Mittwoch, 21. November 2007

Kann man das wirklich "auswandern" nennen?

Rund 155.000 Bundesbürger sind letztes Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus Deutschland fortgezogen.

"2006 waren die Schweiz (18.000), die USA (13.800) und Österreich (10.300) die bevorzugten Auswanderer-Ziele." (Quelle: Auswanderung: Immer mehr verlassen das Land)

Meine Frage an euch: Kann man den Umzug in ein Nachbarland, in dem die gleiche Sprache gesprochen wird, wirklich als "Auswanderung" bezeichnen?

Was ich mir unter einer Auswanderung vorstelle, ist das dauerhafte Fortgehen in ein fernes Land, nicht in eines, das nur ein paar Autostunden entfernt liegt. Ein Umzug von München nach Wien oder Bern ist deshalb meiner Meinung nach wirklich nur ein Umzug und keine Auswanderung.

Was denkt ihr?

Kommentare:

  1. Ich würde sagen, das hängt davon ab wie sich die sozialen Kontakte gestalten. Entwickelt man ein ganz neues soziales Umfeld oder fährt man einmal im Monat "nach Hause"..

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  2. Also ob ich Schweizerdeutsch als die gleiche Sprache bezeichnen würde... ich weiß nicht. Und dann gibt ja auch noch Schweizerfranzösisch, Italienisch und Rätoromanisch.

    Letztlich kommt es denke ich nicht auf die Entfernung an, sondern auf die Einstellung mit der man seinen Wohnort wechselt. Wenn man wegen einem besseren Job von München nach Wien umzieht, oder von Stuttgart nach Zürich, dann würde ich das nicht als auswandern bezeichnen.

    Wer aber wegen des Landes (Menschen, Leben, Mentalität etc.) umzieht (von Steuervorteilen mal abgesehen), der wandert für mich aus. Auch wenn es "nur" die Schweiz ist.

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  3. Also für mich zählt das schon als "auswandern". Es geht ja nicht nur um die Sprache, in D weiss ich zum Beispiel wie ich eine Lohnsteuerkarte bekomme, wie ich ein Auto anmelde, wie der Müll zu trennen ist, auf welchen Flaschen Pfand ist, was die Nachbarn so von mir erwarten, usw. usw. In Ö hätte ich nicht den leisesten Schimmer von o.g. Dingen und müsste quasi von null anfangen, auch wenn ich vielleicht nur 400 km weiter weg bin und im Prinzip dort Deutsch gesprochen wird - wobei dieses schon ein sehr "anderes" Deutsch ist.

    Was für mich allerdings nicht wirklich als "auswandern" zählt sind die Leute, die von ihrer Firma für eine begrenzte Zeit, z.B. 18 Monate, ins Ausland geschickt werden, und dabei alles vom Arbeitgeber organisiert und bezahlt wird, wie z.B. Umzug, Wohnung, Auto, usw. usw. Diese müssen zwar auch die lokale Gebräuche lernen, wissen aber dass es nur auf Zeit ist und können sich so ganz anders auf die Sache einstellen.

    Das ist aber nur meine Meinung :-)

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  4. Irgendwie habt ihr schon Recht, aber ich verbinde "auswandern" immer noch mit Amerika, Australien, Neuseeland usw. - weit weg eben, nur mit dem Flugzeug oder dem Schiff erreichbar.

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  5. Fährt eigentlich tatsächlich noch jemand mit dem Schiff nach Amerika, Australien, oder Neuseeland? Wobei der Jetlag ja dann quasi nicht vorhanden wäre, da man ja wahrscheinlich jeden Tag nur 1-2 Stunden "verarbeiten" müsste. Oder wie lang dauert so eine Reise überhaupt? Fragen über Fragen...

    Mein Vater ist in 1961 mit dem Schiff von USA nach D gereist.

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  6. Ich bin schon mehrmals mit dem Schiff von England nach New York und umgekehrt gefahren und kann es nur empfehlen. Die Fahrt dauert sechs Tage mit dem Passagierschiff und ca. zehn Tage mit dem Frachtschiff. Ich bin aber bisher nur mit dem Passagierschiff gefahren, was ca. doppelt so teuer wie ein Flug ist, aber man bekommt Essen wie im 5-Sterne-Hotel und auch ansonsten ist es der pure Luxus. Mehr dazu hier: Mit dem Schiff nach Amerika

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  7. Deutsche, die in die Schweiz auswandern, fühlen sich tatsächlich ausgewandert. Der Kulturschock ist häufig übel, denn wie Kai erkennen viele im Voraus nicht, dass sie in ein anderes Land mit vielen Unterschieden ziehen. Und die hören nicht erst mit der Sprache auf.

    Es gab einen Blog dazu, der leider nicht mehr aktualisiert wird, aber die Beiträge sind noch online:

    http://www.blogwiese.ch/

    Die eigentliche Frage habe ich mir aber auch schon gestellt. Ich kenne mittlerweile etwas ein Dutzend Leute, die aus Europa ausgewandert sind und in Amerika oder Asien leben. Sie arbeiten aber immer noch für Unternehmen in Deutschland und in der Schweiz, per Internet. Da frage ich mich dann wirklich, was das mit Auswanderung zu tun hat!?

    Es ist nicht bloss die Distanz in Meilen, es ist auch die Kommunikation.

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  8. In die Schweiz oder in ein anderes deutschsprachiges Nachbarland zu ziehen, das ist meiner Meinung nach keine Auswanderung.

    Meine Frau und ich wandern im Januar 2008 nach Texas aus (Green Card hooray!), und das ist für meine Begriffe wirklich Auswandern; wir wechseln den Kulturkreis. Das ist im Falle Österreich oder Schweiz nun so gar nicht der Fall.

    Liebe Grüße
    Norbert

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  9. Also, formell ist ein Umzug nach Österreich oder in die Schweiz schon ein auswandern, wenn man dort seinen neuen Lebensmittelpunkt hat und sich in Deutschland abmeldet. Ich denke aber, das gefühlsmäßige Auswandern hängt davon ab, ob man nur ein paar Monate bleiben möchte und dann zurückkommt oder sich kein kein Limit gesetzt hat. Eine größere Entfernung hilft dabei natürlich, länger weg zu bleiben. Aber wenn jemand kurz hinter die dänische Grenze zieht, dänisch lernt, in einem dänischen Unternehmen arbeitet und womöglich zwei Jahre keinen Fuß auf Deutschen Boden setzt, wo liegt der Unterschied?

    Herr A.
    weltblog.wordpress.com

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  10. Mein Gott, "Deutschland" ist doch auch nicht alles so wie auf RTL. Wo du München erwähnt hast, ich denke ein Münchner hat sehr viel gemeinsam mit einem Salzburger oder Wiener aber (außer der obersten Hauptstadt) wohl nichts mit einem Hamburger. Auch darum ist "Auswandern" hier sehr relativ. Ich denke, ein Umzug vom südlichen Baden-Württemberg in die Schweiz oder von Bayern nach Österreich ist kein Auswandern, zumal gerade diese beiden südlichen Bundesländer wirtschaftlich genauso stark wie die Schweiz und Österreich sind und dort viel mehr Menschen Einwandern als von dort Auswandern. Auswandern ist ein Phänomen das es merklich wirklich nur in den nördlicheren Bundesländern gibt, passend zu den dortigen wirtschaftlichen Problemen und in einer gewissen latenten Unzufriedenheit mit allem und jedem (die sicherlich schon oft eingeredet und übertrieben ist, man kann sich schließlich in alles hineinsteigern, erst in der "Gruppe").
    In München heißt es Semmel, Grüß Gott und Schreiner, in Hamburg Brötchen, Moin und Tischler; na das ist doch nicht die selbe Sprache ;-)

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