Donnerstag, 26. Mai 2016

Kalifornien: Wasser sparen im Vorgarten

Vor einigen Wochen war ich in Los Angeles und mir fiel gleich auf, wie sehr sich die Vorgärten dort von denen im Mittleren Westen und an der Ostküste unterscheiden. Statt Rasen wachsen im südlichen Kalifornien oft Kakteen und andere einheimische Pflanzen vor dem Haus. Das sieht nicht nur schön aus, sondern spart vor allem Wasser. Dadurch werden natürlich die Umwelt und der eigene Geldbeutel geschont. Besonders in den letzten Jahren, in denen es wegen Wasserknappheit oft Einschränkungen und Verbote in Sachen Vorgartenbewässerung gab, haben sich viele Hausbesitzer vom Rasen verabschiedet und in eine Neubepflanzung investiert. Zum Teil gab es auch finanzielle Anreize, z.B. das Cash for Grass Rebate Program der Wasserwerke in Los Angeles.


Der Vielfalt sind kaum Grenzen gesetzt, allerdings sieht man oft Kakteen und Palmen:


Nach einigen Jahren kann das dann auch schon einmal so aussehen:

Freitag, 8. April 2016

Community Supported Agriculture (CSA) - Ein Abo für frisches Gemüse

Neben dem Anbau im eigenen Garten und dem Einkauf auf dem Farmers Market gibt es eine weitere Möglichkeit, Gemüse direkt von einem Bauern aus der Region zu erhalten: Community Supported Agriculture (CSA).

So funktioniert es: Der Farmer verkauft im Voraus Anteile (shares) an der Ernte. (Dieses Anteile werden umgangssprachlich oft einfach CSA genannt.) Dafür bekommt der Kunde dann jede Woche einen Karton oder Korb bzw. eine Tüte mit einer Auswahl an frischem Gemüse, die sich danach richtet, was gerade geerntet wurde.

Ein Beispiel: King Hills Farm bietet Kunden einen small share für $400 und einen large share für $600. Die Erntezeit geht von Mitte Juni bis Mitte Oktober, insgesamt 20 Wochen. (In anderen Regionen sind die Erntezeiten unter Umständen wesentlich länger.) Die Kosten sind also $20 bzw. $30 pro Woche. Im kleinen Erntekorb (für 1-2 Personen) finden sich 6-7 verschiedene Gemüse und im großen Korb (für 2-5 Personen) gibt es 8-10 verschiedene Gemüse.

Seinen Anteil holt man dann an einem festgelegten Ort ab, d.h. der Farmer kommt einmal in der Woche mit den ganzen Kartons bzw. Tüten an einen zentralen Ort in der Stadt.

Bei LocalHarvest.org kann man unter 4.000 Farmen einen passenden Anbieter finden.

Dienstag, 29. März 2016

Amerikanische Eisbecher

Eine Vielfalt an Eisbechern gibt es in den USA nicht. Eisdielen bieten zumeist nur den Sundae und den Banana Split an. Beide sind amerikanische Erfindungen, die damit zusammenhängen, dass Drogerien und Apotheken im 19. Jahrhundert der übliche Ort für die Herstellung und den Verzehr von Eis und Brausegetränken waren.

Um die Herkunft des Sundae, der heute oft in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten wird, von denen Schokolade und Erdbeere die beliebtesten sind, gibt es Streit, denn mindestens vier Städte in den USA reklamieren, der Geburtsort zu sein. Eine Legende besagt, dass der Drogeriebesitzer Charles Sonntag in Plainfield (Illinois) um 1893 diese Leckerei erfand und nach sich selbst benannte. Später soll Sonntag dann in Sunday umgewandelt worden sein. Aber auch Two Rivers (Wisconsin), Evanston (Illinois) und Ithaca (New York) haben einleuchtende Entstehungsgeschichten dieses Eisbechers, der an allen drei Orten zuerst sonntags verkauft wurde. Wie es zu der Schreibung Sundae gekommen ist, weiß niemand.

Der Banana Split, der in Deutschland als Bananensplit bekannt ist, wurde wahrscheinlich 1904 von einem Apotheker in Latrobe (Pennsylvania) entwickelt und war im Prinzip ein Luxus-Sundae mit einer geteilten (engl. split) Banane. Aber auch hier gibt es Streit, denn die Stadt Wilmington (Ohio) besteht darauf, dass ein örtlicher Restaurant-Besitzer den Banana Split im Jahr 1907 erfunden hat. Die Verbreitung des Banana Split wird allerdings der Drogerie-Kette Walgreens zugeschrieben, die diese Speise in ihren Anfangsjahren in Chicago anzubieten begann.

Zum Weiterlesen: 10 Dinge, die man als USA-Urlauber getan haben sollte

Sonntag, 27. März 2016

Eingeschränktes Wahlrecht in Washington D.C.

Die Nummernschilder der in Washington D.C. registrierten Autos weisen gegenwärtig durch den Slogan "Taxation without Representation" darauf hin, dass die Einwohner der Hauptstadt zwar wie alle anderen Amerikaner Steuern an den Bund zahlen müssen, jedoch parlamentarisch nicht repräsentiert sind.

Wie ist das möglich? Alle 50 Bundesstaaten der USA haben Abgeordnete in beiden Häusern des United States Congress, dem House of Representatives and dem Senate. Da das District of Columbia (D.C.) jedoch weder ein Staat noch Teil eines Bundesstaates ist, dürfen sich die ca. 600.000 Einwohner nicht an den diesbezüglichen Wahlen beteiligen und sind im House of Representatives nur durch einen Delegierten ohne Stimmrecht und im Senate überhaupt nicht vertreten.

Durch einen Zusatz in der Verfassung können sich die Hauptstädter seit 1961 wenigstens an der Wahl des Präsidenten beteiligen. Bestrebungen, Washington D.C. entweder zu einem Bundesstaat zu machen oder wieder in den Staat Maryland einzugliedern, waren bisher erfolglos.

Donnerstag, 17. März 2016

Sehenswürdigkeiten in Chicago, die nicht so bekannt sind

Wie ihr vielleicht wisst, lebe und arbeite ich in Chicago. Einige Kapitel in meinem Fettnäpfchenführer USA spielen in Chicago und in den nächsten Jahren werde ich vielleicht auch einen ausführlichen Reiseführer mit Insider-Tipps für diese schöne Stadt am Michigansee schreiben.

An dieser Stelle möchte ich schon einmal einige Sehenswürdigkeiten in Chicago, hauptsächlich im Stadtteil Lincoln Park, vorstellen, die nicht unbedingt zu den Top 10 Chicago Sehenswürdigkeiten in den üblichen Reiseführern gehören, die aber einen guten Eindruck von Chicago etwas abseits vom Stadtzentrum vermitteln und sich besonders bei Aufenthalten lohnen, die über zwei bis drei Tage hinausgehen. Die meisten dieser Sehenswürdigkeiten kann man zudem kostenlos in Augenschein nehmen und sind etwas für die ganze Familie, inklusive Kinder jeden Alters.


1. Der Lincoln Park Zoo liegt im Norden der Stadt am Ufer des Michigansees. Der Eintritt ist kostenlos. Ich wohne übrigens gleich gegenüber vom Zoo und kann jeden Tag und jede Nacht die Wölfe heulen und die Löwen brüllen hören. Man kommt ganz einfach hin, z.B. kann man mit der Buslinie 151 (Richtung Devon/Clark) von zahlreichen Haltestellen in der Michigan Avenue bis zur Haltestelle Webster/Lincoln Park Zoo fahren. Eine schöne Sache, z. B. wenn man mit Kindern in Chicago ist, da es im Zoo z.B. auch ein Karussell gibt.

2. Das Lincoln Park Conservatory ist ein 1895 gebautes Riesengewächshaus mit tropischen Pflanzen und Farnen, das gleich in der Nähe des Haupteinganges vom Lincoln Park Zoo steht. Der Eintritt dort ist ebenfalls kostenlos. Im Park vor dem Gewächshaus steht ein Schillerdenkmal, das 1886 von deutschen Einwanderern errichtet wurde.

3. Der North Avenue Beach ist einer der längsten und schönsten der 24 Sandstrände in Chicago und befindet sich ebenfalls in der Nähe vom Lincoln Park Zoo und ist etwas südlich vom Zoo über eine Fußgängerbrücke zu erreichen. Im Sommer tummeln sich an den Stränden von Chicago Zehntausende Menschen. Manche Unternehmen geben ihren Angestellten bei schönem Wetter am Freitagnachmittag frei, damit sie zum Strand gehen können.

4. Das Chicago History Museum kann man vom Zoo aus ebenfalls zu Fuß erreichen. Wer aus dem Stadtzentrum kommt, kann auch hier mit der Buslinie 151 fahren. Für viele Chicago-Besucher wird dies wohl eher als Schlechtwettervariante dienen, aber wer sich für die Geschichte der Stadt interessiert, ist hier richtig. Das Museum hat zudem einen ausgezeichneten Souvenir- und Buchladen.

5. Wer lieber Cupcakes essen möchte, dem sei Molly's Cupcakes (2536 N Clark Street) empfohlen, etwa 10 Minuten Fußweg vom Zoo. Allen Deutschen und Österreichern, die in Chicago leben und die Hunger auf heimische Backwaren wie Bienenstich und Rumkugeln sowie auf frisches Brot haben, dem sei die österreichische Bäckerei Cafe Vienna empfohlen, die sich ganz in der Nähe (2523 N Clark Street) befindet. Wer Cupcakes in der Nähe der Michigan Avenue kaufen möchte, dem sei der Cupcake-Automat (Cupcake ATM) in der 50 E Walton Street zu empfehlen.

Ich hoffe, euch damit einige Anregungen gegeben zu haben, falls ihr Zeit habt, neben den bekannten Sehenswürdigkeiten in Chicago noch einige andere Dinge anzuschauen bzw. zu erleben. Falls ihr weitere Tipps habt, hinterlasst bitte einen Kommentar. Ich bin mir sicher, dass zukünftige Chicago-Besucher dankbar dafür sein werden. (Und ich kenne natürlich auch noch nicht alles in Chicago und freue mich über jeden Tipp.)

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Mittwoch, 9. März 2016

Arbeitslosengeld in den USA

Die meisten Arbeiten in den USA sind employment at will, d.h. dass man jederzeit ohne Vorwarnung gekündigt werden kann. Arbeitslosengeld bekommt man allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Die Arbeitslosenversicherung in den USA ist ein Gemeinschaftsprogramm der Bundesregierung und der Staaten, das durch Arbeitgeber-Steuern auf beiden Ebenen finanziert wird. Die Genehmigung und Auszahlung des Arbeitslosengeldes erfolgt durch die einzelnen Bundesstaaten, die alle ihre eigenen Bestimmungen haben, z.B. was die Mindestzahl der gearbeiteten Tage vor dem Arbeitsplatzverlust betrifft.

Arbeitslose bekommen nur dann eine finanzielle Unterstützung (unemployment benefits), wenn sie ihre Arbeit ohne eigenes Verschulden verloren haben (termination without cause), z.B. wenn ein Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen Entlassungen vornimmt.

Wer aufgrund von Fehlverhalten oder mangelnden Leistungen am Arbeitsplatz entlassen wird (termination for cause) erhält keine Arbeitslosenunterstützung. Wer selbst kündigt, hat ebenfalls keinen Anspruch. Das Gleiche trifft auf alle zu, die Teilzeit- oder Zeitarbeit ausüben bzw. selbständig arbeiten.

Arbeitslosenunterstützung kann man normalerweise bis zu sechs Monate lang erhalten. In den meisten Bundesstaaten muss man alle zwei Wochen einen Antrag auf Verlängerung stellen und willig sein, eine neue Arbeit, gleich welcher Art, aufzunehmen.


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Montag, 7. März 2016

Ein Trailer Park ist keine Wohnwagensiedlung

Im Deutschen wird der amerikanische Begriff trailer oft mit "Wohnwagen" und trailer park oft mit "Wohnwagensiedlung" übersetzt. Wer sich jedoch einmal in einem amerikanischen trailer park umgesehen hat, wird sicher zustimmen, dass diese Übersetzung nicht zutreffend ist.

Denn in einem trailer park stehen heutzutage keine Wohnwagen (engl. campers) oder Wohnmobile (engl. RVs) mehr, sondern wesentlich größere mobile homes, d.h. in Fabriken vorgefertigte Wohneinheiten, die eher Baracken als Wohnwagen ähneln. Historisch gesehen entwickelten sie sich zwar aus Wohnwagen, aber das war vor 50-60 Jahren.

Mobile homes werden im Stück per Schwerlasttransport angeliefert. Sie stehen weder auf Rädern noch auf einem richtigen Fundament, sondern auf Betonklötzen. Genauso, wie sie angeliefert wurden, können sie zu einem späteren Zeitpunkt an einen anderen Ort transportiert werden, was allerdings nur in den seltensten Fällen passiert.

Mobile homes werden in zwei Größen gebaut: single-wides sind bis zu 5,5 m breit und bis zu 27 m lang und werden komplett angeliefert. Double-wides sind wesentlich breiter und werden nicht selten in zwei Hälften an den Standort gebracht. Diese double-wides bleiben so gut wie immer am selben Platz.

Im trailer park werden sie ans Wasser-und Stromnetz angeschlossen und sie haben natürlich ein WC und eine Küche. Die trailer parks befinden sich fast immer außerhalb oder am Rande von Städten. Alte trailer parks vermitteln mitunter den Eindruck eines Slums, während neue trailer parks nicht selten einen eigenen Swimming Pool haben.

Nach Erhebungen der US-Regierung leben 6 Prozent der Bevölkerung, also rund 20 Millionen Menschen, in trailer parks.

Wie sollte man trailer park nun übersetzen? Am besten gar nicht. Ein trailer park ist ein Trailer Park, einen passenden deutschen Begriff gibt es nicht.

Freitag, 26. Februar 2016

Wie der Spatz nach Nordamerika kam

Um meine Auswanderer-Krimis historisch so genau wie möglich zu gestalten, lese ich viele zeitgenössische Bücher, so z.B. gerade die Reisebeschreibung "Ein Blick in die Neue Welt" des Sozialdemokraten Wilhelm Liebknecht, der von seiner USA-Reise im Herbst 1886 berichtet.

In einem Abschnitt über New York befindet sich dieser Satz: "Nur wenige Vögel konnte ich erblicken - unser europäischer Sperling, der vor etlichen dreißig Jahren künstlich eingeführt wurde, kommt nur in kleinen Gruppen vor und ist - wahrscheinlich deshalb - noch nicht im Besitz seiner urwüchsigen Unverschämtheit, welche ihn bei uns auszeichnet."

Das hat mich veranlasst, mir die Geschichte des Spatzen in den USA einmal näher anzuschauen. Wann und wie ist er nach Amerika gekommen? Wer hat ihn eingeführt? Die Antworten auf diese Fragen fand ich in der Zeitschrift "Naturwissenschaftliche Wochenschrift" (Ausgabe vom 11. August 1895):
»Auch die Geschichte der Einführung der Hausspatzen oder "englischen" Sperlinge nach Nordamerika ist sehr interessant. Die ersten, so weit man weiss, und zwar 8 Pärchen wurden 1850 importiert, aber es waltete zufälliger Weise ein Unstern über sie, sie verloren sich, und man hat niemals etwas von ihnen und ihrer Nachkommenschaft wieder gehört. Zwei Jahre später bildete sich aus Mitgliedern des Brooklyn-Instituts eine Commission zur Einführung des europäischenSperlings, und es wurden zu diesem Zwecke 200 Dollars bewilligt.
Man führte eine Menge Sperlinge aus England ein. Verschiedene wurden gleich nach ihrer Ankunft freigelassen und der Rest in dem Turm der Kirche des Grenwod-Kirchhofs untergebracht, da sie aber nicht recht gedeihen wollten, nahm ein Herr John Hoope sie in seine Privatpflege. Im Jahr 1853 lies man diesen Rest auf jenen Kirchhof fliegen und bestellte einen Mann, der über die Vögel zu wachen hatte.

1854 wurde der Spatz nach Canada eingeführt. Auf Canada und Brooklyn folgte mit Einführung des Sperlings 1860 die Stadt New-York selbst, 1867 New Haven und Philadelphia, in welcher Stadt 500 Pärchen ausgesetzt wurden, 1871 oder 1872 wurde der Vogel in St. Francisco, 1873 oder 1874 in die Mormonenstadt am Salzsee eingeführt, und rasch folgten andere Städte und Ortschaften, die ihr Spatzenmaterial entweder aus Europa bezogen oder es aus anderen amerikanischen Gemeinden, wo der Vogel bereits festen Fuss gefasst hatte, erhielten.

Dann verbreiteten sich die Spatzen auf eigene Faust und folgten namentlich im Westen der östlichen Vereinigten Staaten den Schienenwegen und Landstrassen. Wie rasch der Sperling sich vermehrt hat und vorgedrungen ist, beweist die Thatsache, dass er bis 1875 über 500 Meilen, aber im Jahr 1886 schon über 516 500 engl. Quadratmeilen in den Vereinigten Staaten verbreitet war.«
Anders als von Liebknecht anfangs wahrgenommen, breitete sich der Hausspatz in Nordamerika also nach anfänglichen Schwierigkeiten rapide aus und wurde besonders von Bauern als Plage angesehen.