Donnerstag, 4. August 2016

Die Renaissance der Food Trucks

In den USA machen Food Trucks gegenwärtig mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr. Nicht schlecht für einen Gewerbezweig, der eigentlich aus der Not heraus wiederbelebt wurde.

Während der jüngsten Wirtschaftskrise schlossen viele Restaurants und zahlreiche Köche verloren ihre Arbeit. Zugleich lag die Bauwirtschaft am Boden und viele rollende Imbissstände, die die Bauarbeiter zu Mittag mit einfachen Speisen versorgten, standen ungenutzt herum.

Arbeitslose Köche machten sich daraufhin zunehmend selbständig, indem sie einen solchen Truck preiswert kauften und ihre auf Restaurantniveau stehenden Speisen aus dem Fenster eines solchen Fahrzeuges heraus vor Bürogebäuden zu verkaufen begannen. Die Namen der besonders guten Gourmet Food Trucks sprachen sich herum und über Twitter oder Facebook konnte man erfahren, wo man die Trucks, die oft ihren Standort wechselten, finden konnte. Begonnen hat diese Renaissance in den Großstädten an der Ost- und Westküste und hat sich dann über das ganze Land ausgebreitet.


Renaissance deshalb, weil das Ganze eigentlich nichts Neues ist, denn den ersten Food Truck, der damals noch von Pferden gezogen wurde, gab es bereits 1872 in Providence, Rhode Island, und ab 1887 wurde motorisierte Food Trucks, die damals noch Lunch Wagons hießen, in Serie gebaut. Auch damals schon hielten sie vor Bürogebäuden.

Vom Diner verdrängt, dienten die rollenden Kantinen jedoch im 20. Jahrhunderts fast ausschließlich der Versorgung von Arbeitern direkt vor den Fabriktoren und Baustellen. Jetzt aber haben sie ihren Weg wieder in die Innenstädte gefunden und werden mitunter auch für Sportereignisse, Freiluftkonzerte und andere Veranstaltungen genutzt.




Samstag, 30. Juli 2016

Maisanbau in den USA

Wer durchs ländliche Amerika fährt, insbesondere im Mittleren Westen, kann sie nicht übersehen: Maisfelder sind überall. Mais wird angebaut, um Tiere zu füttern, Treibstoff zu erzeugen und Lebensmittel herzustellen.

Die U.S.-Anbaufläche für Mais (engl. corn) beträgt rund 400.000 Quadratkilometer und ist damit in etwa so groß wie Deutschland und die Schweiz zusammen genommen. Sojabohnen liegen knapp dahinter, die Anbaufläche von Weizen ist jedoch nur halb so groß wie für Mais. Für den Maisanabau allein werden jedes Jahr rund 23.000 Kubikkilometer Wasser verwendet, das ist in etwa die Wassermenge in den Großen Seen. Dazu kommen beinahe 6 Millionen Tonnen Düngemittel, die dann zum Teil ins Grundwasser, in die Flüsse und Seen und letztendlich auch Ozeane gelangen.

65% der Maisernte gehen in die Tiermast, 13 Prozent werden zur Erzeugung des Treibstoffes Ethanol verwendet und nur rund 12 Prozent werden von Menschen verspeist, wobei ein Großteil in die Herstellung von Maissirup (high fructose corn syrup) geht, der in den USA zum Süßen verwendet wird, vor allem in Brause- und Colagetränken. Maissirup fördert jedoch die Fettsynthese wesentlich stärker als herkömmlicher Zucker, der aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr gewonnen und in Europa zum Süßen verwendet wird. Hier dürfte, neben der allgemeinen Bewegungsarmut, eine der Hauptursachen liegen, warum die meisten Einwohner der USA übergewichtig ist.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Selber pflücken auf der U-Pick-Farm

Im deutschen Sprachraum gibt es zwar auch zunehmend Obstplantagen mit Selbsternte, in den USA jedoch sind diese schon seit Jahrzehnten der Normalfall und bilden oft das Geschäftsmodell des jeweiligen Obstbaubetriebes.

Der Besuch einer U-Pick-Farm ist eine nette Aktivität für die ganze Familie: Man ist an der frischen Luft, betätigt sich körperlich und geht mit Obst nach Hause, das frischer nicht sein könnte. Das kann man während der Erntezeit praktisch jedes Wochenende machen und dabei auch die Obstsorten abwechseln. Erdbeeren, Äpfel, Blaubeeren, Kirschen, Himbeeren und Pfirsiche kann man während der Sommermonate in den meisten Regionen der USA pflücken, in wärmeren Gebieten kommen auch noch Citrus-Früchte hinzu, wie z.B. Orangen in Florida.

Oft gibt es auf der U-Pick-Farm ("du-pflückst-Farm") zusätzliche Aktivitäten wie Fahrten mit dem Heuwagen und einen Streichelzoo.

Tipp: Auf PickYourOwn.org kann man U-Pick-Farms in seiner Nähe finden.


Zum Weiterlesen: 10 Dinge, die man in den USA getan haben sollte

Montag, 18. Juli 2016

Wissenswertes zur Auswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert

Es ist weithin bekannt, dass Deutschamerikaner, d.h. die Nachfahren deutscher Auswanderer, die größte Bevölkerungsgruppe in den Vereinigten Staaten ausmachen. Mehr als 50 Millionen US-Amerikaner gaben in der Volkszählung des Jahres 2010 German als ihre Hauptabstammung an. Das sind mehr als 15 Prozent der Bevölkerung. In Kanada sind es mehr als 3 Millionen (10 Prozent der Bevölkerung).

Das 19.Jahrhundert, insbesondere die Achtziger Jahre, stellte zahlenmäßig den Höhepunkt der deutschen Auswanderung in die USA dar:

1820–1840: 160.335
1841–1850: 434.626
1851–1860: 951.667
1861–1870: 787.468
1871–1880: 718.182
1881–1890: 1.452.970
1891–1900: 505.152

Hier sind einige wissenswerte Dinge, die vielleicht nicht so bekannt sind:

  • Viele deutsche Auswanderer ließen sich als Bauern nieder, besonders nachdem in der Prärie, z.B. in North Dakota kostenloses Land vergeben wurde. Um 1900 waren daher rund 40% der landwirtschaftlichen Nutzfläche der USA im Besitz von Deutschamerikanern.
  • Verschiedene Großstädte im Mittleren Westen hatten Ende des 19. Jahrhunderts einen sehr hohen Prozentsatz deutschstämmiger oder aus Deutschland eingewanderter Bewohner: Detroit (Michigan) 41%, St. Louis (Missouri) 45%, Cincinnati (Ohio) 54%, Davenport (Iowa) 62% und Milwaukee (Wisconsin) 70%.
  • New York war um 1890 mit 210.000 in Deutschland geborenen Einwohnern nach Berlin, München, Hamburg und Köln theoretisch die fünftgrößte deutsche Stadt.
  • In den USA gab es Ende des 19. Jahrhunderts Hunderte deutsche Zeitungen, darunter viele Tageszeitungen. Trotzdem hatte Deutsch niemals eine ernsthafte Chance, Amtssprache zu werden.
  • Ungefähr 100.000 Russlanddeutsche wanderten bis 1900 in die USA ein. Die Zahl ihrer Nachkommen beträgt heute ca. 1 Million.

Falls ihr euch für die deutsche Auswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert interessiert, möchte ich euch meine Auswanderer-Romane "Hoffnung ist ein weites Feld" und "Man erntet, was man sät" ans Herz legen.

Auswanderer-RomanePressestimmen:

"Hoffnung ist ein weites Feld" ist der gelungene Start einer Romanreihe, die das Leben der Familie Sievers von 1881 bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts zum Thema haben soll." (Histo-Couch.de)

"Ein spannendes Buch, in dem historische Fakten gekonnt ins Krimi-Genre eingebettet werden." (DAS MAGAZIN)

Montag, 11. Juli 2016

Die richtige Verwendung von "respectively"

Man kann das Wort respectively durchaus mit beziehungsweise übersetzen, wenn man einen Satz wie diesen aus dem Englischen ins Deutsche überträgt:

The stock's weekly, monthly, and YTD (year-to-date) price movements were 20.7%, 21.3%, and 45.6%, respectively.

Die wöchentlichen, monatlichen und jährlichen Preisbewegungen der Aktie waren 20,7%, 21,3% beziehungsweise 45,6%.

Was der Muttersprachler mit respectively zum Ausdruck bringen will, ist die Zuordnung der zweiten Informationsreihe (20.7%, 21.3%, and 45.6%) zur ersten Informationsreihe (weekly, monthly, and YTD (year-to-date)), und zwar in derselben Reihenfolge, d.h. dass sich 20.7% auf weekly, 21.3% auf monthly und 45.6% auf (YTD (year-to-date) bezieht.

Bei einer Übersetzung vom Deutschen ins Englische sollte man respectively aber ebenfalls nur in dieser Funktion verwenden. Ansonsten sind and bzw. or zu gebrauchen:

Zu diesem Zweck prüft beziehungsweise ermittelt die Bank ...

To this end, the Bank checks and identifies ...

* * *

Buchtipp:

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"Der Feinschliff für US-Englisch-Kenntnisse" usa-reisetraum.de

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Sonntag, 19. Juni 2016

State Parks - Die kleinen Geschwister der National Parks

Eine ganze Reihe von National Parks in den USA, wie der Grand Canyon National Park und der Yellowstone National Park, sind in der ganzen Welt bekannt und ziehen jedes Jahr Hunderte Millionen Touristen aus Nah und Fern an. Ein Geheimtipp für ausländische Touristen sind dagegen oft die State Parks, d.h. die Naturschutzgebiete, die von den einzelnen Bundesstaaten unterhalten werden.

Von diesen gibt es mehr als 7.800 und viele sind ebenfalls von ungemeiner Schönheit, z.B. Palo Duro Canyon State Park in Texas, Fall Creek Falls State Park in Tennessee, Hocking Hills State Park in Ohio, Custer State Park in South Dakota (Foto) und Antelope Valley California Poppy Reserve.

Die State Parks sind in der Regel kleiner als die National Parks, ihre Wanderwege summieren sich aber trotzdem auf rund 40.000 Meilen. Besucht werden die State Parks überwiegend von Menschen aus der Region, die einen Tagesausflug machen oder übers Wochenende auf einem der Campingplätze bleiben, die oft Bestandteil eines State Parks sind. Man kann aber auch auf Urlauber treffen, die längere Zeit mit dem Zelt oder Wohnmobil unterwegs sind. An Wochentagen geht es in vielen State Parks recht beschaulich zu, aber auch am Wochenende sind sie meistens nicht so überlaufen wie die National Parks.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Kalifornien: Wasser sparen im Vorgarten

Vor einigen Wochen war ich in Los Angeles und mir fiel gleich auf, wie sehr sich die Vorgärten dort von denen im Mittleren Westen und an der Ostküste unterscheiden. Statt Rasen wachsen im südlichen Kalifornien oft Kakteen und andere einheimische Pflanzen vor dem Haus. Das sieht nicht nur schön aus, sondern spart vor allem Wasser. Dadurch werden natürlich die Umwelt und der eigene Geldbeutel geschont. Besonders in den letzten Jahren, in denen es wegen Wasserknappheit oft Einschränkungen und Verbote in Sachen Vorgartenbewässerung gab, haben sich viele Hausbesitzer vom Rasen verabschiedet und in eine Neubepflanzung investiert. Zum Teil gab es auch finanzielle Anreize, z.B. das Cash for Grass Rebate Program der Wasserwerke in Los Angeles.


Der Vielfalt sind kaum Grenzen gesetzt, allerdings sieht man oft Kakteen und Palmen:


Nach einigen Jahren kann das dann auch schon einmal so aussehen:

Freitag, 8. April 2016

Community Supported Agriculture (CSA) - Ein Abo für frisches Gemüse

Neben dem Anbau im eigenen Garten und dem Einkauf auf dem Farmers Market gibt es eine weitere Möglichkeit, Gemüse direkt von einem Bauern aus der Region zu erhalten: Community Supported Agriculture (CSA).

So funktioniert es: Der Farmer verkauft im Voraus Anteile (shares) an der Ernte. (Dieses Anteile werden umgangssprachlich oft einfach CSA genannt.) Dafür bekommt der Kunde dann jede Woche einen Karton oder Korb bzw. eine Tüte mit einer Auswahl an frischem Gemüse, die sich danach richtet, was gerade geerntet wurde.

Ein Beispiel: King Hills Farm bietet Kunden einen small share für $400 und einen large share für $600. Die Erntezeit geht von Mitte Juni bis Mitte Oktober, insgesamt 20 Wochen. (In anderen Regionen sind die Erntezeiten unter Umständen wesentlich länger.) Die Kosten sind also $20 bzw. $30 pro Woche. Im kleinen Erntekorb (für 1-2 Personen) finden sich 6-7 verschiedene Gemüse und im großen Korb (für 2-5 Personen) gibt es 8-10 verschiedene Gemüse.

Seinen Anteil holt man dann an einem festgelegten Ort ab, d.h. der Farmer kommt einmal in der Woche mit den ganzen Kartons bzw. Tüten an einen zentralen Ort in der Stadt.

Bei LocalHarvest.org kann man unter 4.000 Farmen einen passenden Anbieter finden.