Samstag, 18. März 2017

New York - Eine Stadt voller Geschichten

Meine Autoren-Kollegin Petrina Engelke lebt seit sieben Jahren in New York und betreibt das äußerst lesenswerte Blog Moment: New York. Ihr kürzlich erschienener Fettnäpfchenführer New York macht mit vielen Insider-Tipps so richtig Lust auf die Stadt. Das Buch ist eine tolle Ergänzung zu jedem Reiseführer und auch allen zu empfehlen, die länger in New York bleiben wollen. Ich hatte diese Woche die Gelegenheit, Petrina einige Fragen stellen:

Warum gefällt dir New York?

Ich bin Geschichtenerzählerin, und New York steckt voller Geschichten – das passt einfach. New York gibt mir das Gefühl, dass in dieser Stadt alles möglich ist, dass die Menschen hier ihr Glück machen und im nächsten Moment alles verlieren und deshalb noch lange nicht aufgeben. In New York kann ich in Glitzerhose oder im Hosenanzug oder in Glitzerhose mit Anzugjacke herumlaufen oder ohne Hose, macht ja nichts: Wir haben hier im Januar sogar einen „No Pants Subway Ride“! Ich könnte mir morgen vornehmen, auf dem Parkett der Wall Street oder auf einem Tugboat anzuheuern. Das zu schaffen würde echt harte Arbeit, insbesondere, wenn ich auf meine Glitzerhose bestehe, die ich übrigens gar nicht besitze. Aber es wäre auch nicht unmöglich, und der Geist der Stadt sagt lieber „Klar, versuch das mal!“ als „Bist du irre?“.

New York selbst verändert sich ja auch ständig: Hier eröffnet ein neuer Park oder eine Hundetagesstätte, da macht ein Haus Platz für einen Wolkenkratzer oder verschwindet ein Job, und dazwischen brodeln gesellschaftliche Fragen. Mir gefällt die Vielfältigkeit dieser Stadt, allein schon mit einer U-Bahn-Fahrt erlebt man die unterschiedlichsten Menschen, während man anderswo leicht vergisst, dass die Welt alles andere als gleichförmig ist. Mich fasziniert auch die Insellage – Manhattan ist ja nur eine von vielen Inseln New Yorks! – und wie sie sich auf das Leben in der Stadt auswirkt.

No Pants Subway Ride: An einem Tag im Januar verabreden sich New Yorker dazu, in Unterwäsche U-Bahn zu fahren. (Foto: Petrina Engelke)

Da muss ich gleich mal nachhaken: Wie wirkt sich die Insellage denn aus?

Sie prägt das Verhalten und auch ein Stück Identität. New York hat sichtbare Bezüge zum Fest- und Ausland. Hier kannst du die Containerschiffe sehen, die die Stadt und die Umgebung mit Heizöl, Smartphones, Bananen oder Riesenrad-Bauteilen versorgen, und manchmal auch die Lastkähne, die den Müll abtransportieren, und ein Großteil des Dauerstaus in Manhattan rührt von Lieferwagen und Berufspendlern, die über Brücken und durch Unterwassertunnel kommen. Trotzdem wissen die Bewohner: Wenn es hart auf hart kommt, sind wir auf uns gestellt. Und ich glaube, das führt dazu, dass sich die New Yorker so schnell zusammentun und einander helfen nach Katastrophen wie Hurricane Sandy oder 9/11, als übrigens auch sämtliche Brücken und Tunnel geschlossen waren.

Die Stadt kann sich außerdem nicht räumlich ausbreiten, um mehr Menschen Platz zu bieten. Dieser Dichte begegnen New Yorker mit einem pragmatischen Verhalten, das für Leute von außen zum Teil schwer zu verstehen ist. Zum Beispiel geht es beim Imbiss-Bestellen zack, zack – nicht weil New Yorker ungeduldig sind, sondern weil hinter ihnen noch zehn Leute mit ebenso kurzer Mittagspause warten.

Tempo: Hinweisschild für Touristen am Times Square (Foto: Petrina Engelke)

Gewöhnt man sich schnell an das Tempo dieser Stadt?

Das Gehtempo fand ich fast normal, weil ich auch in meiner Heimat schon einen flotten Schritt hatte. Trotzdem musste ich erst begreifen, wie – und wie schnell – der Hase läuft in New York. Dass ich das aber dann gleich verinnerlicht hatte, merkte ich erst bei einem Besuch in Deutschland: Dort geht mir jetzt vieles zu langsam, und ich wundere mich, dass die Leute ohne Murren 20 Minuten auf eine U-Bahn warten.

Wie lange hat es insgesamt gedauert, bis du dich in New York eingelebt hattest?

Schwer zu sagen. Ich war vor meinem Umzug mehrere Male in New York, zweimal davon für längere Zeit, ich war also nicht unvorbereitet auf das, was mich erwarten würde. Aber ein Anhaltspunkt fällt mir ein: Als mich einmal eine Freundin besuchte, bemerkte sie, dass ich komplett ohne U-Bahn-Plan unterwegs war. Das war nach ungefähr einem Jahr in New York.

Gab es trotz der vorherigen Aufenthalte dann doch etwas, das dich überrascht hat?

Na klar! Mal abgesehen davon, dass sich New York ständig verändert und mich auch jetzt noch mit neuen oder verschwundenen Dingen überrascht: Ich dachte früher, dass Deutschland mit seinem Beamtentum und dem dazugehörigen Klischee wohl Spitzenreiter in Sachen Bürokratie sein muss. Aber was ich bei Behördengängen hierzulande schon alles ausgefüllt und erlebt habe, macht dem durchaus Konkurrenz. Das hätte ich nicht erwartet. Außerdem hat mich die Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt überrascht: Die frische Ware ist oft wunderschön präsentiert, mit versetzt gestapelten Äpfeln oder Orangen, in Reih und Glied liegenden Möhren oder Maiskolben, und es gibt eine Riesenauswahl an Sorten, die ich nicht kannte – allein grüne Blattgemüse wie Collard Greens, Brunnenkresse, Dinosaurierkohl, Regenbogen-Mangold ...

Gemüse: Bunte Ordnung im Supermarkt (Foto: Petrina Engelke)

Das widerspricht natürlich dem Klischee vom Fastfood liebenden Amerikaner. Welche anderen Klischees sollten endlich einmal über Bord geworfen werden?

Über Bord gehen sollte die Idee von „dem Amerikaner“ an sich, egal welches Klischee hintendran hängt. Die Menschen hier haben so unterschiedliche Träume, Ängste und Lebensläufe, es ist schlicht unmöglich, dass dabei immer derselbe Typ herauskäme. Wer sich nicht davon abbringen lassen will, dass alle Amerikaner dick sind, müsste entsprechend beim Herumlaufen in New York Millionen Menschen übersehen und konsequent auf Basketball, Ballett und Fashion Shows verzichten. Wahrscheinlich geht das irgendwie. Ich finde aber, das Reisen – und auch der Alltag in der Fremde – wird viel angenehmer und spannender, wenn man Interesse an dem zeigt, was einem seltsam vorkommt, statt nach Bestätigung für vorher gefasste Meinungen zu suchen.

Wer mehr über die ungeheure Vielfalt New Yorks erfahren möchte, sollte den Fettnäpfchenführer New York und Petrinas reichbebildertes Blog Moment: New York - Geschichten aus der irrsten Stadt der Welt lesen.

Freitag, 10. Februar 2017

Auswandern in die USA

Wer ans Auswandern in die USA denkt, muss eine Menge Dinge berücksichtigen. Dieser Artikel soll als Einführung in das komplexe Thema dienen. Wer sich ernsthaft für eine Auswanderung oder einen längeren USA-Aufenthalt entscheidet, kann ganz ausführliche Informationen in meinem Buch Alltag in Amerika. Leben und Arbeiten in den USA finden, das es mittlerweile in der 5. Auflage gibt und in das meine Erfahrungen aus 22 Jahren in den USA eingeflossen sind.

Mit welchem Visum in die USA?

Grundsätzlich gibt es zwei Visa-Kategorien: Einwanderungsvisa und Nichteinwanderungsvisa.

Einwanderungsvisa ermöglichen einen zeitlich unbegrenzten Aufenthalt und berechtigen gleichzeitig zum Arbeiten in den USA. Einwanderungsberechtigt sind u.a. die Ehepartner, minderjährigen Kinder und Eltern von US-Staatsangehörigen. Ein Einwanderungsvisum kann man aber auch durch die Teilnahme an der Green Card Lotterie oder als Investor, der mindestens 500.000 Dollar investieren und zehn Vollzeitarbeitsplätze schaffen will, bekommen.

Nichteinwanderungsvisa gibt es für Besuche, die länger als 90 Tage dauern sollen, für den Besuch einer amerikanischen High School bzw. ein Studium, für Praktika, Ferienjobs, Au-Pair und befristete Beschäftigungen bzw. Handels- und Geschäftsaktivitäten in den USA.

Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Visa, zum Erhalt einer amerikanischen Sozialversicherungsnummer und zum Erhalt der amerikanischen Staatsbürgerschaft (bei gleichzeitiger Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit) gibt es in Alltag in Amerika.

Finanzielle Aspekte des Auswanderns

Die finanziellen Mittel, die einem für die Anfangsphase in den USA zur Verfügung stehen, entscheiden ganz wesentlich darüber, wie stressig die Auswanderung wird. Wer sich bereits eine gut bezahlte Arbeit gesichert hat, wird davon zwar weniger betroffen sein, als jemand der sich noch einen Job suchen muss, jedoch sollte man unbedingt damit rechnen, dass z.B. Lebensmittel in den USA teurer sind als in Deutschland, dass man beim Arzt und für Medikamente deutlich mehr ausgeben muss, und dass man als Neuankömmling wahrscheinlich Kautionen für Wohnung, Strom und Gas sowie Internet und Telefon hinterlegen muss. Der Grund dafür ist die fehlende Credit History, was es anfangs auch so gut wie unmöglich macht, etwas auf Kredit zu kaufen.

Zum Weiterlesen: Wie man sich eine Credit History in den USA aufbaut

Umzug in die USA

Wenn man ausreichende finanzielle Mittel hat, kann man eine Spedition mit dem Transport des Hausrats beauftragen. Man sollte jedoch auf jeden Fall daran denken, dass viele Elektrogeräte in den USA nicht oder nur umständlich betrieben werden können, dass Wohnungen in den USA bereits eingebaute Küchen und meistens auch begehbare Kleiderkammern haben und dass die Einfuhr von Autos sehr kompliziert ist. Auch die Einfuhr von Pflanzen ist streng geregelt.

Für Hund und Katze benötigt man englischsprachige Gesundheitszeugnisse, inklusive einer Bescheinigung, dass mindestens 30 Tage vor der Einreise in die USA eine Tollwutimpfung vorgenommen wurde.

Die Einfuhr anderer Tiere, wie Schildkröten und Nagetiere, ist strenger geregelt. Vögel müssen 30 Tage in Quarantäne verbringen, was nur an drei Flughäfen (JFK New York, Miami und Los Angeles) möglich ist und vorab angemeldet werden muss.

Wohnungssuche und Hauskauf in den USA

Das Angebot an Mietwohnungen ist in der Regel groß und die Preisunterschiede sind enorm. Man sollte sich Wohnung und Umfeld genau anschauen bevor man einen Mietvertrag, der normalerweise eine Dauer von einem Jahr hat, unterschreibt.

Zum Weiterlesen: Wohnung mieten in den USA – 10 Dinge, die man unbedingt beachten sollte

In Sachen Hauskauf in den USA sollte man nichts überstürzen. Man ist gut beraten, sich erst einmal mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen, und dann die kostenlose Hilfe eines Immobilienmaklers heranzuziehen. (In den USA teilen sich der Makler des Verkäufers und der Makler des Käufers die Provision, die immer vom Verkäufer gezahlt wird.) Man sollte sich in Ruhe verschiedene Immobilien anschauen und bei Interesse den Preis herunterhandeln. Umfangreiche Informationen dazu gibt es in meinem Buch Immobilien in den USA: Ratgeber für alle zukünftigen Wohneigentümer.

Arbeitssuche und Bewerbung

Man sollte nicht nur die USA-typischen Besonderheiten bei der Bewerbung beachten, die in Alltag in Amerika ganz ausführlich dargestellt werden, sondern auch daran denken, dass der potentielle Arbeitgeber die Namen der Bewerber googelt und sich anschaut, ob das Profil bei LinkedIn aussagekräftig ist und was man so in den sozialen Medien von sich gibt.

Ein gut ausgebautes Profil bei LinkedIn kann auch dazu führen, dass ein Recruiter, also ein Jobvermittler, auf einen aufmerksam wird. Auf diesem Weg kann man durchaus einen attraktiven Job landen. Vorsicht vor schwarzen Schafen: Ein legitimer Recruiter wird immer vom zukünftigen Arbeitgeber bezahlt und fragt auch nicht nach der Sozialversicherungsnummer.

Bei der Bewerbung sollte man sich nicht unter Wert verkaufen und im Bewerbungsgespräch kommt es gut an, Erfolgsbeispiele parat zu haben und auch darlegen zu können, wie man mit schwierigen Situationen umgeht.

Urlaub und Feiertage

Man sollte darauf gefasst sein, in den USA wesentlich weniger Urlaub als in Deutschland zu haben. Zehn Urlaubstage im Jahr sind normal, fünfzehn schon recht gut. Nur wenige Arbeitgeber, wie z.B. Universitäten, bieten mehr Urlaub an.

Gesetzliche Feiertage gibt es nur für die Angestellten der Bundesregierung. Die meisten Arbeitgeber geben dieselben Tage frei, sind dazu aber nicht verpflichtet. Fällt ein Feiertag aufs Wochenende, ist normalerweise der folgende Montag frei.

Soziale Absicherung in den USA

In den USA kann man von heute auf morgen und ohne Grund entlassen werden. Arbeitslosengeld gibt es in der Regel bis zu sechs Monate, allerdings nur wenn man die Arbeit ohne eigenes Verschulden verloren und zuvor eine bestimmte Anzahl von Tagen gearbeitet hat. Die Regelungen unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Man ist auf jeden Fall gut beraten, ein finanzielles Polster für mehrere Monate zurückgelegt zu haben.

Sozialhilfe wird nur an jene gezahlt, die sich um eine Arbeit bemühen, und ist oft auf fünf Jahre im Leben beschränkt.

Das Rentenalter beginnt nach Vollendung von 65 Jahren für alle, die vor 1959 geboren wurden und mit 67 Jahren für alle, die seit 1959 das Licht der Welt erblickt haben. Viele Amerikaner investieren in eine private Altersvorsorge, um die staatliche Rente aufzubessern.

Übrigens ist die USA eines von ganz wenigen Ländern, die keinen gesetzlichen Mutterschutz-Urlaub haben. Nur Arbeitgeber mit mehr als 50 Mitarbeitern sind verpflichtet, den Arbeitsplatz der Mutter für drei Monate freizuhalten. Kein Arbeitgeber ist verpflichtet, Lohn oder Gehalt weiter zu zahlen.

Das amerikanische Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen in den USA ist komplizierter und teurer als in Deutschland. Seit 2014 ist man verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen. Alle Krankenversicherungen laufen über private Anbieter und es gibt erhebliche Unterschiede bei den Preisen und Leistungen. Für untere Einkommensschichten gibt es die Möglichkeit von Geldzuschüssen, sodass man ausgewählte Versicherungen preiswerter bekommen kann. Allerdings akzeptiert nicht jeder Arzt diese Versicherungen.

Dieses wichtige Thema, über das man sich gründlich informieren sollte, wird ebenfalls ausführlich in diesem Buch behandelt:

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"Für alle, die mit dem Gedanken spielen, eine Zeit lang in den USA zu leben, wird das Buch eine nützliche Vorbereitungslektüre und dann vor Ort ein treuer Ratgeber sein." n-tv.de

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Ich hoffe, dass dieser Beitrag dabei hilft, Gedankenanstöße zum dem umfangreichen Thema Auswandern in die USA zu geben. Natürlich befindet sich jeder in einer individuellen Lebenssituation, aber die oben angesprochenen Bereiche sollte man auf jeden Fall berücksichtigen.

Samstag, 28. Januar 2017

Kabelbahnen in Chicago

Wenn man das Wort Kabelbahn hört, denkt man sofort an San Francisco, dem einzigen Ort, wo heute noch Kabelstraßenbahnen verkehren, die durch ein Umlaufseil angetrieben werden.

Kaum bekannt ist, dass es Ende des 19. Jahrhunderts in 29 amerikanischen Städten Kabelbahnen gab, von denen Chicago mit 66 km das zweitlängste Streckennetz hatte. (San Francisco hatte damals rund 8o km, heute sind es nur noch 8 km.) Kabelbahnen wurden also nicht nur in bergigem Gelände, wie in San Francisco, eingesetzt, sondern auch in flachen Städten wie Chicago.

 
Kabelbahnen lösten Pferdebahnen ab und wurden dann wiederum von elektrischen Straßenbahnen ersetzt. Ende des 19. Jahrhunderts existierten in vielen amerikanischen Großstädten alle drei Technologien nebeneinander. Insgesamt war das Leben der Kabelbahnen allerdings recht kurz, in Chicago z.B. fuhren sie von 1882 bis 1906.

 
Angetrieben wurden die meilenlangen Seile, die zwischen den Schienen unter der Erde verliefen, durch zentrale Dampfmaschinen. Die Seile liefen während der Betriebszeit ohne Unterbrechung und die Straßenbahntriebwagen konnten sich mit einer Greifvorrichtung mit dem Seil verbinden und so ziehen lassen. An Haltestellen und an Kreuzungen wurde diese Verbindung unterbrochen und die Wagen konnten gebremst werden.

Die Greifvorrichtung, die von dem Fahrer bedient wurde, war durch ein schmales Gestänge, das durch einen Spalt zwischen den Schienen passte, mit dem Wagen verbunden. Dieser Spalt musste sehr schmal sein, damit sich die zahlreichen Pferde im Straßenverkehr nicht die Beine brachen.

Anders als San Francisco war Chicago flach und lag in einem nördlichen Klima, mit Eis und Schnee im Winter. Nachdem Kabelbahnen auch hier erfolgreich eingeführt wurden, folgten zahlreiche andere Städte mit ähnlichen Bedingungen, z.B. St. Louis und New York. So fuhr von 1883 bis 1908 eine Kabelbahn über die Brooklyn Bridge.

Heute gibt es in Chicago kaum noch Spuren der Kabelbahnen. Dieses Gebäude in der LaSalle Street beherbergte ursprünglich eine der gewaltigen Dampfmaschinen, mit denen die Kabel angetrieben wurden:

In meinem Auswanderer-Krimi "Mit Müh und Not", der 1886 in Chicago handelt, kommen natürlich auch Kabelbahnen vor.

Donnerstag, 5. Januar 2017

So langsam wird wirklich eine Auswanderersaga daraus

Im Klappentext des ersten Auswanderer-Krimis steht:

Mit "Hoffnung ist ein weites Feld" beginnt eine Auswanderersaga, die dem Leben der Familie Sievers sowie ihrer Verwandten, Freunde und Nachbarn von den 1880er Jahren bis ans Ende des Zweiten Weltkriegs folgen wird.

Eine solche Buchserie ist natürlich ein enormes Unterfangen, zumal der erste Band im Jahr 1881 handelt, der zweite 1883 und der dritte 1886. Wenn die Zeitabstände so fortgesetzt würden, kämen am Ende rund zwanzig Bände dabei heraus. Einige Leser hätten sicher nichts dagegen, aber ob der Autor das durchhält, ist eine andere Frage, zumal es möglicherweise auch zwanzig Jahre dauern würde, diese Bücher zu schreiben. :-)

Für den vierten Band ist deshalb möglicherweise ein Zeitsprung zu erwarten. Den Figuren der ersten drei Bücher etwa 10-15 Jahre später zu begegnen, könnte sicher sehr interessant sein. Wie haben sie sich entwickelt, welche Konflikte gibt es zwischen den eingewanderten Eltern und ihren in Amerika aufgewachsenen Kindern, wie gehen alle zusammen mit den veränderten ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen um?

Da ich als Autor ja gründlich darüber nachdenken muss, was in der Zwischenzeit geschieht, kann ich mir auch vorstellen, dass es einige kürzere Erzählungen, die zeitlich zwischen die Auswanderer-Krimis fallen, als E-Books geben könnte.

Montag, 19. Dezember 2016

Ice Fishing

Eine der liebsten Winterbeschäftigungen von Männern in den nördlichen Bundesstaaten ist das Angeln auf zugefrorenen Seen.

Sobald das Eis dick genug ist, wagen sie sich mit einer umfangreichen Ausrüstung auf den See. Ein benzingetriebener Riesenbohrer ist auf jeden Fall mit dabei, denn das Eis ist oft mehr als 30 Zentimeter dick. In der Regel bringt man auch ein leicht aufklappbares Spezialzelt mit, das einen schlittenartigen Untersatz hat und sich so leicht über den zugefrorenen See ziehen lässt.

Auf Seen, die dichter an der Grenze zu Kanada liegen und die länger zugefroren sind, werden auch regelrechte Hütten über das Loch im Eis gestellt und die Angler fahren mit dem Pickup auf den See. (Hin und wieder berichten die Medien von eingebrochenen Fahrzeugen.)

Die Zelte und Hütten schützen nicht nur vor dem eisigen Wind, sondern auch vor den Augen des Gesetzes. Die Angler verzehren nämlich mit Vorliebe Alkoholisches während sie am Eisloch sitzen, aber das Trinken in der Öffentlichkeit ist in den USA verboten und wird mit hohen Strafgeldern geahndet, und das gilt auch beim Angeln an und auf Gewässern.

Freitag, 9. Dezember 2016

Seniorensport im Einkaufszentrum

"Wer rastet, der rostet" scheint das Motto der meisten Senioren in den USA zu sein.

Sie arbeiten nicht selten über das Rentenalter hinaus, fahren noch als Achtzigjährige Auto, unternehmen Reisen, wenn sie es sich leisten können, und sind sportlich aktiv, so lange es die Gesundheit irgendwie erlaubt. In der amerikanischen Gesellschaft wird das alles als völlig normal betrachtet und eine Ausgrenzung von alten Menschen ist den Amerikanern vollkommen fremd.

Ältere Menschen, die in Gegenden wohnen, wo es zu kalt oder zu heiß ist, um im Freien aktiv zu sein, funktionieren die riesigen shopping malls in kostenlose Fitness-Zentren um. Bevor die Geschäfte aufmachen, drehen die Senioren mit forschem Schritt einige Runden in den langen Fluren. Die Betreiber der Malls haben nichts dagegen, denn so mancher der mall walkers kauft, bevor er nach Hause fährt, einen Kaffee oder macht andere Besorgungen. Die meisten Malls öffnen daher ihre Haupteingänge eine Stunde bevor die Geschäfte aufmachen. Einige bieten zudem auch Morgengymnastik mit Musik und Anleitung an.