Leseprobe: Auswanderer-Krimi "Hoffnung ist ein weites Feld"

Hier ist der Anfang meines Auswanderer-Krimis "Hoffnung ist ein weites Feld":

Tod

Heiligabend 1881. Himmelsfeld, Nord-Dakota

Hans Sievers stürmte die Außentreppe an der Rückseite des Hauses hinauf. Hierher waren die Flammen noch nicht gelangt. Er rutschte auf den schneebedeckten Stufen aus, fing sich wieder und erreichte mit Müh und Not die Tür zur Wohnung über dem Laden. Als er sie öffnete, schlug ihm starker Rauch entgegen.
Er rief mehrmals den Namen seines Onkels. Keine Antwort.
Halb gebückt, einen Arm schützend vor dem Gesicht, wagte er sich hinein in den rabenschwarzen, verqualmten Gang. Weit kam er nicht: Er stolperte und stürzte.
Nach einem Moment der Besinnung tastete er nach dem Hindernis am Boden. Er erschrak heftig, als seine Hände zuerst eine Nase und dann einen Mund mit Bart berührten.
Hans rang nach Luft. Er kroch um den leblosen Körper herum, hob ihn an den Schultern ein wenig an, griff ihm von hinten unter die Arme und zog ihn mit letzter Kraft in Richtung Tür. Als er sie schließlich erreicht hatte und ihm das Schneegestöber in den Nacken peitschte, sank er erschöpft auf dem Treppenabsatz auf die Knie.
Der Onkel begann röchelnd nach der kalten Luft zu schnappen. Sein weißes Hemd war über dem Bauch blutgetränkt. Die großen Schneeflocken, die darauf landeten, färbten sich in Sekundenschnelle rot. Er flüsterte etwas. Hans beugte sich dicht an den Mund des Verletzten, aber er verstand nur Bruchstücke:
»Clara ... das Kind ... du musst ...«
Dann nichts mehr. Kein Flüstern, kein Röcheln. Nur das Geräusch des Windes, der den Schnee gegen die Hauswand trieb.
Hans richtete sich auf. Sein Onkel lag tot vor ihm, den Kopf leicht zur Seite gerollt und die Augen weit aufgerissen. Weiter lesen ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen