Sonntag, 23. Februar 2014

Krankenversicherung in den USA - Was ist neu?

Seit dem 1. Januar 2014 verpflichtet das Gesundheitsgesetz Patient Protection and Affordable Care Act (PPACA), das oft Affordable Care Act (ACA) bzw. Obamacare genannt wird, zum Abschließen einer Krankenversicherung. Wer beim Abgeben der Steuererklärung in den USA keinen Versicherungsnachweis erbringen kann, muss zukünftig eine Geldstrafe zahlen. Für das Jahr 2015 beträgt diese Strafe zwei Prozent des Jahreseinkommens oder 325 Dollar, je nachdem welcher Betrag höher ist. Im Jahr 2016 werden zweieinhalb Prozent oder 695 Dollar fällig. Zudem muss man alle Behandlungskosten selbst übernehmen.

Eltern können ihre Kinder bis zu deren 26. Geburtstag mitversichern. Menschen ab 65 Jahre sowie Behinderte jeden Alters sind durch das Sozialprogramm Medicare versichert. Dieses wird aus der Social Security tax, die von Lohn bzw. Gehalt abgezogen wird, finanziert.

US-Bürger mit sehr niedrigem Einkommen haben oft die Möglichkeit, sich kostenlos über Medicaid zu versichern. Da es sich hier um ein Gemeinschaftsprogramm von Bundesregierung und Staaten handelt, das von Staat zu Staat verschieden gehandhabt wird, fallen jedoch in manchen Staaten viele Arme durch die groben Maschen dieses Sicherheitsnetzes.

Die meisten berufstätigen Menschen in den USA versichern sich über ihren Arbeitgeber. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich oft die Kosten, manchmal übernimmt der Arbeitgeber auch die gesamten Kosten. Wenn man Lebenspartner oder Kinder mitversichern will, muss man aber in der Regel erheblich zuzahlen.

Wer keine Krankenversicherung über den Arbeitgeber bekommt, muss sich selbst versichern. Bei gutem Einkommen kauft man die Krankenversicherung direkt bei einem Versicherungsunternehmen. Um sich in der Vielfalt der Angebote zurechtzufinden, kann man sich von einem health insurance broker helfen lassen, eine passende Versicherung zu finden.

Wer ein niedriges oder moderates Einkommen und keine Versicherung über den Arbeitgeber hat, kann durch Steuervergünstigungen einen Teil der monatlichen Versicherungskosten bezahlt bekommen. Voraussetzung dafür ist, dass die Krankenversicherung über den Health Insurance Marketplace (www.healthcare.gov) abgeschlossen wird. Auch Menschen ohne US-Staatsbürgerschaft, die sich rechtmäßig in den USA aufhalten, können diese Möglichkeit nutzen. Die Steuervergünstigungen sind dabei sofort wirksam und fließen in den Preis mit ein, sodass die monatliche Beitragszahlung erschwinglich ist.

Der Abschluss einer Krankenversicherung durch den Health Insurance Marketplace oder direkt bei einem Versicherer ist in der Regel nur während eines bestimmten Zeitabschnittes am Ende des Jahres, der open enrollment period genannt wird, möglich. Es gibt allerdings Ausnahmen, z.B. falls man seine Arbeit verliert, heiratet, ein Baby erwartet, sich scheiden lässt oder in einen anderen Bundesstaat umzieht. (Dieses Jahr endet die open enrollment period wegen technischer Probleme mit dem Health Insurance Marketplace erst am 31.3.)

Wer eine neue Arbeit aufnimmt und eine Krankenversicherung vom Arbeitgeber angeboten bekommt, kann normalerweise gleich eine Krankenversicherung beantragen, die dann aber in der Regel erst nach dem ersten vollständig gearbeiteten Kalendermonat in Kraft tritt. Nimmt man dieses Angebot nicht wahr, muss man auch hier bis zur open enrollment period warten.

Menschen mit chronischen Krankheiten dürfen von den Krankenkassen aufgrund der neuen Gesetzgebung nicht mehr benachteiligt werden, sondern werden zu den gleichen Beitragssätzen wie kerngesunde Menschen versichert. Allerdings steigen die Versicherungspreise mit dem Alter.

Zum Weiterlesen: Krankenversicherung in den USA - Wichtige Begriffe erklärt

Kommentare:

  1. Ich hab jetzt leider keine Versicherung mehr. Da ich nicht arbeiten gehe und von dem Einkommen meines Ehemannes lebe (welcher Frührentner ist), ist eine Krankenversicherung für mich nicht mehr finanzierbar. Nach dem neuen Gesetz zähle alleine ich als Haushalt, da mein Mann keine Krankenversicherung benötigt. Da ich aber kein Einkommen habe kann ich auch keine vergünstigen für die Versicherung erhalten, ich werde an Medicaid verwiesen. Medicaid kann ich aber nicht beantragen, weil da nämlich mein Ehemann nebst seinem Einkommen in meinen Haushalt zählen und das ist widerum zu viel. Den vollen Versicherungsbeitrag kann ich leider nicht zahlen, auch im Hinblick auf Eigenbeteiligung. Sollte ich krank werden, muß ich mich wohl in Deutschland anmelden, Krankenversicherung dort abschließen und nach meiner Behandlung wieder abmelden ... oder auf Almosen hoffen. Blöd gelaufen für mich :(

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    1. Das tut mir sehr leid. Die Handhabung von Medicaid hängt leider von den einzelnen Bundesstaaten ab. In einer ganzen Reihe von Staaten fallen Menschen mit niedrigem Einkommen durch das löchrige Sozialnetz. Und an deiner Situation zeigt sich ebenfalls, dass das soziale System der USA nach wie vor meilenweit davon entfernt ist, alle Menschen ausreichend abzusichern. Vielleicht kannst du einen Bundesstaat finden, in dem du besser abgesichert bist? Informationen dazu gibt es hier: http://kff.org/statedata/
      Das ist natürlich Wahnsinn, deswegen umziehen zu müssen, aber einen besseren Rat habe ich im Moment auch nicht.

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  2. Schöner Beitrag! ;-)

    In Deutschland ist es ja noch recht einfach auch im Bereich der Privaten Krankenversicherung. Aber wenn man mal auf dem Marketplace stöbert, das gibt es ja mehr Selbstbeteiligungen für Gott und die Welt als alles andere. Nicht wirklich einfach und ich bin schon aus dem Versicherungsbereich.

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    1. Ja, da muss man sich erst einmal durchfinden. Und am Jahresanfang, wenn die meisten Selbstbeteiligungen wirken, wird es erst einmal teuer. In den letzten Jahren hatte ich eine Krankenversicherung, bei der ich die ersten 3.000 Dollar für Medikamente und Arztbesuche aus eigener Tasche begleichen musste. Das Geld muss man erst einmal haben.

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  3. Die hohe Selbstbeteiligung ist hier schon Standard wenn man privat seine Krankenversicherungf abschliesst, also nicht durch den Arbeitgeber. Gluecklich schaetzen koennen sich die Menschen, die hier eine Versicherung durch den Arbeitgeber haben. Mein Arbeitgeber ist ein kleines Unternehmen (2012 gegruendet und ich bin seit der Gruendung dabei), dass zur Zeit noch keine KV anbieten kann. Ich konnte bisher keine KV bekommen weil ich "preexisting conditions" habe. Ich bin froh um den ACA auch wenn die Versicherung privat ohne Arbeitgeberbeteiligung immer noch recht teuer ist, vor Allem unter Beruecksichtigung der Eigenbeteiligung, so bin ich doch froh bald wenigstens im Ernstfall (Autounfall, schwere Erkrankung, etc.) abgesichert zu sein. Jetzt muessen die lieben Leute vom Marketplace nur noch in die Gaenge kommen und meine Identitaet "verifizieren" damit es mit meinem Antrag weiter geht... Ja, in Deutschlad war es definitiv einfacher und uebersichtlicher. Ich denke der ACA ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber das Sozialnetz hier hat noch viel Verbesserungsbedarf. Einerseits gibt es Menschen die das System ausnutzen und trotzdem weiterhin Leistungen wie Food Stamps erhalten (ich kenne leider persoenlich einen Fall wo jemand erwischt wurde beim Betrug und weiterhin Leistungen erhaelt - unglaublich!), andererseits gibt es Menschen die sich eine private KV nicht leisten koennen aber "zu viel" Einkommen fuer Medicaid bekommen. Da stimmt doch was nicht.

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    1. Da kann ich dir nur zustimmen. Das amerikanische Sozialnetz ist voller Widersprüche und vor allem Lücken. Aber zumindest dürfen die Krankenversicherer jetzt Menschen mit chronischen Krankheiten nicht mehr zurückweisen. Noch ein Tipp zur Marketplace-Website: Diese funktioniert anscheinend besser, wenn man alles in Großbuchstaben eingibt. Verrückt, oder?

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