amerikaner übernahmen im 19. Jahrhundert die englische Redewendung my two pennies worth und wandelten sie leicht ab. Sie wird meistens in der kürzeren Version my two cents verwendet und bedeutet "meine bescheidene Meinung".

Mit ihr lässt sich eine Meinungsäußerung einleiten bzw. schließen und gegebenenfalls einen weniger konfrontierenden Ton geben, da my two cents eine Bescheidenheitsfloskel ist, die allerdings auch ironisch gebraucht werden kann.

Hier ist ein Anwendungsbeispiel:

I think, we should let go of this client, but that’s just my two cents. (Ich denke, wir sollten diesen Kunden fallen lassen, aber das ist nur meine bescheidene Meinung.)

Wissenswert in diesem Zusammenhang ist, dass es in den USA von 1864 bis 1873 eine 2-Cent-Münze gab. Sie war die erste Münze mit der Aufschrift IN GOD WE TRUST (Auf Gott vertrauen wir), die seit 1938 auf allen US-Münzen steht. 1956 wurde In God We Trust zum offiziellen Motto der Vereinigten Staaten und ab 1957 deshalb auch auf Geldscheine gedruckt.

Auf der Facebook-Seite für mein Buch "Bessersprecher Englisch (US)", das im September erscheinen wird, verlose ich die hier abgebildete 2-Cent-Münze aus dem Jahr 1864.

Eine Liste von Redewendungen mit Übersetzung gibt es hier: Amerikanische Redewendungen. Wem das nicht genug ist und wer etwas zur Herkunft und zur richtigen Anwendungen erfahren will: Im Buch Bessersprecher Englisch (US): 150 Redewendungen für ein ausdrucksstarkes Englisch werden 150 Redewendungen, die oft im Alltag vorkommen, ganz ausführlich vorgestellt.

Mittwoch, 20. Mai 2015

Amerikanische Redewendungen - Teil 18: "over a barrel"

Die Redewendung over a barrel (wörtlich: über einem Fass; im übertragenen Sinne: hilflos ausgeliefert) tauchte in amerikanischen Zeitungen Ende der 1930er Jahre auf, könnte aber in der Umgangssprache schon länger verwendet worden sein. Sie bezieht sich auf eine Art der körperlichen Züchtigung, die mit Vorliebe in US-Gefängnissen praktiziert wurde: Gefangene wurden auf dem Bauch liegend in Längsrichtung auf einem Fass festgebunden und dann ausgepeitscht. Die Bestraften waren so der Züchtigung hilflos ausgeliefert.

Beispiel: They get you over a barrel. They have the money and the lawyers. (Du bist ihnen hilflos ausgeliefert. Die haben das Geld und die Anwälte.)

Buchtipp: Bessersprecher Englisch (US): 150 Redewendungen für ein ausdrucksstarkes Englisch

Sonntag, 26. April 2015

Eine Einführung in die Baseballregeln in 500 Worten

Der Besuch eines Baseball-Spiels gehört auf jeden Fall zu den 10 Dingen, die man als USA-Urlauber getan haben sollte. Die Kenntnis der Regeln trägt natürlich ganz wesentlich dazu bei, dass man dabei viel Spaß hat.

Hier nun also der Versuch, die Baseballregeln in 500 Worten zu erklären:

Das Spielfeld hat die Form eines Viertelkreises und besteht aus einem infield und einem outfield. Die geraden Kanten sind 90 bis 120 Meter lang und die gerundete Seite wird in Stadien durch die Zuschauerränge oder auf Sportplätzen durch einen Zaun abgegrenzt.

Das infield ist ein Quadrat mit einer Kantenlänge von ca. 27 Metern, an deren Ecken sich weiße Gummiplatten, die drei bases und die homeplate, befinden. In der Mitte ist ein kleiner Hügel (mound). Da das infield rautenförmig ins Spielfeld ragt, wird es auch diamond genannt. Das outfield, der Name sagt es, ist der Teil des Viertelkreises außerhalb des infield.

Das Spiel ist in neun Abschnitte (innings) eingeteilt, die jeweils aus zwei Hälften bestehen. Die Auswärtsmannschaft hat in der ersten Hälfte (top of the inning) das Schlagrecht, die Heimmannschaft in der zweiten Hälfte (bottom of the inning). Die Reihenfolge der schlagenden Spieler, die batting order, wird vom Trainer vor dem Spiel festgelegt und dem Schiedsrichter mitgeteilt.

Das Team mit Schlagrecht versucht zu punkten, indem seine Spieler die bases ablaufen. Jeder Spieler, der alle drei bases abläuft und es zurück zum Ausgangspunkt (homeplate) schafft, erzielt einen Punkt (run). Voraussetzung dafür ist, dass der batter, der Spieler des angreifenden Teams, der mit dem Schlagen an der Reihe ist, den Ball gut trifft. Dieser wird vom pitcher des verteidigenden Teams, der auf dem mound steht, geworfen.

Der pitcher versucht, den Ball in einer schwer berechenbaren Flugbahn zu werfen. Da der Ball vom catcher, seinem hinter dem gegnerischen batter hockenden Mitspieler, gefangen werden muss, zeigt der pitcher durch Geheimzeichen die geplante Wurfbahn an.

Die anderen Spieler des verteidigenden Teams stehen über das Spielfeld verteilt und versuchen den geschlagenen Ball unter Kontrolle zu bringen, um ein Punkten des Gegners zu verhindern. Je länger sie dazu brauchen, desto mehr Zeit haben die Spieler des angreifenden Teams, die bases abzulaufen und runs zu erzielen.

Nach dem Schlag wird der batter zum runner und muss versuchen, wenigstens zur ersten base zu kommen. Sollte es ihm gelingen den Ball in die Zuschauerränge zu schlagen und alle bases auf einmal abzulaufen, erzielt er einen homerun.

Meistens kommen die Spieler jedoch nur zur nächsten base. Wenn alles gut läuft, sind nach einigen Schlägen alle drei bases mit Spielern besetzt, d.h. die bases are loaded. Sollte nun ein guter Schlag gelingen, können es unter Umständen vier Spieler zum homeplate schaffen und punkten.

Wird der Ball jedoch vor Berühren des Bodens gefangen, ist der batter automatisch out. Wenn der Ball auf dem Boden landet, aufgehoben und zu einem Mitspieler geworfen wird, der mit einem Fuß auf einer base steht und den Ball fängt, bevor der runner dort ankommt, ist dieser ebenfalls out. Ein runner, der gerade keine Base berührt, ist auch out, wenn er von einem Feldspieler mit dem Ball oder mit dem Handschuh, in dem sich der Ball befindet, berührt wird. Sobald drei Spieler out sind, wird gewechselt.

Ziel des Spieles ist, mehr runs zu erzielen als der Gegner. Falls notwendig, werden zusätzliche innings gespielt, um das Spiel zu entscheiden.

Wer es lieber ausführlich hat, kann den 2.500 Worte langen Artikel bei Wikipedia lesen.