Mittwoch, 20. Mai 2015

Amerikanische Redewendungen - Teil 18: "over a barrel"

Die Redewendung over a barrel (wörtlich: über einem Fass; im übertragenen Sinne: hilflos ausgeliefert) tauchte in amerikanischen Zeitungen Ende der 1930er Jahre auf, könnte aber in der Umgangssprache schon länger verwendet worden sein. Sie bezieht sich auf eine Art der körperlichen Züchtigung, die mit Vorliebe in US-Gefängnissen praktiziert wurde: Gefangene wurden auf dem Bauch liegend in Längsrichtung auf einem Fass festgebunden und dann ausgepeitscht. Die Bestraften waren so der Züchtigung hilflos ausgeliefert.

Beispiel: They get you over a barrel. They have the money and the lawyers. (Du bist ihnen hilflos ausgeliefert. Die haben das Geld und die Anwälte.)

Sonntag, 26. April 2015

Eine Einführung in die Baseballregeln in 500 Worten

Der Besuch eines Baseball-Spiels gehört auf jeden Fall zu den 10 Dingen, die man als USA-Urlauber getan haben sollte. Die Kenntnis der Regeln trägt natürlich ganz wesentlich dazu bei, dass man dabei viel Spaß hat.

Hier nun also der Versuch, die Baseballregeln in 500 Worten zu erklären:

Das Spielfeld hat die Form eines Viertelkreises und besteht aus einem infield und einem outfield. Die geraden Kanten sind 90 bis 120 Meter lang und die gerundete Seite wird in Stadien durch die Zuschauerränge oder auf Sportplätzen durch einen Zaun abgegrenzt.

Das infield ist ein Quadrat mit einer Kantenlänge von ca. 27 Metern, an deren Ecken sich weiße Gummiplatten, die drei bases und die homeplate, befinden. In der Mitte ist ein kleiner Hügel (mound). Da das infield rautenförmig ins Spielfeld ragt, wird es auch diamond genannt. Das outfield, der Name sagt es, ist der Teil des Viertelkreises außerhalb des infield.

Das Spiel ist in neun Abschnitte (innings) eingeteilt, die jeweils aus zwei Hälften bestehen. Die Auswärtsmannschaft hat in der ersten Hälfte (top of the inning) das Schlagrecht, die Heimmannschaft in der zweiten Hälfte (bottom of the inning). Die Reihenfolge der schlagenden Spieler, die batting order, wird vom Trainer vor dem Spiel festgelegt und dem Schiedsrichter mitgeteilt.

Das Team mit Schlagrecht versucht zu punkten, indem seine Spieler die bases ablaufen. Jeder Spieler, der alle drei bases abläuft und es zurück zum Ausgangspunkt (homeplate) schafft, erzielt einen Punkt (run). Voraussetzung dafür ist, dass der batter, der Spieler des angreifenden Teams, der mit dem Schlagen an der Reihe ist, den Ball gut trifft. Dieser wird vom pitcher des verteidigenden Teams, der auf dem mound steht, geworfen.

Der pitcher versucht, den Ball in einer schwer berechenbaren Flugbahn zu werfen. Da der Ball vom catcher, seinem hinter dem gegnerischen batter hockenden Mitspieler, gefangen werden muss, zeigt der pitcher durch Geheimzeichen die geplante Wurfbahn an.

Die anderen Spieler des verteidigenden Teams stehen über das Spielfeld verteilt und versuchen den geschlagenen Ball unter Kontrolle zu bringen, um ein Punkten des Gegners zu verhindern. Je länger sie dazu brauchen, desto mehr Zeit haben die Spieler des angreifenden Teams, die bases abzulaufen und runs zu erzielen.

Nach dem Schlag wird der batter zum runner und muss versuchen, wenigstens zur ersten base zu kommen. Sollte es ihm gelingen den Ball in die Zuschauerränge zu schlagen und alle bases auf einmal abzulaufen, erzielt er einen homerun.

Meistens kommen die Spieler jedoch nur zur nächsten base. Wenn alles gut läuft, sind nach einigen Schlägen alle drei bases mit Spielern besetzt, d.h. die bases are loaded. Sollte nun ein guter Schlag gelingen, können es unter Umständen vier Spieler zum homeplate schaffen und punkten.

Wird der Ball jedoch vor Berühren des Bodens gefangen, ist der batter automatisch out. Wenn der Ball auf dem Boden landet, aufgehoben und zu einem Mitspieler geworfen wird, der mit einem Fuß auf einer base steht und den Ball fängt, bevor der runner dort ankommt, ist dieser ebenfalls out. Ein runner, der gerade keine Base berührt, ist auch out, wenn er von einem Feldspieler mit dem Ball oder mit dem Handschuh, in dem sich der Ball befindet, berührt wird. Sobald drei Spieler out sind, wird gewechselt.

Ziel des Spieles ist, mehr runs zu erzielen als der Gegner. Falls notwendig, werden zusätzliche innings gespielt, um das Spiel zu entscheiden.

Wer es lieber ausführlich hat, kann den 2.500 Worte langen Artikel bei Wikipedia lesen.

Donnerstag, 23. April 2015

Der König von Beaver Island

1844 wurde der Gründer der Mormonenkirche, Joseph Smith, zusammen mit seinem Bruder Hyrum ermordet und die Mehrheit der Mormonen akzeptierte Brigham Young als neues Kirchenoberhaupt. Dieser führte sie 1846/47 von Illinois nach Utah, wo sich noch heute das Zentrum der Mormonen befindet.

Eine kleine Gruppe scharte sich jedoch um den charismatischen Anwalt James Jesse Strang und zog mit ihm nach Wisconsin. Da es dort nicht genug Land gab und das Zusammenleben mit den nichtmormonischen Nachbarn problematisch war, beschloss Strang 1848 einen Umzug auf die im nördlichen Michigansee gelegene Insel Beaver Island, die zwölf Meilen lang und sechs Meilen breit ist. Dort krönte sich Strang 1850 zum König.

King James herrschte mit eiserner Faust über die Insel. Im Gegensatz zu Smith und Brigham war Strang anfangs kein Polygamist, hatte dann aber doch fünf Frauen und insgesamt zwölf Kinder. 1852 ließ er sich von seinen Anhängern ins Parlament von Michigan wählen.

Machtgierig wie King James war, hatte er natürlich auch Feinde, in erster Linie unter den früheren Bewohnern der Insel, hautsächlich Fischer irischer Herkunft, aber auch unter seinen eigenen Leuten. Am 16. Juni 1856 wurde Strang daher ermordet. Seine Mörder kamen ungestraft davon und die nun führerlosen Mormonen wurden von den Fischern gewaltsam von Beaver Island vertrieben.

Wer Beaver Island heute besucht, kann dort noch die von Strang gegründete Ortschaft St. James und die Druckerei der Mormonen (Old Mormon Print Shop) finden. Um nach Beaver Island zu kommen, fährt man gut zwei Stunden von Charlevoix (im Nordwesten Michigans) mit einer Fähre der Beaver Island Boat Company.

Zum Weiterlesen: Schönes Reiseziel: Die Großen Seen

Mittwoch, 15. April 2015

Höchstgeschwindigkeit in den USA

Die Höchstgeschwindigkeit auf amerikanischen Autobahnen unterscheidet sich je nach Bundesstaat. In den meisten Staaten in der Osthälfte der USA liegt sie bei 70 mph (113 km/h) und in der Mehrheit der Staaten in der Westhälfte bei 75 mph (121 km/h). In Kalifornien und Washington State liegt sie allerdings auch bei 70 mph, in Oregon und Alaska sogar bei nur 65 mph (105 km/h). Auf einigen Streckenabschnitten in Idaho, South Dakota, Utah und Wyoming sind 80 mph (129 km/h) erlaubt. In Texas wird die Höchstgeschwindigkeit durch die einzelnen Verwaltungsbezirke festgelegt und liegt zwischen 65 und 85 mph (137 km/h).

Wer gern schnell(er) fährt, ist im Westen der USA (mit Ausnahme der Westküste) besser aufgehoben:

Informationen zur Höchstgeschwindigkeit in den einzelnen Bundesstaaten und zu den Strafgebühren gibt es auf Wikipedia.

Freitag, 3. April 2015

Welches Auswandern-USA-Forum ist empfehlenswert?

Zum Thema Auswandern in die USA gibt es eine Reihe von Foren, in denen sich Leute, die bereits in den USA leben, und Leute, die noch vorhaben, auszuwandern bzw. längere Zeit in Amerika zu arbeiten, austauschen. Dazu gehören:

USA-Auswandererforum.com - Dieses Forum beschäftigt sich in erster Linie mit dem Auswandern in die USA, wie man das macht, wie man eine Arbeit findet oder eine Firma gründet. Themenbereiche wie Studium, Schulbesuch, Au-Pair und Reisen kommen ergänzend hinzu.

Amerika-Forum.de ist ein lebendiges Forum zu den Themen Reisen und Auswandern in die USA und Kanada. Allein im Themenbereich Auswandern USA gibt es mehrere Hunderttausend Beiträge.

Germanicans.com - Ein Forum für Deutsche, die in den USA leben bzw. hier leben wollen. Früher war in diesem Auswanderer-Forum mehr los, in letzter Zeit scheint dort jedoch die Diskussion etwas eingeschlafen zu sein. Neue Mitglieder würden das Forum sicher ein wenig beleben. Man kann dort aber auch in den alten Diskussionen stöbern und die eine oder andere gute Information herausfischen.

Tipp: Falls ihr vorhabt, euch an einem bestimmten Ort niederzulassen, würde ich in diesen Foren nach Leuten suchen, die bereits dort leben und deren Ortskenntnis nutzen, z.B. wenn um das Mieten einer Wohnung geht.

Welche Foren zum Thema Leben und Arbeiten in den USA könnt ihr empfehlen?

Jetzt für einen Garten anmelden

Diesen Hinweis gebe ich jedes Jahr und da an vielen Orten die Gartensaison am 1. Mai beginnt, ist es jetzt wieder an der Zeit dafür:

Wer in den USA keinen Garten hinterm Haus hat bzw. in einer Wohnung lebt, kann vielerorts gegen eine relativ geringe Gebühr in einem Community Garden Gemüse, Blumen und Kräuter anbauen. Dadurch spart man Geld für Lebensmittel, zaubert frisches Gemüse auf den Tisch und lernt neue Leute kennen.

In den meisten Gemeinschaftsgärten kann man das Land nur vom Frühling bis zum Herbst nutzen. Dann wird der Boden umgepflügt und im nächsten Jahr neu verteilt. Da es oft Wartelisten gibt, sollte man sich schon jetzt für ein Gartenstück (garden plot) anmelden. Ein Verzeichnis vieler Gemeinschaftsgärten gibt auf CommunityGarden.org.

Mittwoch, 18. März 2015

Wohnung mieten in den USA – 10 Dinge, die man unbedingt beachten sollte

In meinem Buch "Alltag in Amerika. Leben und Arbeiten in den USA" gibt es ein ausführliches Kapitel zum Thema Wohnungssuche und Wohnung mieten in den USA. Trotzdem möchte ich hier einmal einige wichtige Dinge zusammenfassen. (Falls euch einige dieser Tipps selbstverständlich vorkommen, denkt bitte daran, dass jeder Leser einen anderen Erfahrungsschatz hat. Falls ihr Tipps hinzufügen möchtet, schreibt bitte einen Kommentar.)

Wohnung mieten USA1. Das Internet ist ein hervorragender Startpunkt in Sachen Wohnungssuche. Auf Apartments.com findet man Wohnungen in Apartmentkomplexen und auf Craigslist.org privat vermietete Wohnungen.

2. Wenn man eine Wohnung in einem Apartmentkomplex mieten möchte, wird normalerweise die Credit History überprüft. Private Vermieter machen das zwar auch oft, lassen aber in der Regel eher mit sich reden, falls man noch keine Credit History hat, was bei den meisten Leuten, die erstmals in die USA umziehen der Fall ist. Der Nachweis einer Arbeit und eines gewissen Einkommens, eine höhere Kaution (security deposit) oder die rechtlich verbindliche Bürgschaft durch amerikanische Verwandte oder Freunde können unter Umständen Abhilfe schaffen.

3. Wer in einem Apartmentkomplex mieten möchte, sollte sich vorab einmal auf Apartmentratings.com und ähnlichen Websites informieren, ob es Beschwerden von Mietern gibt.

4. Die Kriminalitätsrate in dem jeweiligen Stadtteil kann man auf Neighborhoodscout.com herausfinden.

5. Mietvertrag USAMietverträge werden in der Regel für ein Jahr abgeschlossen. Zieht man eher aus, ist man rechtlich verpflichtet bis zum Ablauf des Vertrages die Miete zu zahlen. Auf einen kürzeren Zeitraum oder sogar eine month-to-month lease lassen sich nur wenige Vermieter ein.

6. Wer seine Miete nicht zahlt, wird relativ schnell auf die Straße gesetzt, nicht selten unter Aufsicht der Polizei. Auch bei Mängeln an der Wohnung sollte man seine Miete immer in voller Höhe und pünktlich zahlen. Im Vergleich zu Deutschland haben Mieter in den USA nur wenige Rechte.

7. Man sollte sich vorab genau erkundigen, welche Haustiere erlaubt sind. Bei Hunden gibt es oft Einschränkungen, was die Rassen betrifft.

8. Beim Einzug bekommt man normalerweise eine Checkliste, in die man alle Mängel eintragen muss. Das sollte man gründlich erledigen und auf die Behebung aller Mängel bestehen.

9. Sollte sich der Vermieter weigern, erhebliche Mängel zu beheben, kann man den Housing Inspector der jeweiligen Stadtverwaltung kontaktieren. (Man kann dort auch eine Broschüre mit dem Housing Code der Stadt bekommen, der die Verpflichtungen der Vermieter darlegt.)

10. Anders als in Deutschland werden Ruhezeiten in den USA kaum beachtet. Man sollte in dieser Hinsicht sehr tolerant sein. Falls es erhebliche Störungen gibt, kann man die Polizei rufen. Allerdings sollte man sich vorher in der Noise Ordinance der Stadt informieren, welche Regelungen es gibt.

Samstag, 14. März 2015

Urgent Care - Was ist das?

Während man beim normalen Arzt, selbst bei Krankheit, telefonisch einen Termin vereinbaren muss, kann man bei einer Urgent Care ohne Voranmeldung erscheinen. Die durchschnittliche Wartezeit ist 30 Minuten, was ein entscheidender Vorteil gegenüber der Notaufnahme (emergency room, kurz: ER) ist, wo man oft stundenlang warten muss, wenn man sich nicht in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet.

Urgent Care-Einrichtungen sind jeden Tag, also auch am Wochenende geöffnet, in der Regel von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.

Da nur der Leiter der Einrichtung ein Arzt sein muss, wird die Behandlung meistens von einem physician assistant, der in der Qualifizierung zwischen Arzt und Krankenpfleger (nurse) steht, durchgeführt. Behandelt werden u.a. einfache Brüche, Schnittwunden, Blasenbeschwerden und Erkältungen.

Werden die medizinischen Möglichkeiten der Urgent Care überschritten, schickt man den Patienten zur Notaufnahme eines Krankenhauses.

In den USA gibt es derzeit rund 10.000 Urgent Care-Einrichtungen, Tendenz steigend.