Donnerstag, 12. September 2013

Was tun bei Flugangst?

Gehört ihr auch zu den 15% der Deutschen, die laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach unter Flugangst leiden?

Wer von Flugangst betroffen ist, dem hilft es wenig, zu wissen, dass Fliegen an sich eine relativ sichere Reisemöglichkeit ist und dass viele Fluggesellschaften noch nie einen Absturz zu verzeichnen hatten. Da kann man sich noch so oft die Statistiken vor Augen halten, es bringt in der Regel nicht viel. Flugangst ist keine rationale Angelegenheit, sondern wird von Psychologen als Phobie eingestuft und behandelt.

Wie bei Phobien üblich, versucht man der Angst machenden Situation aus dem Wege zu gehen. Auch Fliegen lässt sich vermeiden, z.B. indem man mit dem Schiff nach Amerika fährt. Ich habe das drei Mal gemacht. Die Fahrt von Southampton nach New York (bzw. umgekehrt) dauert sechs Tage und ist sehr schön, zumindest im Sommer. Besonders angenehm ist es, dass man nach der Reise keinen Jetlag hat, denn der Zeitunterschied wird jeden Tag mit der Umstellung der Uhren um eine Stunde angepasst. Allerdings ist die Fahrt mit dem Schiff teurer als das Fliegen und nicht immer hat man auch so viel Zeit. (Die ebenfalls mögliche Mitreise auf einem Frachtschiff dauert etwa doppelt so lange.)

Außerdem habe ich versucht, meine Flugangst mit Alkohol zu besiegen. Ein großes Bier unmittelbar vor dem Flug und dann noch mehrere Biere und Mini-Flaschen Johnnie Walker während des Fluges. Ich muss sagen, es ist gar nicht so einfach, sieben bis acht Stunden ein gleichmäßiges, leichtes Betrunkensein aufrecht zu erhalten. Schließlich will man ja auch nicht unangenehm auffallen oder volltrunken durch die Passkontrolle wanken. Ihr ahnt es schon: Eine Lösung des Problems ist das nicht.

Eine Alternative sind Medikamente, d.h. in erster Linie Beruhigungsmittel, die vom Arzt verschrieben werden. Nimmt man diese, darf man allerdings keinen Alkohol trinken. Derartige Tabletten dämpfen die Angst und sind durchaus eine Hilfe, insbesondere bei leichteren Fällen von Flugangst.

Am erfolgreichsten kann man die Angst vor dem Fliegen wohl durch eine Therapie besiegen. "Die Flugangst lässt sich im Rahmen einer Verhaltenstherapie mithilfe von unterschiedlichen Techniken, die auf den jeweiligen Einzelfall angepasst werden, wie zum Beispiel der Konfrontationsmethode, Implosionstherapie, systematischer Desensibilisierung, EMDR und kognitiv-verhaltenstherapeutischer Vorgehensweise sehr effektiv behandeln“, sagt Diplom-Psychologin Rachel Liebermann, die in ihrer Praxis für Psychotherapie in Köln Menschen bei der Überwindung von Ängsten hilft und die ich nach den Erfolgsaussichten befragt habe. “Je nach Motivation und Compliance der Klienten liegen die Erfolgschancen zwischen 70 und 95%, wobei im Erfolgsfalle die Angstfreiheit von Nachhaltigkeit ist!"

Ich selbst habe es vor einigen Jahren mit EMDR versucht und es hat tatsächlich geholfen, meine Flugangst wesentlich zu verringern. Zusätzlich nehme ich aber immer noch ein Beruhigungsmittel vor dem Start und führe das Buch Fliegen ohne Angst von Frank Littek mit, in dem ich unmittelbar vor dem Flug ein wenig blättere. Ein begeisterter, vollkommen angstfreier Flugreisender werde ich wohl nie werden, aber diese Kombination aus Hilfsmitteln hat mir geholfen, dass mich meine Flugangst inzwischen nicht mehr vom Reisen abhält.

Wie geht euch das? Habt ihr Angst vor dem Fliegen (gehabt)? Was macht ihr dagegen bzw. wie habt ihr diese überwunden? Ich bin gespannt auf eure Tipps.

Kommentare:

  1. Mich lenken die angebotenen Filme und Serien auch ein wenig ab. Oder Musik hören. Hauptsache man hört das laute brummen der Maschinen nicht.

    Ich hab aber im Flugzeug noch mit der trockenen Luft zu kämpfen. Meine Nasenschleimhäute sind so ausgetrocknet, dass sie weh tun und dann kann ich nicht die Zeit mit schlafen rumbringen. Kennst du da ein Mittel (aus der Apotheke) dagegen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, ich schaue auch Filme, um mich abzulenken und um die Triebwerke und anderen Geräusche nicht zu hören. (Leider kann man das während des Starts und der Landung nicht machen, denn da könnte ich diese Ablenkung am meisten gebrauchen.)

      Ein Mittel gegen die trockene Luft kenne ich nicht, aber ich trinke immer viel Wasser während des Fluges. Das hilft ein wenig (und man bleibt in Bewegung, weil man hin und wieder zur Toilette muss :-)

      Löschen
  2. Danke für die Antwort.

    Ja ich finde auch gerade den Start am schlimmsten! Bei der Landung bin ich dann schon wieder froh, dass ich es heil über den großen Teich geschafft habe! :)

    AntwortenLöschen
  3. Mir geht es auch so - den Start finde ich ganz furchtbar! Wenn das Flugzeug dann mal die Reisehöhe erreicht hat, geht es meistens einigermaßen. Hält mich aber trotzdem nicht davon ab den nächsten Langstreckenflug zu buchen :)

    AntwortenLöschen
  4. Ganz, ganz schlimm! Ich habe zwar weniger Angst vor dem Abstuerzen, aber ich bin permanent gestresst und mir ist auch staendig im Magen unwohl - und wenn es einem schlecht ist, kann man nicht einschlafen. Nach vielen, vielen Jahren des Leidens habe ich jetzt endlich den passenden Mix aus Kopfwehtabletten, Beruhigungstabletten und Reiseuebelkeitstabletten gefunden. Alles zusammen macht mich so schlaefrig, dass es geht. Nicht ideal, aber ist ja nur 1-2 Mal im Jahr.

    AntwortenLöschen
  5. Hallo zusammen.
    Davon kann ich auch berichten. Allerdings war ich als Kind und Jugendlicher ein relativ angstfreier Flieger, der auch schon so einige Langstreckenreisen überstanden hat, seit Mitte 20 steigert sich die Angst aber in's unkontrollierbare, ohne erkennbaren Grund. Kommt aber sehr auf den Flug an. Wenn der Flug ruhig ist, mag ich sogar den Start und die Landung und enspanne mich und kann Filme ansehen usw. Sobald es turbulenter wird, ist das schlagartig weg und ich kralle mich in den Sitz und werde unglaublich angspannt...
    Ich hab's auf einem 2,5-Stunden-Flug kürzlich mit Tabletten in niedriger Dosis probiert und es hat mich vorher und in ruhigen Phasen noch mehr entspannt, aber wirklich gelöst hat es das Problem wohl noch nicht... Werde noch etwas weiter testen und fliegen!
    Lieben Gruß.
    Florian

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, eine wirkliche Lösung des Problems sind Medikamente nicht, aber ich habe gute Erfahrungen mit Lorazepam gemacht. Hier in den USA muss das vom Arzt verschrieben werden, wie das in Deutschland ist, weiss ich leider nicht.

      Löschen
    2. Vielen Dank, gut zu wissen. Denn genau Lorazepam habe ich auch bekommen.
      Ich war bei meinem Hausarzt (mit Rezept), deswegen glaube ich auch, dass es verschreibungspflichtig ist...
      Naja wie gesagt, final kann ich erst nach einem längeren Flug mit höherer Dosis sagen, ob es wirklich geholfen hat.

      Löschen