Dienstag, 31. Dezember 2013

Neue Gesetze zum Jahresanfang

Ab 1. Januar 2014 gelten in vielen Bundesstaaten der USA neue Gesetze. Hier eine kleine Auswahl:

In Oregon darf jetzt im Auto nicht mehr geraucht werden, wenn Kinder mitfahren.

In Colorado kann jeder über 21 Jahre 1 ounce (28 Gramm) Marihuana in staatlich zugelassenen Geschäften kaufen.

In Kalifornien müssen Autos beim Überholen von Radfahrern einen Abstand von 3 feet (91 cm) halten.

In Illinois darf man jetzt erst ab 18 Jahre ins Sonnenstudio.

Ebenfalls in Illinois: Wer eine Zigarettenkippe auf den Gehweg oder die Straße wirft, kann einen Strafzettel in Höhe von 50 Dollar bekommen. Denkt bei eurem nächsten Chicago-Besuch daran!

Ferner ist es ab Januar in Illinois verboten, Angler bzw. Jäger mit einer Flugdrone zu stören.

Sonntag, 29. Dezember 2013

Alternative Antriebe in den USA

In den USA werden pro Jahr rund 15 Millionen Neuwagen gekauft. Die meisten dieser Fahrzeuge haben nach wie vor einen reinen Benzinantrieb, jedoch gab es in Sachen alternative Antriebe in den letzten zwei bis drei Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung.

Nachdem Honda und Toyota viele Jahre lang die einzigen Hersteller waren, die Hybridautos mit einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotoren anboten, haben jetzt fast alle Marken derartige Fahrzeuge im Sortiment. 2013 wird mit einer halben Million neuen Hybridautos, die nicht an eine Steckdose angeschlossen werden müssen, sondern elektrische Energie beim Bremsen gewinnen, gerechnet. Der Toyota Prius (Foto) ist hier nach wie vor der Marktführer, aber auch die Hybridversionen des Toyota Camry und des Ford Fusion weisen beachtliche Verkaufszahlen auf.

Bei Autos, die zum Aufladen der Batterien an eine Steckdose angeschlossen werden, haben sich die Verkaufszahlen im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr auf rund 100.000 Stück verdoppelt. Hierbei handelt es sich um Hybridfahrzeuge wie den Chevrolet Volt (Foto) und reine Elektroautos wie den Nissan Leaf und das Tesla Model S.

Autos mit Dieselantrieb waren in den USA lange Zeit verpönt, da sie im kollektiven Bewusstsein der USA immer noch mit den Rußschleudern der 60er und 70er Jahre gleichgesetzt wurden. Von 2010 bis 2012 stieg die Nachfrage jedoch um 24 Prozent auf beinahe 800.000 an, obwohl Dieselkraftstoff rund 10 Prozent teurer als Benzin war. Volkswagen lag hier mit dem Golf TDI (Foto) und dem Jetta TDI vorn. Es wird erwartet, dass die Zahl der erhältlichen Dieselmodelle in den nächsten Jahren stark zunehmen wird.

Erwähnt sei noch, dass die meisten Autos amerikanischer Produktion, die mit Benzin angetrieben werden, auch mit E85 fahren können. Das ist ein Gemisch aus Benzin und Ethanol. Dieses kann in erster Linie in den Midwest-Staaten getankt werden, denn dort wird das Ethanol aus Mais erzeugt. Die Umweltbilanz von Ethanol ist allerdings stark umstritten.

Samstag, 28. Dezember 2013

Was kann an "Alltag in Amerika" noch verbessert werden?

Die 4. Auflage von "Alltag in Amerika. Leben und arbeiten in den USA" ist 2012 erschienen und insgesamt noch sehr aktuell, finde ich. Damit das auch so bleibt, mache ich mir bereits Gedanken über die nächste Ausgabe.

Falls ihr das Buch gelesen habt, würden mich eure Verbesserungsvorschläge sehr interessieren, z.B.: Gibt es Informationen, die noch ergänzt werden müssten? Was sollte besser erklärt werden? Welche Infos fandet ihr überflüssig bzw. nicht mehr zutreffend?

Ich würde mich über eure Hinweise sehr freuen. Und die zukünftigen Leser, denen das Buch beim Neuanfang in den USA ja so gut wie möglich helfen soll, werden es euch ebenfalls danken.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Die zwei Leben des Felix Paul Greve


F.P. Greve/Grove, ca. 1921 
1909 begeht der deutsche Schriftsteller Felix Paul Greve Selbstmord. 1922 betritt ein Mann namens Frederick Philip Grove die kanadische Literaturszene und ist über seinen Tod im Jahr 1948 hinaus einer der wichtigsten Romanautoren des Landes. Dass es sich bei Greve und Grove um die gleiche Person handelt, wird erst 1973 entdeckt.

Greve wird 1879 in Westpreußen geboren. Nachdem der Vater kurz als Gutsverwalter in Pommern gearbeitet hatte, zieht die Familie 1881 nach Hamburg. 1892 trennen sich die Eltern und Greves ältere Schwester wandert wenig später in die USA aus. Greve studiert in München, wo er als Autor und Übersetzer Kontakt mit dem Kreis um Stefan George hat.

Else Endell/Elsa von Freytag-Loringhoven
1902 geht er nach Berlin und hat dort ein Verhältnis mit Else Endell, der Frau des Architekten August Endell, mit der er nach Palermo durchbrennt. 1903 kehrt Greve nach Deutschland zurück und wird in Bonn verhaftet. Ein ehemaliger Studienfreund hatte ihn wegen Zahlungsunfähigkeit angezeigt, weil er ein Privatdarlehen nicht zurückzahlen konnte. Greve verbringt ein Jahr im Gefängnis. Während dieser Zeit schreibt und übersetzt er viel und nimmt Kontakt mit André Gide und H. G. Wells auf.
SS Megantic
Nach der Entlassung lebt er mit Else Endell in der Schweiz, in Frankreich und in Berlin, wo die beiden 1907 heiraten. Er übersetzt weiterhin aus dem Englischen und Französischen, schreibt zwei Romane und ein Theaterstück. Greve hat ständig mit Schulden zu kämpfen, verkauft seine Übersetzung von Jonathan Swifts Prosaschriften gleichzeitig an zwei Verlage, täuscht 1909 seinen Selbstmord vor und verlässt Europa an Bord der SS Megantic.

Greve reist nach Montreal, Toronto und New York und nimmt unter dem Namen Frederick Philip Grove eine neue Identität an. Else folgt im Jahr darauf in die USA und die beiden leben bis zu ihrer Trennung im Jahr 1911 auf einer Farm in Kentucky. Else geht nach New York und wird einige Jahre später unter dem Namen Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven als dadaistische Künstlerin bekannt.

Grove geht 1912 in die kanadische Provinz Manitoba und arbeitet als Lehrer auf dem Land. 1914 heiratet er seine Kollegin Catherine Wiens und 1921 wird er kanadischer Staatsbürger. Ab 1922 erscheinen seine in englischer Sprache geschriebenen Werke, die ihn spätestens ab 1928 landesweit bekannt machen. In semi-autographischen Werken verbreitet Grove die Legende, dass er einer britisch-schwedischen Familie entstammt.

Erst 1973 deckt ein kanadischer Literaturwissenschaftler auf, dass es sich bei Frederick Philip Grove um Felix Paul Greve handelt. Heute gelten seine realistischen Prärieromane als Klassiker der kanadischen Literatur und sind auch ein Vorbild für meine Auswanderer-Romane "Hoffnung ist ein weites Feld" und "Man erntet, was man sät".

Samstag, 2. November 2013

Wie deutsche Siedler in der Prärie gelebt haben

Anfang der 1880er Jahre vergab die amerikanische Regierung kostenloses Land im damaligen Dakota-Gebiet (heute North Dakota und South Dakota). Die Siedler, unter ihnen Zehntausende Deutsche aus verschiedenen deutschen Regionen, insbesondere Norddeutschland, sowie von der Wolga und vom Schwarzen Meer, mussten die Grassteppe in Ackerland umwandeln und fünf Jahre lang bewirtschaften, dann konnten sie es endgültig behalten. Die Bauern mussten direkt auf ihrem Land wohnen. Dörfer gab es keine, nur kleine Präriestädtchen, in denen sich die Siedler versorgen und ihr Getreide abliefern konnten. (Vor diesem Hintergrund spielt auch die Handlung meines Auswanderer-Krimis "Hoffnung ist ein weites Feld".)


Bäume gab es in der Prärie zu diesem Zeitpunkt keine und kaum jemand konnte sich teures Bauholz leisten. Die Siedler bauten deshalb Häuser aus Erdplatten (sod houses). So beschreibt einer der Siedler in meinem Buch die Bauweise:
»Zuerst mähst du das Gras. Dann reißt du den Boden mit dem Pflug auf und stichst mit dem Spaten armlange Erdblöcke zurecht. Die vielen Graswurzeln halten die Erde zusammen wie Kleister. Man kann diese Blöcke ganz einfach zu Wänden aufstapeln.«

Manchmal wurden die Hütten auch in einen Hügel hineingebaut, so dass man nicht alle Wände aus Erdplatten aufstapeln musste:
 

Viele Siedler lebten nur zwei bis drei Jahre in derartigen Hütten und bauten sich dann ein richtiges Haus, vorausgesetzt dass sie gute Ernten hatten und sich die Baumaterialien leisten konnten.


Im Winter waren die Siedler oft monatelang eingeschneit und mussten auf engstem Raum in den kleinen Hütten überleben. Die Aussicht auf eigenes Land ließ viele Auswanderer diese schwierigen Lebensbedingungen meistern.


Falls ich euer Interesse am Leben der deutschen Siedler in Amerika geweckt habe:


Nord-Dakota im Sommer 1881. Tausende deutschsprachige Einwanderer erhalten von der US-Regierung kostenloses Ackerland in der scheinbar endlosen Prärie. Geschäftsleute mit großen Träumen gründen mitten in den frisch besiedelten Landstrichen kleine Städte, die sich innerhalb weniger Jahre zu ländlichen Zentren des Wohlstands entwickeln sollen. Himmelsfeld ist einer dieser Orte. Doch der friedliche Name täuscht. Alte und neue Rechnungen, die es zu begleichen gilt, führen zu Mord und Totschlag.

Versandkostenfrei bei Amazon.de erhältlich

Samstag, 12. Oktober 2013

Fliegende Autos ab 2015?

Eine amerikanische Firma arbeitet derzeit an der Umsetzung einer alter Idee: Fliegende Autos. Dieses Video gibt Einblick in den Entwicklungsstand:

 

Wer wie ich Angst vor dem Fliegen hat, könnte sich unter Umständen von einem Psychologen helfen lassen, z. B. in der Psychotherapie Köln. Derartige Therapien haben eine hohe Erfolgsrate. Weitere Infos zum Thema Flugangst gibt es hier: Was tun bei Flugangst?

Donnerstag, 26. September 2013

Top 10 Apfelsorten in den USA

Geordnet nach Anbauvolumen, nicht Geschmack.

1. Red Delicious
2. Gala
3. Golden Delicious
4. Granny Smith
5. Fuji
6. McIntosh
7. Rome
8. Empire
9. Honeycrisp
10 Idared

Quelle: U.S. Apple Association.
Und was sind eure Lieblingsäpfel?
 

Sonntag, 22. September 2013

Blog-Eintrag Nr. 1000: Leser-Interview

Zum 1000. Eintrag auf diesem Blog hatte ich alle Leser auf Facebook dazu eingeladen, Fragen an mich zu stellen, um daraus ein Leser-Interview zu basteln. Hier ist das Ergebnis:

Wie bist Du zum Schreiben gekommen und wie auf die Idee mit den Auswanderer-Krimis?

Seit Ende der 90er Jahre hatte ich eine Website betrieben, auf der ich Bücher über die USA vorstellte. Dabei fiel mir auf, dass es keinen umfassenden Ratgeber gab, der Neuankömmlingen half, in den USA Fuß zu fassen. Deshalb schrieb ich Alltag in Amerika. Mittlerweile gibt es davon bereits die vierte aktualisierte und erweiterte Auflage. Immobilien in den USA entstand auf Anregung des Verlages, ebenso wie der Fettnäpfchenführer USA. Der Auswanderer-Krimi Hoffnung ist ein weites Feld war wieder meine Idee. Wie es dazu im Einzelnen kam, könnt ihr hier erfahren: Warum schreibe ich über deutsche Siedler in der Prärie?

Vermisst Du etwas aus Deutschland, und wenn ja, was?

Ich vermisse Lesungen von deutschen Autoren, deutsches Theater und Kino, Milchschnitten, hohes C und die Deutsche Bahn.

Was ist das Beste an Deutschland im Gegensatz zu den USA und umgekehrt?

In Deutschland: das Sozial- und Gesundheitssystem. In den USA: Alter ist Amerika kaum ein Thema, weder bei der persönlichen Lebenseinstellung der Leute noch auf dem Arbeitsmarkt. Der Umgang der Generationen miteinander ist auch viel lockerer.

Mich würde interessieren, wie Du mit dem Thema Heimweh zurecht kommst. Wird es mit der Zeit besser? Wie oft Du Deutschland noch besuchst und ob Du für immer in den USA bleiben wirst...

Heimweh habe ich seit meinem dritten Jahr in den USA keines mehr. Das verschwindet in dem Moment, wo man die USA als sein Zuhause akzeptiert. Ich besuche Deutschland einmal im Jahr. Ob ich für immer in den USA bleiben werde, weiß ich nicht. Ich habe Deutschland auch sehr gern.

Wo in den USA würdest Du leben wollen, wenn Du nicht mehr an die Arbeit gebunden wärst und Geld keine Rolle spielen würde?

Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich zwei Wohnorte haben: Chicago und Berlin.

Dein Rat an die, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, in die USA auszuwandern?

Gut vorbereiten, insbesondere finanziell. Die USA so akzeptieren, wie sie sind. Ihr werdet das Land nicht ändern.

Konntest Du perfekt oder zumindest gut englisch, als Du ausgewandert bist und für wie erforderlich hältst die Sprachkenntnisse für einen guten Start in den USA?

Ich hatte anfangs keine guten Englischkenntnisse und habe dementsprechend nur schlecht bezahlte Jobs bekommen. Gute Sprachkenntnisse sind unbedingt erforderlich, wenn man beruflich und finanziell gut zurecht kommen will.

Wenn das mit der Greencard einfach nicht klappen will ...gibt es noch andere Möglichkeiten unter 500.000 Dollar?

Ja, es gibt noch andere Möglichkeiten als das angesprochene Investorenvisum, z.B. Heirat mit einem amerikanischen Staatsbürger, eine berufliche Tätigkeit in den USA oder der Dienst in den amerikanischen Streitkräften. In Alltag in Amerika beschreibe ich die verschiedenen Möglichkeiten der Einwanderung.

Nach so vielen Jahren jetzt in den USA: Fühlst Du Dich als Deutscher oder als Amerikaner?

Ich fühle mich als deutscher Amerikaner, in etwa so wie die Figuren in meinen Auswanderer-Krimis.

Kai, hast Du es jemals bereut, in die USA gegangen zu sein?

Nein, ich glaube, die Auswanderung hat mein Leben ungemein bereichert. Ich fühle mich in zwei Kulturen und zwei Sprachen zuhause.

Donnerstag, 12. September 2013

Was tun bei Flugangst?

Gehört ihr auch zu den 15% der Deutschen, die laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach unter Flugangst leiden?

Wer von Flugangst betroffen ist, dem hilft es wenig, zu wissen, dass Fliegen an sich eine relativ sichere Reisemöglichkeit ist und dass viele Fluggesellschaften noch nie einen Absturz zu verzeichnen hatten. Da kann man sich noch so oft die Statistiken vor Augen halten, es bringt in der Regel nicht viel. Flugangst ist keine rationale Angelegenheit, sondern wird von Psychologen als Phobie eingestuft und behandelt.

Wie bei Phobien üblich, versucht man der Angst machenden Situation aus dem Wege zu gehen. Auch Fliegen lässt sich vermeiden, z.B. indem man mit dem Schiff nach Amerika fährt. Ich habe das drei Mal gemacht. Die Fahrt von Southampton nach New York (bzw. umgekehrt) dauert sechs Tage und ist sehr schön, zumindest im Sommer. Besonders angenehm ist es, dass man nach der Reise keinen Jetlag hat, denn der Zeitunterschied wird jeden Tag mit der Umstellung der Uhren um eine Stunde angepasst. Allerdings ist die Fahrt mit dem Schiff teurer als das Fliegen und nicht immer hat man auch so viel Zeit. (Die ebenfalls mögliche Mitreise auf einem Frachtschiff dauert etwa doppelt so lange.)

Außerdem habe ich versucht, meine Flugangst mit Alkohol zu besiegen. Ein großes Bier unmittelbar vor dem Flug und dann noch mehrere Biere und Mini-Flaschen Johnnie Walker während des Fluges. Ich muss sagen, es ist gar nicht so einfach, sieben bis acht Stunden ein gleichmäßiges, leichtes Betrunkensein aufrecht zu erhalten. Schließlich will man ja auch nicht unangenehm auffallen oder volltrunken durch die Passkontrolle wanken. Ihr ahnt es schon: Eine Lösung des Problems ist das nicht.

Eine Alternative sind Medikamente, d.h. in erster Linie Beruhigungsmittel, die vom Arzt verschrieben werden. Nimmt man diese, darf man allerdings keinen Alkohol trinken. Derartige Tabletten dämpfen die Angst und sind durchaus eine Hilfe, insbesondere bei leichteren Fällen von Flugangst.

Am erfolgreichsten kann man die Angst vor dem Fliegen wohl durch eine Therapie besiegen. "Die Flugangst lässt sich im Rahmen einer Verhaltenstherapie mithilfe von unterschiedlichen Techniken, die auf den jeweiligen Einzelfall angepasst werden, wie zum Beispiel der Konfrontationsmethode, Implosionstherapie, systematischer Desensibilisierung, EMDR und kognitiv-verhaltenstherapeutischer Vorgehensweise sehr effektiv behandeln“, sagt Diplom-Psychologin Rachel Liebermann, die in ihrer Praxis für Psychotherapie in Köln Menschen bei der Überwindung von Ängsten hilft und die ich nach den Erfolgsaussichten befragt habe. “Je nach Motivation und Compliance der Klienten liegen die Erfolgschancen zwischen 70 und 95%, wobei im Erfolgsfalle die Angstfreiheit von Nachhaltigkeit ist!"

Ich selbst habe es vor einigen Jahren mit EMDR versucht und es hat tatsächlich geholfen, meine Flugangst wesentlich zu verringern. Zusätzlich nehme ich aber immer noch ein Beruhigungsmittel vor dem Start und führe das Buch Fliegen ohne Angst von Frank Littek mit, in dem ich unmittelbar vor dem Flug ein wenig blättere. Ein begeisterter, vollkommen angstfreier Flugreisender werde ich wohl nie werden, aber diese Kombination aus Hilfsmitteln hat mir geholfen, dass mich meine Flugangst inzwischen nicht mehr vom Reisen abhält.

Wie geht euch das? Habt ihr Angst vor dem Fliegen (gehabt)? Was macht ihr dagegen bzw. wie habt ihr diese überwunden? Ich bin gespannt auf eure Tipps.

Freitag, 23. August 2013

DAS MAGAZIN empfiehlt "Hoffnung ist ein weites Feld"

An dieser Stelle einige Nachrichten in eigener Sache:

Ich habe mich riesig gefreut, dass die Kulturzeitschrift DAS MAGAZIN meinen Auswanderer-Krimi "Hoffnung ist ein weites Feld" in seiner September-Ausgabe vorstellt:

Dienstag, 13. August 2013

Arbeitslosenversicherung in den USA

Die meisten Arbeiten in den USA sind employment at will, d.h. dass man jederzeit ohne Vorwarnung gekündigt werden kann. Arbeitslosengeld bekommt man allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Die Arbeitslosenversicherung in den USA ist ein Gemeinschaftsprogramm der Bundesregierung und der Staaten, das durch Arbeitgeber-Steuern auf beiden Ebenen finanziert wird. Die Genehmigung und Auszahlung des Arbeitslosengeldes erfolgt durch die einzelnen Bundesstaaten, die alle ihre eigenen Bestimmungen haben, z.B. was die Mindestzahl der gearbeiteten Tage vor dem Arbeitsplatzverlust betrifft.

Arbeitslose bekommen nur dann eine finanzielle Unterstützung (unemployment benefits), wenn sie ihre Arbeit ohne eigenes Verschulden verloren haben (termination without cause), z.B. wenn ein Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen Entlassungen vornimmt.

Wer aufgrund von Fehlverhalten oder mangelnden Leistungen am Arbeitsplatz entlassen wird (termination for cause) erhält keine Arbeitslosenunterstützung. Wer selbst kündigt (resignation), hat ebenfalls keinen Anspruch. Das Gleiche trifft auf alle zu, die Teilzeit- oder Zeitarbeit ausüben bzw. selbständig arbeiten.

Arbeitslosenunterstützung kann man normalerweise bis zu sechs Monate lang erhalten. In den meisten Bundesstaaten muss man alle zwei Wochen einen Antrag auf Verlängerung stellen und willig sein, eine neue Arbeit, gleich welcher Art, aufzunehmen.

Buchtipp:

Jetzt kaufen!Alltag in Amerika: Leben und Arbeiten in den USA

"Für alle, die mit dem Gedanken spielen, eine Zeit lang in den USA zu leben, wird das Buch eine nützliche Vorbereitungslektüre und dann vor Ort ein treuer Ratgeber sein." n-tv.de

Versandkostenfrei in eurem Lieblingsbuchladen und bei Buchhandel.de, Amazon.de, Osiander.de und Thalia.de

Freitag, 9. August 2013

Warum wird Chicago "Windy City" genannt?

In Amerika hat Chicago den Beinamen »Windy City«. Allgemein wird heutzutage angenommen, dass die Stadt so genannt wird, weil es dort sehr windig ist. Chicago liegt immerhin am Ufer des Michigansees und der Wind bläst oft vom Wasser her durch die Häuserschluchten im Stadtzentrum. Die Windgeschwindigkeit in Chicago beträgt allerdings durchschnittlich nur 16,6 km/h. Im Vergleich dazu ist es wesentlich windiger in Boston (20 km/h) und ungefähr gleich windig in New York (15 km/h).

Es gibt daher noch eine andere Erklärung für die Herkunft des Namens: die Rivalität mit Cincinnati. Die Stadt in Ohio war Mitte des 19. Jahrhunderts als Zentrum der Fleischverarbeitung bekannt und nannte sich stolz »Porkopolis«, was eine Kombination aus den Worten »pork« (Schweinefleisch) und Metropolis war. Anfang der 1860er Jahre begann Chicago jedoch Cincinnati auf diesem Gebiet zu überholen und beanspruchte den Namen für sich. Die Zeitungen in Cincinnati nannten Chicago daraufhin »Windy City«, im Sinne von »aufgeblasene Stadt«.

Aus: Fettnäpfchenführer USA: Mittendurch und Drumherum

Photo Credit: © City of Chicago (www.choosechicago.com)

Dienstag, 30. Juli 2013

Mutterschutz in den USA

In den USA gibt es keinen Mutterschutzurlaub wie er in den meisten anderen industrialisierten Ländern üblich ist. Nur wer für ein Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern (in einem Radius von 75 Meilen) seit mindestens einem Jahr tätig ist und dort in den letzten zwölf Monaten mindestens 1.250 Stunden gearbeitet hat, kann auf der Grundlage des Family Medical Leave Act (FMLA) bis zu drei Monate frei nehmen, ohne fürchten zu müssen, die Arbeit zu verlieren.

Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, während dieser Zeit Lohn oder Gehalt weiter zu zahlen. Er muss lediglich die Krankenversicherung und andere Zusatzleistungen (benefits) weiterführen und den Arbeitsplatz bereit halten.

Family Medical Leave kann genommen werden, wenn man selbst ernsthaft krank ist, Eltern, Ehepartner oder Kind aufgrund einer ernsthaften Erkrankung pflegen muss bzw. wenn man ein Kind bekommt oder adoptiert.

Donnerstag, 4. Juli 2013

Small Talk und Awkward Silence

In der aktuellen Ausgabe meines Buches "Alltag in Amerika. Leben und Arbeiten in den USA" gibt es ein Kapitel zum Thema "Zwischenmenschliche Beziehungen", in dem das freundliche Auftreten der Amerikaner, das Deutsche oft als Oberflächlichkeit bezeichnen, ausführlich betrachtet wird. Hier ist ein kurzer Auszug:

"Amerikaner sind Meister im small talk, d. h. sie können sich aus dem Stehgreif heraus minutenlang über relativ neutrale Themen wie Sport, Wetter oder Straßenverkehr austauschen. Sinn des Ganzen ist natürlich nicht die Vermittlung von tiefgründigen Informationen oder Ansichten, sondern der Aufbau einer freundlichen Atmosphäre zwischen den Gesprächspartnern.

Ganz gleich, ob Sie jemanden geschäftlich treffen, kurz mit dem Nachbarn reden oder sich zu einem date verabredet haben, sollten Sie das Gespräch mit möglichst neutralen bzw. unterhaltsamen Themen beginnen. Amerikaner nutzen gerne Humor, um das Eis zu brechen. Über ernsthafte Themen, z. B. Politik, sollten Sie nur mit Ihren close friends reden.

Noch ein Tipp in diesem Zusammenhang: Die meisten Amerikaner mögen es nicht, wenn in einem Gespräch eine längere Pause entsteht. Diese von ihnen als unangenehme Stille (awkward silence) empfundenen Momente gilt es so gut wie möglich zu vermeiden bzw. zu überbrücken, zur Not eben mit small talk."

In diesem Kapitel in "Alltag in Amerika" gibt es umfangreiche Tipps für den Umgang mit Fremden, Nachbarn, Kollegen und Vorgesetzten, Freunden und Bekannten sowie Tipps zum Leute kennenlernen, Dating, Verlobung und Hochzeit.

Sonntag, 23. Juni 2013

Auswanderer-Krimi ab heute erhältlich

Mein historischer Auswanderer-Krimi Hoffnung ist ein weites Feld ist ab heute erhältlich und bildet den Auftakt für eine spannende Serie, die das Leben der deutschen Familie Sievers sowie ihrer Verwandten, Freunde und Nachbarn in Nord-Dakota von den 1880er Jahren bis ans Ende des Zweiten Weltkriegs verfolgt.

In den ersten beiden Bänden geht es hauptsächlich um die mecklenburgischen Landarbeiter Marie und Hans Sievers, die im Sommer 1881 mit ihren Kindern in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Amerika gehen. Sie gehören zu den vielen deutschen Auswanderern, die von der US-Regierung kostenloses Ackerland in den Weiten Nord-Dakotas erhalten. Doch der Anfang in der neuen Umgebung ist schwerer als gedacht: Das Wetter ist unberechenbar und die Felder der Neuankömmlinge werden von Feuer und Heuschrecken heimgesucht. Einige der anderen Siedler schrecken zudem vor nichts zurück, um ihre Ziele zu erreichen oder alte Rechnungen zu begleichen.

Den ersten Band gibt es jetzt versandkostenfrei beim Verlag und bei Amazon.de und kann natürlich auch in jedem guten Buchladen bestellt werden. (Als besonderer Service kommt jedes Buch mit einem Gutschein, mit dem man die E-Book-Ausgabe kostenlos erhalten kann.)

Der zweite Teil wird im Oktober erscheinen. Wer dann benachrichtigt werden möchte, kann sich auf der Website zur Serie registrieren: Booquel.de. Dort gibt es auch eine Leseprobe und viele weitere Informationen zur USA-Auswanderer-Serie.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass euch diese Serie fesseln wird!

Mittwoch, 22. Mai 2013

Wie verhalte ich mich bei einem Tornado?

In den letzten Tagen haben Tornados wieder viele Todesopfer gefordert. Ich stelle daher diesen Beitrag noch einmal auf die erste Seite.

Tornados sind eine in Europa vergleichsweise selten auftretende Wettererscheinung. In den USA kosten diese wirbelnden Sturmtrichter jedoch jedes Jahr Dutzende Menschenleben und große Sachschäden. Obwohl Tornados in allen Bundesstaaten auftreten können, werden der Mittlere Westen und der Süden der USA am häufigsten von diesen tückischen Windhosen heimgesucht.

Wenn in einer Region die Gefahr von Tornados entsteht, spielt der National Weather Service auf allen lokalen Radio- und Fernsehsendern Warnungen ein. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Stufen:

Tornado Watch: Das Auftreten eines Tornados ist möglich. Man sollte nun aufmerksam dem Fernsehen oder Radio folgen und sich an einen sicheren Ort begeben.

Tornado Warning: Ein Tornado wurde gesichtet. Soweit vorhanden, heulen die örtlichen Sirenen. Jetzt muss man unbedingt einen sicheren Ort aufsuchen. Hat das Haus einen Keller, so ist dieser der sicherste Ort. Auf jeden Fall aber sollte man sich auf die niedrigste Etage bzw. in einen fensterlosen Raum im Inneren des Hauses begeben. Auf keinen Fall sollte man aus dem Haus gehen und versuchen zu Fuß oder mit dem Auto zu flüchten. Ist man mit dem Auto unterwegs und sieht einen Tornado kommen, sollte man das nächste Gebäude, z.B. ein Fast Food Restaurant (in der Regel mit stabilen Kühlräumen) ansteuern bzw. sich flach in den Straßengraben legen. Im Auto sitzen zu bleiben oder durch einen Tornado hindurchfahren zu wollen, ist glatter Selbstmord. In öffentlichen Gebäuden folgt man den Anweisungen des Personals.

Hier ist ein Video mit verschiedenen Tornados:


(Die Musik im Video ist "Death to Everyone" von der Bonnie Prince Billy CD "I See a Darkness".)

Die erste amerikanische Polizistin

Mary Owens war die Tochter irischer Immigranten und wuchs in Ottawa (Kanada) auf. Als junge Frau zog sie mit ihrem Mann Thomas nach Chicago. 1888 starb Thomas an Typhus. Von nun an musste sie ihre fünf Kinder alleine ernähren.

1889 bekam sie eine Arbeit bei der Gesundheitsbehörde der Stadt und gehörte zu einer Handvoll weiblicher Fabrik-Inspektoren, die die Einhaltung von Gesetzen zur Kinderarbeit und Schulpflicht durchsetzten.

Die Öffentlichkeit war zu jener Zeit zunehmend über die Arbeitsbedingungen von Kindern empört. Die Inspektoren waren in ihrer Arbeit jedoch eingeschränkt. Um das zu ändern, wurde Mary Owens 1891 in den Polizeidienst übernommen. Sie erhielt den Rang eines Detektive Sergeant, einen Polizeistern und konnte von nun an Verhaftungen vornehmen.

"Ich mag die Polizeiarbeit", sagte Mary Owens im Jahr 1906 zur Chicago Tribune. "Dadurch habe ich die Möglichkeit, Frauen und Kindern zu helfen, die diese Hilfe nötig haben."

Sie fand viele Kinder in den Fabriken, die jünger als die erlaubten 14 Jahre alt waren. Manche waren erst sieben Jahre alt.

1923 ging sie nach 32 Jahren Polizeidienst, in denen sie Tausenden Kindern half, in die Rente. Sie starb vier Jahre später im Alter von 74 Jahren.

Ihre Verdienste waren vergessen bis Rick Barrett, ein ehemaliger Mitarbeiter der Drug Enforcement Administration, Nachforschungen anstellte. Mehr dazu auf den Seiten der Chicago Tribune.

Freitag, 3. Mai 2013

30 Geldspartipps für den USA-Alltag

Im April habe ich auf der Facebook-Seite zu meinem Buch "Alltag in Amerika" jeden Tag einen Geldspartipp veröffentlicht. Hier sind diese Tipps noch einmal auf einen Blick:
1. Wasser und Geld sparen durch Toiletten-Umrüstung (Amerikanische Toiletten verbrauchen 4,8 bis 6 Liter Wasser pro Spülung!)
2. Im April ist der Eintritt in allen Nationalparks in den USA eine Woche lang kostenlos. Mehr dazu: National Park Week
3. Wer energiesparende Technologien in sein Haus einbaut, kann das auf seiner Steuererklärung geltend machen: Federal Tax Credits for Energy Efficiency
4. Viele von euch werden es schon wissen, aber ich erwähne es trotzdem: Skype ermöglicht kostenloses (Video-) Telefonieren übers Internet (auch international).
5. Wer sein Konto überzieht oder seine Kreditkartenrechnung zu spät bezahlt, dem nehmen amerikanische Banken ca. 35 Dollar Strafgebühr ab. In der Regel lohnt es sich, bei der Bank anzurufen und freundlich darum zu bitten, diese Gebühr zurück zu erstatten. Am besten sagt man: "I was wondering if you could waive this fee as a courtesy this one time?" (Das Zauberwort ist courtesy.) Das klappt normalerweise einmal im Jahr pro Bank.
6. In vielen Coffee Shops, Restaurants, Bake Shops, Eisläden und ähnlichen Geschäften bekommt man an seinem Geburtstag etwas umsonst. Sucht einfach bei Google mit dem Stichwort birthday freebies und dem Namen eurer Stadt.
7. Wer in den USA keinen Garten hinterm Haus hat bzw. in einer Wohnung lebt, kann vielerorts gegen eine relativ geringe Gebühr in einem Community Garden Gemüse, Blumen und Kräuter anbauen. Mehr dazu: Jetzt für einen Garten anmelden
8. Geld- und Sachspenden an gemeinnützige Organisationen können auf der Steuererklärung geltend gemacht werden. Informationen dazu: Eight Tips for Deducting Charitable Contributions
9. Einmal im Jahr gibt es kostenloses Eis in den Verkaufsstellen von Ben & Jerry's. (In diesem Jahr war das am 9. April)
10. Wer sich in den USA selbständig machen will, kann kostenlose Beratungsdienste in Anspruch nehmen: Kostenlose Beratungsdienste für Firmengründer in den USA.
11. Viele Kaufhäuser, Super- und Baumärkte bieten ihren Kunden store charge cards an. Diese funktionieren, das erkläre ich ja auch in Alltag in Amerika, wie Kreditkarten, können jedoch nur in den Filialen des jeweiligen Handelsunternehmens benutzt werden. Ein einmaliger Preisnachlass von 10 Prozent und Zinsfreiheit für einige Monate dienen oft als Anreiz für die Eröffnung eines solchen Kontos. Um richtig Geld zu sparen, sollte man 1) damit warten, bis man wirklich eine große Anschaffung tätigt (z.B. eine Waschmaschine) und 2) die Schuldsumme vor Ablauf der zinsfreien Frist abzahlen, da ansonsten möglichweise die Zinsen für den gesamten Betrag nachträglich fällig werden (unbedingt im Kleingedruckten nachschauen!)
12. Falls man Bücher innerhalb der USA verschickt, kann man das Porto verringern, indem man auf dem Postamt darauf hinweist, dass es sich um "Media Mail" handelt. Leider gilt das nur innerhalb der USA. Allerdings gibt es eine ähnliche Möglichkeit, wenn man größere Mengen Bücher per Luftpost verschicken möchte: Airmail M-Bags
13. Zum Thema Geld sparen beim Lebensmittelkauf haben die Leser von "1000 kleine Dinge in Amerika" eine ganze Reihe von guten Tipps zusammengetragen: Lebensmittelkauf - 25 Tipps zum Geld sparen
Jetzt bestellen!14. Dieser Tipp ist aus meinem Buch Immobilien in den USA: "Sie sollten versuchen, von dem Verkäufer eine Garantie (home protection plan) zu verlangen. Diese muss ebenfalls im sales agreement festgehalten sein und zum Zeitpunkt des Verkaufes vom Verkäufer erworben werden. Der Verkäufer garantiert, dass die Wasserrohre, die elektrischen Anlagen, das Heizungssystem, die Klimaanlage und die anderen technischen Geräte im Haus einwandfrei funktionieren, und erwirbt für einige hundert Dollar eine Versicherung, die im Falle eines Schadens die Reparaturkosten übernimmt. Diese Versicherung wird in der Regel für ein Jahr abgeschlossen und kann dann vom Käufer fortgeführt werden. Wenn der Verkäufer nicht bereit ist, die Kosten zu übernehmen, dann sollten Sie selbst eine solche Versicherung zusätzlich zur üblichen homeowner’s insurance abschließen. Viele Verkäufer werden sich aber darauf einlassen, da es sie gegen mögliche spätere Forderungen des Käufers absichert."
15. Fahrkarten von Megabus sind in der Regel nur halb so teuer wie die von Amtrak.
16. Ich buche alle meine Hotelübernachtungen bei Hotels.com. Dabei warte ich immer bis es Sonderaktionen gibt, über die man per E-Mail informiert wird. Außerdem bekommt man nach zehn Übernachtungen eine Übernachtung umsonst.
17. Urinieren in der Öffentlichkeit ist in den USA vielerorts ein Vergehen, das mit einer erheblichen Geldstrafe geahndet wird: New York: 20.000 Strafzettel für Urinieren in der Öffentlichkeit
18. Falls ihr einen Strafzettel wegen Falschparkens an der Windschutzscheibe stecken habt, lohnt sich ein genauer Blick darauf, bevor ihr zahlt: Ist der Strafzettel wirklich für euer Auto? In manchen Städten sind die Nummernschild-Angaben nur ganz klein aufgedruckt und einige Parksünder stecken ihren Strafzettel einfach an ein anderes Auto, in der Hoffnung, dass der Besitzer nicht aufpasst und zahlt. (Ich hatte schon einmal den Strafzettel, der für ein anderes Auto bestimmt war, unterm Scheibenwischer. Da ich selbst fragwürdig geparkt hatte, nahm ich zunächst wirklich an, dass er für mich bestimmt war. Ganz schön clever, muss ich sagen!)
19. Eine gute Kreditgeschichte zahlt sich in zweifacher Hinsicht aus: 1) man bekommt bessere Zinsraten bei Krediten, was besonders beim Immobilienerwerb und beim Autokauf wichtig ist 2) Arbeitgeber überprüfen zunehmend die Kreditgeschichte von Bewerbern, um sich ein Bild von deren Zuverlässigkeit zu machen. Mehr dazu: Wie man sich eine Credit History in den USA aufbaut
20. Worauf man im amerikanischen Straßenverkehr gut aufpassen sollte, wenn man einen teuren Strafzettel vermeiden möchte, sind die No Turn On Red-Zusatzschilder an Ampeln, die das Rechtsabbiegen bei Rot verbieten. Diese Schilder sind oft an den Ampeln direkt angebracht, mitunter stehen sie aber auch am Straßenrand. Besonders heimtückisch: Manchmal ist man schon an ihnen vorbeigerollt, wenn man an der Ampel zum Stehen kommt und bemerkt sie deshalb nicht. Auf diese Weise habe ich mir vor einigen Jahren selbst einmal eine 180-Dollar-Strafe eingehandelt.
21. Wer ein Haus kauft und deshalb eine Homeowners Insurance abschließt, kann in der Regel einen Discount von 5 Prozent bekommen, wenn man Rauchmelder (smoke detector) und Türschlösser mit Verriegelungsbolzen (dead-bolt locks) hat. Hier gibt es noch einige weitere Tipps, wie man in Sachen Homeowners Insurance sparen kann: 12 Ways to Lower Your Homeowners Insurance Costs
22. Wer gerade in den USA angekommen ist und sich den Haushalt einrichtet, aber auch wer schon in Amerika lebt, sollte unbedingt zu Big Lots gehen. Dort gibt es viele Dinge preiswerter: Geschirr, Waschpulver, Reinigungsmittel, Shampoo, Deo, Toilettenpapier und viele andere Dinge des täglichen Bedarfs. Ich gehe mittlerweile immer erst dorthin und dann anschließend in den normalen Supermarkt. (Übrigens gibt es auch deutschen Rotkohl im Glas bei Big Lots.)
23. Viele amerikanische Stadtbibliotheken haben mehr oder weniger kleine Abteilungen mit deutschsprachigen Büchern. Das trifft oft auch auf kleinere Städte zu. (Ich wohne in einer Stadt mit knapp 20.000 Einwohnern und die Public Library hat einige Dutzend neuere Romane in deutscher Sprache in ihrem Bestand.)
24. Vielerorten gibt es jetzt time exchanges, wo man seine speziellen Kenntnisse anderen Menschen zur Verfügung stellt und dann im Gegenzug ebenfalls die Services anderer Leute in Anspruch nehmen kann, alles ohne Geld. Hier ist ein Beispiel aus Wisconsin: Milwaukee Time Exchange Helps People Exchange Services
25. Wer in den USA lebt und eine Krankenversicherung mit hoher Selbstbeteiligung hat, kann ein spezielles Konto eröffnen, auf das Geld von Lohn bzw. Gehalt überwiesen wird und mit dem sich Steuern sparen lassen: Was ist ein Health Savings Account (HSA)?
26. Ein Tipp für Hausbesitzer:
27. Die meisten Krankenversicherungen haben einen Medikamentenversand (mail-order pharmacy). Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, kann hier oft Geld sparen. Während man in der normalen Apotheke nur Medikamente für 30 Tage bekommt, kann man auf diesem Weg Medikamente für 90 Tage erhalten.
28. Wer eine Waschmaschine, einen Rasenmäher, ein Auto oder dergleichen kauft, sollte darauf gefasst sein, dass einem der Verkäufer eine extended warranty aufzuschwatzen versucht. Diese ist jedoch oft nicht ihr Geld wert. Mehr dazu hier: Extended warranty buying guide
29. Wer sein Haus renovieren oder größere Arbeiten im Garten durchführen will, kann bei Home Depot relativ preiswert eine ganze Reihe von Geräten und auch einen Pick-Up Truck für den Transport von sperrigen Materialien mieten: Tool & Truck Rental
30. Falls ihr einen Garten habt und Kompost braucht, googelt einfach mal das Wort compost zusammen mit dem Namen eures Wohnortes bzw. eures County. Vielerorts wird Kompost von kommunaler Seite viel preiswerter als im Bau- oder Gartenmarkt angeboten.
Viele weitere Informationen zu finanziellen Themen gibt es in meinem Buch Alltag in Amerika: Leben und Arbeiten in den USA

Dienstag, 30. April 2013

Schönes Reiseziel: Die Großen Seen

Die Great Lakes sind meiner Meinung nach bei USA-Urlaubern noch nicht so richtig als mögliches Reiseziel ins Bewusstsein gedrungen, obwohl ich mit meinem Fettnäpfchenführer USA, der ein fiktives Michigan-Reisetagebuch enthält, versucht habe, da etwas Abhilfe zu schaffen. ;-) Vor einigen Wochen habe ich Stefanie Kulpe kennengelernt, die mit ihrem Unternehmen Michigan Travels Touren mit deutschsprachigen Reiseleitern organisiert. Ich fand das toll und habe sie gebeten, mir einige Fragen zu beantworten:

Kannst du dir vorstellen, dass die Großen Seen eines Tages als Urlaubsziel ähnlich beliebt wie Florida oder New York sind?

Das sind sie doch bereits! Na ja, zumindest in der Sommerzeit bei den Amerikanern des Mittleren Westens. Da gelten die Großen Seen als klassisches Reiseziel. Viele Amerikaner haben hier seit Generationen ein Wochenendhaus im Familienbesitz und verbringen regelmäßig ihre Sommer dort.

Bei den Deutschen glaube ich aber eher nicht, dass die Großen Seen je so beliebt werden wie die gängigen Reiseziele in den USA. Anders als die US-Amerikaner verbinden Europäer keine Geschichten oder Emotionen mit den Großen Seen. Florida und New York sind bekannt aus Filmen und Fernsehserien sowie aus massiver Bewerbung. Die Großen Seen halten sich da eher bedeckt.

Dadurch konnten sie eine wundervolle Ursprünglichkeit bewahren. Es gibt Landstriche, auf denen sich meilenweit nur kleine, unabhängige „Mom & Pop“ Shops finden; große Ketten wie McDonald’s bleiben außen vor. Die historische kulturelle Vielfalt (von zahlreichen Indianerstämmen, frühen europäischen Missionaren und Siedlern, Amishen, bis zu ehemaligen Industriehochburgen und legendären Gangsterbanden) und die einzigartige Landschaft -- eine Mischung aus wundervollen National Parks, weitläufigen landwirtschaftlich geprägten Regionen und beeindruckenden Metropolen, alles umgeben von einem Fünftel des Frischwasservorkommens der Welt, in Seen so groß wie Meere --, zeigen die Vielfalt der USA ohne Zuckerguss und massiver Kommerzialisierung.

Der Tourismus ist hier ein wichtiger Wirtschaftszweig, doch an einem Massentourismus wie in Florida ist hier wohl niemandem gelegen. "Klein, aber fein" lautet die Devise.

Was sollten sich Leute, die zum ersten Mal die Region der Großen Seen besuchen, unbedingt ansehen?

Ich rate jedem dazu, von der Vielfalt der Region zu profitieren. Eine der Metropolen, sei es Chicago oder Toronto, sollte auf jeden Fall auf dem Reiseprogramm stehen. Ich kann auch Detroit empfehlen. Allerdings sollte man sich für Detroit mehr Zeit nehmen, um die Komplexität dieser spannenden Stadt würdigen zu können.

Die Küstenlänge entlang der Großen Seen beträgt knapp 17.000 Kilometer. Ein paar davon sollte man sich da auf jeden Fall ansehen! Insbesondere an der Westküste von Michigan (also auf der Ostseite des Michigansees) gibt es meilenlange schöne, unverbaute Strände mit feinstem Sand und idealen Bedingungen für Wassersportarten aller Art.

Überhaupt: An einen der fünf großen Seen fahren, gucken und staunen. Und dann schwimmen gehen, sonnenbaden, Kajak fahren, was man so macht am Wasser. Abends entweder den Sonnenuntergang am Horizont beobachten oder in einem der zahlreichen Restaurants einen tagesfrischen Fisch genießen. Oder am besten gleich beides miteinander verbinden!

Auch einen der National Parks oder State Parks sollte man sich ansehen. Der Sleeping Bear Dunes National Lakeshore bei Empire ist ebenso beachtlich wie der Picture Rocks National Lakeshore. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Niagarafälle, die man sowohl von US-amerikanischer als auch von kanadischer Seite erleben kann. Eine Bootsfahrt auf der Maid of the Mist, die einen direkt an die Fälle bringt, ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Die Mackinac Brücke fasziniert immer wieder. Die Brücke überquert die Mackinac Straits zwischen Lake Huron und Lake Michigan und verbindet so die beiden Halbinseln, die den Bundesstaat Michigan ausmachen. Die Hängebrücke, manchmal auch „Big Mac“ genannt, misst eine Gesamtlänge von acht Kilometer. Sie ist damit fast drei Mal länger als die Golden Gate Bridge. Ängstliche Autofahrer können gegen eine kleine Gebühr an Ort und Stelle einen Fahrer anheuern, der ihren Wagen sicher über die Brücke bringt.

Es gibt viele weitere sehenswerte Dinge, Orte, Sachen. Wer noch Zeit hat, sollte eines der amischen Dörfer in Indiana besuchen oder auf gut Glück ein paar der vielen kleinen verschlafenen Ortschaften erkunden, die das Gebiet so unvergleichlich macht. Kleine Abenteuer garantiert!

Das kann man natürlich auf eigene Faust machen oder man kann sich einer Reisegruppe anschließen. Was zeichnen die Touren aus, die du anbietest?

Unser Unternehmen ist aus unserer Begeisterung für die Great Lakes Region entstanden. Besonders stolz sind wir auf unsere Kleingruppentouren, die wir mit viel Enthusiasmus und Sorgfalt zusammengestellt haben.

Bei diesen Kleingruppenreisen handelt es sich um Tourenangebote, die sich an Individualreisende richten, die die Region als Teil einer kleinen Gruppe entdecken möchten. Sämtliche Touren bieten eine ausgewogene Mischung aus Kultur, Natur und Erholung. Sie vermitteln einen faszinierenden Eindruck von der Region der Großen Seen und deren Vielfältigkeit.

Da wir ein kleiner, unabhängiger Reiseveranstalter sind, müssen wir keine Attraktionen in unser Angebot aufnehmen oder Hotels buchen, zu denen wir nicht zu 100% stehen. Wir legen Wert darauf, mit familiengeführten, unabhängigen Hotels zusammenzuarbeiten, wo immer es geht.

Wir bringen unsere Kunden auch zu Orten oder Besonderheiten, die wir gar nicht veröffentlichen. Es sind kleine Diamanten, die von der großen Welt unbehelligt bleiben sollen.

Beratung, Touren und Veranstaltungen finden grundsätzlich auf Deutsch statt. Unsere Reiseführer sind entweder Deutsche, die seit vielen Jahren in Michigan leben oder US-Amerikaner aus Michigan, die fließend Deutsch sprechen. Unsere Angebote eröffnen nicht nur einen exklusiven Zugang zu dieser wunderschönen und größtenteils noch unentdeckten Perle der USA, wir berücksichtigen auch die kulturell unterschiedlichen Sichtweisen. Und Sprachbarrieren fallen dabei einfach weg.

Unsere Devise: Wenn schon Urlaub, dann richtig. Unsere Gäste können sich entspannt zurücklehnen und genießen, denn schließlich ist schon alles geplant und fahren tut ein anderer. So kann man sich auf die Landschaft anstatt auf den Straßenverkehr konzentrieren.

Zuguterletzt: „1000 kleine Dinge“ bzw. Fragen („Was hat denn dieses Schild zu bedeuten?“) ergeben sich auf jeder Reise. Unsere Reisebegleiter können 999 kleine und manchmal große Antworten geben.

Kannst du vielleicht doch einen kleinen Geheimtipp für Michigan-Urlauber preisgeben?

Jeder kann sich gerne Inspirationen bei unseren Tourenbeschreibungen holen. Da gibt es sehr viele Tipps zur Tourengestaltung und zu sehenswerten Stopps.

Und eines kann ich noch gerne verraten: Bisher habe ich noch keinen Urlauber gesehen, der Michigan und die Großen Seen zum ersten Mal bereist hat und nicht vollends begeistert war!

Mittwoch, 24. April 2013

Was ist ein Health Savings Account (HSA)?

Wer in den USA lebt und eine Krankenversicherung mit hoher Selbstbeteiligung (high-deductible health plan) hat, kann ein spezielles Konto eröffnen, auf das Geld von Lohn bzw. Gehalt überwiesen wird und mit dem sich Steuern sparen lassen.

In der Regel können diese Überweisungen über den Arbeitgeber vor Abzug der Steuern vorgenommen werden. Sollte diese Möglichkeit nicht bestehen, kann man das Geld auch selbst einzahlen und dadurch das besteuerbare Jahreseinkommen verringern. Das macht man dann bei der jährlichen Einkommensteuererklärung geltend. (Selbstständige müssen allerdings self-employment tax auf ihre eingezahlten Beträge entrichten.) So lassen sich unter Umständen einige Hundert Dollar im Jahr sparen.

Pro Jahr können maximal 3.250 Dollar (Single) bzw. 6.450 Dollar (Familie) auf ein Health Savings Account eingezahlt werden. (Stand: 2013)

Dieses Geld kann dann für Eigenbeteiligungen bei medizinischer Behandlung und bei Medikamenten, aber auch beim Zahnarzt, Augenarzt und Chiropraktiker sowie für Brillen und Hörgeräte genutzt werden.

In der Regel nutzt man eine Geldkarte (debit card) oder Schecks für dieses Konto zum Bezahlen der genannten Eigenbeteiligungen bzw. anderen Leistungen.

Sollte man das Guthaben im laufenden Kalenderjahr nicht verbrauchen, steht es auch im folgenden Jahr zur Verfügung.

Falls man zu einer Krankenversicherung ohne hohe Selbstbeteiligung wechselt, steht das Geld ebenfalls noch zur Verfügung, man kann jedoch kein weiteres Geld auf dieses Konto einzahlen.

Sollte man Geld abheben und für nichtmedizinische Zwecke verwenden, werden Einkommenssteuer und 20 Prozent Strafgebühr fällig, es sei denn man ist 65 Jahre alt oder behindert geworden.

Dienstag, 23. April 2013

Buchverlosung im Juni

Eine Sache, die ich immer wieder gerne mache, ist das Verlosen von Büchern. Auf diese Weise kann ich meine Freude über ein neues Buch ein wenig teilen.

Im Juni ist es nun wieder soweit: Mein Auswanderer-Krimi "Hoffnung ist ein weites Feld", den es bereits als E-Book gibt, wird als gedrucktes Buch erscheinen und der Auftakt für eine Serie von Auswanderer-Krimis sein.

Aus diesem Anlass werde ich zehn Bücher unter allen verlosen, denen die Facebook-Seite "Auswanderer-Krimis" gefällt. Da nicht jeder bei Facebook ist, werde ich drei weitere Exemplare auf der Google+-Seite von 1000 kleine Dinge in Amerika und zwei weitere Bücher unter allen Abonnenten des Newsletters auf der Auswanderer-Krimis-Website verlosen. (Wer seine Gewinn-Chancen erhöhen möchte, kann alle drei Möglichkeiten nutzen.)

Ich wünsche euch viel Glück beim Mitmachen!

Freitag, 19. April 2013

Wie Detroit sich neu erfindet - Ein Interview mit Katja Kullmann

Da ich seit beinahe 15 Jahren in der Nähe von Detroit lebe und die Stadt mit ihren Problemen (und den Versuchen, diese zu lösen) recht gut kenne, habe ich mit großem Interesse das Buch Rasende Ruinen - Wie Detroit sich neu erfindet von Katja Kullmann gelesen. Ich war gespannt, wie es einer deutschen Journalistin, die sich vier Wochen lang in der Stadt aufhielt, gelingen würde, Detroit und seine Einwohner zu beschreiben. Kurz gesagt: Katja Kullmann hat ein tolles Buch vorgelegt, das der Stadt und ihren Menschen gerecht wird.

Katja Kullmann war so freundlich, sich mit mir über ihr Buch auszutauschen:

Denkst du oft an Detroit?

Ja, jede Woche mindestens zwei oder drei Mal. Zum einen liegt das daran, dass wir ja auch zunehmend in Europa, auch in Deutschland, über das Phänomen der „shrinking cities“ sprechen – überhaupt über das soziale Moment von Städten, über Ungleichheit: Da gibt es einerseits die boomenden Metropolen, die „Kreativ“- oder „Medienstädte“ wie Berlin, Hamburg, Köln, München – da wollen alle hin, da grassiert die Immobilienspekulation, da steigen die Mieten weiterhin wie verrückt. Und andererseits gibt es die sterbenden Städte in den Regionen des Bergbaus und der früheren Metall-Industrie, hoch verschuldete Kommunen mit wachsender Armut, etwa Oberhausen oder Dortmund. Genau diese Prozesse spiegeln sich ja in Detroit, oder es spiegelt sich umgekehrt, wie auch immer man das sehen will. Neulich war ich mal in Nordfriesland unterwegs, auf dem Land - und auch da: Kleine Kreisstädte mit halbverwaisten Innenstädten, da gibt es keinen Lebensmittelladen mehr, nur noch große Einkaufzentren irgendwo auf der grünen Wiese. Niemand investiert noch in diese Orte - lauter kleine Detroits, auch hierzulande. Naja, abgesehen davon habe ich natürlich noch ein paar Kontakte nach Detroit und lese in den Nachrichten auch immer mal, was sich dort gerade so tut. Und ich bin weiterhin ein Soul-Fan, besonders mag ich den Motown-ähnlichen Sound der frühen 60er Jahre, der eben überwiegend aus Detroit kommt. Es rührt ja sowieso sehr viel Musik aus Detroit oder hat auf Umwegen mit der Stadt zu tun – vom Jazz über den Funk, den Soul bis zu Punk und Techno. Wenn man das einmal weiß, kann man kaum noch Musik hören, ohne automatisch auch immer wieder Detroit zu hören.

Apropos Techno: Als ich vor einigen Jahren zu einem Konzert der deutschen Band Kraftwerk in Detroit gegangen bin, war ich überrascht, dass das Publikum zu einem großen Teil aus schwarzen Männern über 40 bestand. Wie ich dann später nachgelesen habe, gehörte Kraftwerk zu den Lieblingsbands der Techno-Wegbereiter in Detroit. Aber zurück zum Thema "shrinking cities": In deinem Buch schreibst du, dass Detroit "womöglich gar nicht hinterherhinkt, sondern den anderen nur wieder ein paar Schritte voraus ist." Sollten deutsche Städte mit ähnlichen Problemen deshalb Detroit im Auge behalten?

Das mit den „paar Schritten voraus“ steht im Vorwort - und war ursprünglich sarkastisch gemeint, nämlich in dem Sinn, dass es in den USA keinen Sozialstaat gibt, wie wir ihn aus Europa kennen. Die sozialen Sicherungssysteme werden in Europa ja gerade abgebaut. Und in diesem Sinne kann man in Detroit sehr gut sehen, wohin es führt, wenn die sprichwörtliche Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinander driftet, oder wenn dir nach einer bestimmten Zeit der Arbeitslosigkeit nichts mehr bleibt als Lebensmittelmarken. Aber auch in anderer, positiver Hinsicht sind die Menschen in Detroit uns gewissermaßen „voraus“. Es gibt dort Hunderte von Projekten und Kollektiven, die versuchen, neue Gemeinschaften zu stiften. Das Urban Farming spielt da eine wichtige Rolle. Ich hatte das zunächst unterschätzt und für eine Öko-Träumerei gehalten. Aber in Detroit ist das existenziell wichtig für die Menschen. In vielen Stadtteilen gibt es keinen Supermarkt mehr, erst recht keinen Gemüseladen. Seine Lebensmittelmarken kann man fast nur in Liquor Stores einlösen, wo es nur Fertiggerichte gibt, echten Ernährungs-Schrott. Die Urban-Farming-Bewegung in Detroit führt die Leute zurück zu einer autonomen Subsistenzwirtschaft, kann man sagen. Es gibt Leute, die sagen: „Wir verweigern jetzt die Rolle des Konsumenten.“ Frühere Auto-Mechaniker geben kostenlose Fahrrad-Reparatur-Workshops, es gibt privat organisierte Möbeltauschringe usw.. Da wird Autonomie und Selbstbestimmung gerade ganz praktisch ausprobiert bzw neu definiert – immer mit einer solidarischen Idee im Hinterkopf. In Deutschland gibt es ja z.B. Ansätze zu Mieter-Kollektiven - um aus dieser wahnsinnigen Miet-Spirale auszusteigen. Oder in Griechenland: Da haben ganze Gemeinden eine eigene Ersatz-Währung im Tausch-Modus eingeführt, um das lokale Wirtschaftssystem zu retten. Diese neuen Formen der Selbst-Organisation entstehen derzeit überall - und aus Detroit kann man da viel lernen. Das fand ich alles viel spannender als das, was Städteplaner und Investoren dort so im Kopf haben.

Das Urban Farming hatte ich anfangs auch unterschätzt. Jetzt entwickelt sich das zu einer echten Alternative zu den bestehenden Versorgungsstrukturen. Muss es den Leuten erst richtig schlecht gehen, bevor sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen?

Das wäre eine typische „Tea Party“-Ansicht, schätze ich mal: „Man muss Euch wohl verhungern lassen, bevor Ihr mal den Hintern hoch kriegt?“ Ähnliche Ansichten kursieren ja auch in Europa, so nach dem Motto: „Jeder ist seines Glückes Schmied, selbst schuld.“ Nein, nein – so ist es ganz und gar nicht. Einge ganz breite Bevölkerungsschicht ist in Detroit über Jahrzehnte in die Armut gerutscht, und es ist genau die Schicht, die einst zur Mittelschicht zählte – die „blue collar middle class“, man könnte auch sagen: die Mechaniker- oder Facharbeiterklasse. Das sind Familien, die über Generationen ganz brav den Vorgaben des amerikanischen Traums gefolgt sind, die haben fleißig gearbeitet, haben sich ein kleines Häuschen und ein Auto zugelegt, oft kreditfinanziert – genau wie es das amerikanische Konsum-System jahrzehntelang von seinen Bürgern gewünscht hat: „Buy now, pay later.“ Und nach und nach hat sich dann nicht nur die Produktion globalisiert, was ja nichts anderes bedeutet, als dass z.B. Autos an billigeren Standorten produziert werden; es ist auch das eingetreten, worüber wir in Europa seit einer Weile heftig diskutieren: Alte Arbeitsverträge und tarifliche Abmachungen wurden nach und nach aufgeweicht oder abgeschafft. Auch in Detroit sind viele Arbeiter zwischenzeitlich gekündigt und wenig später als deutlich schlechter bezahlte Leih- und Zeitarbeiter wieder eingestellt worden. Und wenn sich Existenzangst und Armut weiter vererben, dann kommt man da irgendwann nicht mehr heraus. Fakt ist: In Detroit gibt es einfach kaum Jobs, erst recht nicht für Menschen, die keine ganz so tolle Ausbildung haben. Gleichzeitig werden aber öffentliche Grundschulen geschlossen und so weiter – das Wort „Abwärtsspirale“ ist zu klein für das, was da passiert. Interessanterweise ballt sich draußen im Grünen, vor den Toren der Stadt, der Reichtum. Das umliegende, überwiegend von Weißen besiedelte County Oakland zählt zu den absolut reichsten in den gesamten USA. Dort sitzen sozusagen die Unternehmerfamilien, die mit der Ausbeutung der Innenstadt-Arbeiter-Schicht über hundert Jahre sehr viel Geld gemacht haben. Diese „Klassenteilung“ hat mich in dieser Härte sehr erschüttert. Was die Leute in dowtown Detroit jetzt tun: Sie holen sich den vergifteten Begriff „Freiheit“ sozusagen zurück. Sie denken nicht an „neoliberale“ Freiheit, sondern an Autonomie. Auch sie kündigen jetzt gewissermaßen den Gesellschaftsvertrag – weil die große US-Gesellschaft, erst recht der Bundesstaat Michigan, der übrigens von einem Tea-Party-nahen Republikaner regiert wird, sowieso nichts für sie tut. Also formen sie alternative, eigene Strukturen. Um zu überleben, ganz einfach.

Gouverneur Rick Snyder steht mir politisch alles andere als nahe, aber ich muss ihn doch ein wenig verteidigen: Er ist der erste Gouverneur seit Langem, der sich wirklich ernsthafte Gedanken um Detroit macht. Seine Ansätze sind zwar durch und durch kapitalistisch, aber er hat auch Ideen, denen ich zustimme, z.B. die Stadt durch Einwanderer neu zu beleben. Es gibt in Detroit mindestens zwei Stadtteile, die durch mexikanische Einwanderer zu neuem Leben erwacht sind, allerdings bis jetzt ohne Zutun des Staates. Was hältst du von der Idee, „shrinking cities“ durch Einwanderer wieder wachsen zu lassen?

Migration war schon immer der Schlüssel zu mehr Wohlstand – also: Wenn Menschen zuwandern, prosperiert über kurz oder lang die Stadt, das zieht sich von der Antike bis heute. Der britisch-kanadische Autor Doug Sanders hat vor nicht allzu langer Zeit ein interessantes Buch darüber verfasst, es heißt „Arrival City“, also „Ankunftsstadt“. Ich glaube ich weiß, von welchen Gegenden Du sprichst. Eine Ecke im südwestlichen Teil von Detroit wird heute „Mexican Town“ genannt, weil da in den vergangenen Jahren eine ganz neue Nachbarschaft mit einer kleinen, aber wachsenden Mikroökonomie entstanden ist. Also: Ja, das stimmt. Wie Du es in Deiner Frage aber schon andeutest: Der Zuzug dieser Menschen ist aber nicht das Verdienst irgendeiner „policy“, einer staatlichen Initiative. Ein anderes Beispiel ist das, was der Unternehmer Dan Gilbert in Detroit macht. Ihm gehört u.a. das Unternehmen „Quicken Loans“, das sich – ironischerweise - auf die Finanzierung privater Immobilienkredite spezialisiert hat. Er kauft seit einer Weile reihenweise leer stehende, teils zwangsversteigerte Hochhäuser in bestimmten Vierteln der City auf, und er genießt etliche, nur halb transparente Steuerprivilegien dafür. Was er im Gegenzug versprochen hat: Dass er mindestens 2.000 so genannte „High Potentials“, junge, top ausgebildete Leute als Arbeitskräfte in die Stadt holt. Auch für diese neu angeworbenen Mitarbeiter soll es in den ersten Jahren Steuervergünstigungen geben, und sie zahlen in den extra für sie hergerichteten Wohnungen besonders niedrige Mieten. Was alles erst einmal ganz gut klingt, das gebe ich zu – was aber auch zu der absurden Situation führt, dass diese jungen, abenteuerlusigen High Potentials nun also in luxuriös sanierten Häusern leben und dafür teils weniger bezahlen - obwohl sie ordentlich verdienen -, als die angestammten verarmten Familien für ihre Bruchbuden hinblättern müssen. In den Rasenden Ruinen habe ich es ungefähr so formuliert: „Man jubelt über 2.000 neue schicke Bürger – aber die 700.000 alten Bürger, die es seit Jahrzehnten irgendwie dort aushalten, kommen in den Berichten nur als Fußnoten vor.“ Fest steht, das ist in jedem Fall richtig: Detroit leidet unter einer massiven De-Gentrifizierung, dem Gegenteil dessen, was New York oder europäische Hot Spots erleben. Es ist dieselbe Medaille, nur von einer anderen Seite betrachtet: soziale Segregation. Insofern ist es wirklich gut, wenn neue Menschen nach Detroit ziehen und dort im Kleinen vielleicht etwas Neues aufbauen. Man darf aber keine Jubelarien daraus machen. Fakt ist: Die Stadt leidet immer noch vor allem unter einem massiven Anwohner-Verlust. Allein in den Nuller Jahren ist die Bevölkerung noch mal um ein Viertel gesunken, auf heute knapp über 700.000 – wo einst an die zwei Millionen lebten. Ich wünsche Detroit wirklich nichts mehr, als dass es wieder zu Kräften kommt, dass dieser traurige Verzweiflungs-Schleier, der über der Stadt liegt, sich schnellstmöglich auflöst, irgendwie. Aber die sozialen Verwerfungen sind dort wirklich gewaltig. Und, wie ich anfangs schon sagte: Das ist nicht nur ein Problem von Detroit! Man kann es dort aber eben in aller Härte besichtigen.

Wirst du Detroit in ein paar Jahren noch einmal besuchen, um zu sehen, was sich geändert hat? Vielleicht gehört Dan Gilbert dann ja schon das gesamte Stadtzentrum, oder er hat sich inzwischen wieder aus dem Staub gemacht ...

Das Verrückte, was ich wirklich nicht erwartet hätte, ist: Ich habe mich auf merkwürdige Art in diesen Ort verliebt. Das liegt, auch wenn’s ein bisschen kitschig klingt, an den Menschen, die ich dort getroffen habe. Eine ganz eigene Energie liegt in dieser Stadt, eine Mischung als Stolz und Trotz. Anfangs haben die Menschen zum Beispiel sehr skeptisch auf meine Fragen reagiert – nach dem Motto: „Schon wieder eine Journalistin, die unser Elend abfotografieren will.“ Aber dann … haben sich wirklich ganz tolle, teils sehr berührende Gespräche ergeben. Die Stadt, also die Menschen dort, haben mir sehr viel geschenkt, haben mir sehr viel anvertraut – und fast alle haben gesagt: „Ja, bitte erzähle unsere Geschichten weiter, damit man auch in Europa versteht, was hier los ist.“ Vor allem gibt es in Detroit auch einen bestimmten Humor, einen manchmal fatalistisch klingenden, oft irgendwie auch selbst-ironischen „Survival-Humor“, der unvergleichlich ist, glaube ich. Mit einigen Detroitern stehe ich auch noch in regem E-Mail-Kontakt. Und: Ja – ich werde auf jeden Fall noch einmal hinfahren. Es ist allerdings nicht ganz einfach, das zu finanzieren, ich meine: Ich bin nur eine bescheidene Ein-Frau-Fabrik ohne Sponsor. Tatsächlich werde ich jetzt, Mai und Juni, wieder in den USA sein – für ein neues, ganz anderes Projekt. Das wird mich allerdings in den Bundesstaat New York führen, ins Upper Hudson Valley, eine ziemlich wohlhabende, tendenziell „weiße“ Region. Das ist wieder ein ganz anderes Amerika dort. Es fällt mir schwer – aber ich habe beschlossen, Detroit bei dieser Reise links liegen zu lassen. Als Autorin muss ich einfach aufpassen, die Dinge nicht zu vermischen, muss das im Kopf hübsch auseinanderhalten. Wenn jenes neue Projekt, es soll wieder ein Buch draus werden, mich hoffentlich reich macht, haha, werden die nächsten Übersee-Tickets dann aber gleich gekauft – und dann werde ich wieder vorbeischauen, im großen, wütenden, irgendwie ja doch geliebten Detroit.

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Rasende Ruinen - Wie Detroit sich neu erfindet ist letztes Jahr im Suhrkamp-Verlag erschienen und recht preiswert: EUR 5,99 (als Taschenbuch oder E-Book).

Der/das Blog von Katja Kullmann ist ebenfalls sehr lesenswert.

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P.S. Vielen Dank an Stefanie Kulpe von Michigan Travels, die mir dieses Buch gegeben hat.